Weltanschaulicher Vernichtungskrieg

4. November 2019

Überaus aufschlussreich war der Vortrag von Reiner Zilkenat am 24. September in der Villa Ichon. Im Rahmen der MASCH Bremen sprach er vor 30 aufmerksamen Zuhörerinnen zur Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs. Mit aktuellen wie aufschlussreichen Dokumenten und Zitaten Beteiligter und Wissenschaftlern zeichnete er die Entwicklung des letzten Dreivierteljahres vor Kriegsbeginn nach…

Der deutschen Wehrmacht war daran gelegen, einen Zweifrontenkrieg zu vermeiden. Daher liefen monatelang intensive diplomatische Bemühungen zur Beschwichtigung Englands und Frankreichs, die Polen frühzeitig Garantieerklärungen für sein Recht auf Existenz, nicht aber seinen vollumfänglichen Bestand gaben. Das bot Hitler eine Möglichkeit, dieselbe Taktik wie Monate zuvor in der Tschechoslowakei anzuwenden. … Angriffspläne gegen Polen lagen längst in den Schubladen, der Fall Weiß. Die Appeasementpolitiker Chamberlain und Daladier waren nur zu gerne bereit, dieselbe Nachgiebigkeit wie gegenüber der Tschechoslowakei walten zu lassen.

…die Sowjetunion hätte im Herbst 1939 einen deutschen Angriff auf die Ukraine nicht aufhalten können. Die Führung der Roten Armee war geschwächt durch die stalinistischen Säuberungen 1936/38, die Schwerindustrie war im europäischen Teil des Landes und noch nicht in den Ural verlagert, die Industrialisierung noch nicht so weit fortgeschritten wie wenige Jahre später. So boten die Verhandlungen zwischen Molotow und Ribbentrop nach dem Scheitern diplomatischer Bemühungen um ein Dreierbündnis mit England und Frankreich zur Sicherung des Bestands Polens eine Atempause vor einem frühzeitigen Angriff…

Auszug BAF 12.2019/01.2020

In memoriam Harry Callan

4. November 2019

Harry Callan, unser Freund und Schulpate im Projekt „Schule ohne Rassismus“, Namensgeber unseres seit 2005 alljährlich am 26. April stattfindenden „Harry-Callan-Laufes“ am Denkort Bunker Valentin ist am Dienstag, den 24. September 2019 im Alter von 95 Jahren in Lusk, County Dublin gestorben. Am 19.11.2019 wäre er 96 Jahre alt geworden.

Harry wurde von den Nazis von 1943 bis 1945 zur Arbeit am Bunker Valentin in Bremen Farge gezwungen. Er war einer der letzten noch lebenden Zeitzeugen des Bunkerbaus, den er als junger Mann von Anfang an miterlebte und am dem er fast zugrunde gegangen wäre…

Im März 1945 wurde Harry mit den anderen überlebenden irischen Seeleuten zurück nach Westertimke gebracht, wo er schließlich von britischen Truppen befreit wurde. Zurück in seiner Heimat musste er sich von seinen Krankheiten und der Unterernährung erholen.

Sechs Monate konnte er nicht richtig sehen und erst nach einem Jahr wieder zur Arbeit gehen. Fortan schwieg er über die schlimmen Erlebnisse, die er während des Zweiten Weltkrieges in Farge gemacht hatte. Trotz seiner Alpträume, von denen seine Frau und Kinder berichteten, teilte er sich nicht mit und vergrub seine traumatischen Erfahrungen tief…

Ich war beeindruckt von seiner Persönlichkeit, seinem Charme, der trotz der schlimmen Erlebnisse stets durchkam, und von seiner Offenheit unseren Schülern und Schülerinnen gegenüber. Er berichtete ihnen und auch den KollegInnen, den FreundInnen der engagierten lokalen Geschichtsvereine und der Lokalpresse von seiner Leidenszeit, aber auch davon, wie es ihn gerettet hatte, dass der damalige Lagerarzt Dr. Heidbreder ihm nach einer schweren Krankheit erlaubte, fortan in seinem Garten zu arbeiten. Die Fragen der Schüler und Schülerinnen meiner Geschichtskurse beantwortete er unumwunden und offen. Wir alle waren bewegt von ihm!

…Besonders empfehlenswert ist Michèle Callans homepage für ihr Buch Forgotten Hero of Bunker Valentin. Hier kann man vieles über Harrys Leben entdecken:

Auszug BAF 12.2019/01.2020

Lucke lahmlegen!

4. November 2019

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Am 16.10.2019 sollte der Mitbegründer der AfD, Lucke, nach erfolgloser politischer Karriere, seine Professur an der Hamburger Uni wieder aufnehmen. Der Asta rief zu einer Demonstration gegen den Wiedereintritt Luckes auf. Auch die Hamburger OMAS GEGEN RECHTS waren mit Unterstützung aus Bremen, Stade, Berlin und Paderborn vor Ort, um die Studierenden bei ihrer Aktion zu unterstützen. Mit Redebeiträgen des Asta und OMAS wurde vor der Uni auf die Vergangenheit Luckes hingewiesen und dass es ein Unding ist, dass er wieder dort lehren darf. Danach sangen wir zusammen das OMA-Lied… Nach einer Stunde wurde Lucke an seinem Pult von Transparenten der Antifa verdeckt und nachdem er eine Studentin von ihrem Platz vertrieben hatte, zog er es vor sich ins Auditorium zu setzen. Die OMAS standen zu diesem Zeitpunkt mit ihrem Transparent schon auf dem Tisch neben Luckes Pult. Die Protestrufe gingen die ganze Vorlesungszeit über weiter und wurden auch nicht leiser… Die verbleibenden OMAS stimmten dann ihr „Wehrt euch“-Lied an, erst sangen sie allein, aber nach der ersten Strophe erhoben sie die Studierenden klatschend und sangen mit. Tja, wir OMAS sind zwar „Alt aber nicht stumm“. Vor der Uni hatte sich in der Zwischenzeit die Polizeipräsenz von zwei Polizisten zu Beginn der Veranstaltung auf vier Mannschaftsbusse erhöht. Die Polizisten waren nicht älter als die Studenten, es hatte somit den Anschein, als würde dieser Einsatz als Übung für angehende Polizeibeamte genutzt. Sie räumten den Saal nicht, wie erst vermutet, sondern geleiteten Lucke nur an einem Seitenausgang zu seinem Auto. Der Protest mit den jungen StudentInnen war für mich eine neu, aber tolle Erfahrung, gut organisiert und vor allen Dingen friedlich. Die anschließende Berichterstattung in den Medien war allerdings erschreckend pro Lucke, er wurde doch sehr als Opfer dargestellt. Auch das Verhalten der Universität, mit der Androhung der Strafanzeige gegen Unbekannt, ist kaum nachvollziehbar. Warten wir es einfach mal ab. Den Tag ließen wir dann bei einer gemütlichen Kaffeerunde im Unicafé ausklingen.

Auszug BAF12.1019/01.2020

Die im Dunkeln sieht man nicht

4. November 2019

Januar 1950 wird in München der Fuhrunternehmer Otto Brandl ermordet aufgefunden. Oberkommissar Ludwig Gruber kommt in den folgenden Monaten kaum voran mit seinen Ermittlungen. Immerhin schält sich das Motiv heraus, die Suche nach dem Verbleib der kurz für Ankunft der amerikanischen Einheiten aus dem „Führerbunker“ geraubten Kunstwerke, die selbst wiederum aus ganz Europa geraubte Beutekunst sind. Es gibt unterschiedliche Gruppen von Interessenten: Neben dem dubiosen Emil Brennicke, dem führenden Ermittler der Kriminalpolizei, die München beherrschende Gruppe von Schwarzmarkthändlern um Walter Blohm, den Deutsch-Amerikaner Andrew Aldrich, der nach eigenen Aussagen die geraubte Beutekunst für Collecting Point beschaffen will, um sie den rechtmäßigen Besitzern bzw. deren Erben zurückzugeben. Er verfügt über gute Verbindungen zur Chicagoer Unterwelt. Eine dritte Gruppe von Interessenten ist eine geheime Gruppe von Altnazis unter Henning von Mahnstein, die sich „die Wahren Deutschen“ nennt und sich regelmäßig in einem Nebenzimmer des Gasthauses Kammerwirt trifft. Georg Borgmann holt seinen Schulfreund Karl Wieners aus Berlin in die Redaktion der Zeitschrift Blitzlicht, damit der Schriftsteller die Hintergründe aufdeckt und daraus eine Artikelserie gestaltet. Er kommt zunächst bei ihm unter, geht dann aber ins Gasthaus Kammerwirt, das von seinem Bruder Veit geführt wird. Bis 1938 hatte Karl Wieners dort gelebt, in Berlin hält ihn nach dem Tod seiner Frau und der Kinder nichts mehr.

Es entspannt sich ein zunehmend spannender werdender Wettlauf um den Ort, an dem die geraubten Bilder eingelagert sein könnten. Die Mordkommission bemüht sich das Dickicht an Mutmaßungen zu durchdringen, befragt die unterschiedlichen Interessenten, den Galeristen Mohnhaupt und seine Tochter, den Walter Blohm, Andrew Aldrich, kommt aber wochenlang nicht recht weiter. Karl Wieners ermittelt aus journalistischen Ehrgeiz, merkt aber zunehmend, dass er benutzt wird. Er erhält verschiedene Hinweise, sucht Mahnsteins Pferdegestüt auf, spricht mit Andrew Aldrich und wiederholt mit Ludwig Gruber. Für den nehmen die Ermittlungen um den offenen Mord an Otto Brandl wieder Fahrt auf, als kurze Zeit nach Einvernahme zweier polnischer Diebe, Janusz Falski und dem 17-jährigen Lech, beide ermordet aufgefunden werden. Bei ihnen finden sich Hinweise auf den aufgebrochenen Tresor Brandls. Auch die Dolmetscherin Maria Gronska und ihre Geliebte Olga werden tot aufgefunden. Nicht wenige Mitbeteiligte an den Untersuchungen verschwinden erst einmal spurlos. Magda Wieners wird entführt, Veronika Brandls Geliebter Herbert Kumpfmayer, der für Walter Blohm tätig war ebenfalls und auch der dubiose Kripoermittler Emil Brennicke.

Die Geschichte führt ein in das Nachkriegsmünchen zu Beginn des Kalten Kriegs. Die meisten Beteiligten stellen sich fünf Jahre nach dem Krieg auf eine Normalisierung ihres Lebens um, suchen einen Neuanfang, verharren aber sehr stark in gewohnten Bahnen. An einigen Äußerungen lässt sich festmachen, dass eine gründliche Nachforschung nach den Ursachen nicht wirklich gewünscht ist. Es wäre nun interessant, eine Fortsetzung der Lebenswege und Wiederbegegnung der Charaktere verfolgen zu können.

Andreas Götz, Die im Dunkeln sieht man nicht, Fischer Scherz Verlag Frankfurt/Main 2019, 248 Seiten, ISBN 978-3-651-02587-5

im dunkeln sieht man nichts

Tränen der Freiheit

4. November 2019

Das Erstlingswerk Silke Böschens führt uns zum 11. Dezember 1875, als eine große Explosion den Kai in Bremerhaven erschütterte und 80 Menschenleben forderte, 200 weitere Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Ein Sprengstofffass hatte sich beim Verladen gelöst und war auf die Kaimauer gefallen. Silke Böschen beschreibt das Schicksal zweier Frauen, die sich zweimal begegnen werden. Die zwanzigjährige Johanne Claussen verliert ihren Ehemann Christian, ihre Eltern, ihre Geschwister Gustav, Johann und Henriette, ihren Schwager Conrad. Zum Schutz ihrer neun Monate alten Tochter Elisabeth legt sie sich schützend über sie und verliert die rechte Hand. William Thomas alias Alexander Thompson hatte die Sprengstoffkiste auf das Auswandererschiff Mosel bringen lassen wollen. Ein Zeitzünder hätte es auf hoher See zur Explosion bringen sollten, er selber hätte das Schiff vorzeitig verlassen. Als ihm klar wurde, dass der beabsichtigte Versicherungsbetrug gescheitert war, schoss der Bankrotteur sich zwei Kugeln in den Kopf und verstarb wenige Tage darauf. Seine Frau, die Franco-Amerikanerin Cecelia Thomas, wird von der Kriminalpolizei zur Befragung aus Strehlen bei Dresden geholt. Bei der Beerdigung der Toten begegnet sie Johanne Claussen. Mit allem, was sich zu Geld machen ließ, den Ruin vor Augen, flieht Cecelia mit ihren vier jungen Kindern in die Staaten. New York erscheint ihr eine sichere Bleibe, hatte sich die Kunde vom Verbrechen ihres Gatten doch bis St. Louis verbreitet. Nach größeren finanziellen Verlusten durch vermeintliche gute Bekanntschaften steigt sie ins halbseidene Milieu ein. Johanne Claussen braucht lange, um ihre tiefen seelischen Verletzungen zu überwinden, lernt Stenografie und die linke Hand zu nutzen, unterstützt von ihrem Schwiegervater. Scham und Zurückweichen vor einer erneuten Ehe treiben sie zur Auswanderung nach New York, wo auf der Suche nach einer Anstellung als Hutmacherin sie Cecelia Thomas erneut begegnet. Silke Böschens Roman führt uns in die Gründerzeit zurück, zu Gewinnspekulationen, verbunden mit einhergehenden Betrügereien großem Stils. Es lehnt sich an das Sittengemälde der Buddenbrooks an, die Rolle der Frau in der wilhelminischen Gesellschaft, die Bedeutung der Familie und eines standesgemäßen Verhaltens, die Grenzen persönlicher Entfaltungsmöglichkeiten, die Klassenunterschiede in der Gesellschaft treten in Silke Böschens Roman hervor. Die Gefühlswelt zweier Frauen, die Sorge um die Entwicklung ihrer Kinder werden an zwei Beispielen widergespiegelt. Die Suche nach einem eigenen, nicht von den Familienstrukturen auferlegten Ausweg aus dem Schicksal beherrscht das Buch, lässt die Gefühlswelt verständlicher werden. Das knüpft an modernere britische Frauenliteratur an. Interessant wäre eine Fortsetzung lesen zu können.

Silke Böschen, Tränen von Freiheit. Flammen am Meer, 444 S. Gmeiner Verlag Mießbach Juli 2019 15 Euro ISBN 9-783839-224649

tränen der Freiheit

Lesung: Monika Salzer aus ihrem Buch „OMAS GEGEN RECHTS“

22. September 2019

Am 19.10.2019 um 19:00 Uhr liest Monika Salzer im Forum Kirche in der Hollerallee 75 aus ihrem Buch „OMAS GEGEN RECHTS“

Solidaritätsbasar

3. September 2019

Freitag, den 29.11.19 Solidaritätsbasar ab 18 Uhr in der Zionsgemeinde, Kornstraße

100 Jahre Bremer Volkshochschule

3. September 2019

Dienstag, den 19.11.19, um 19:30 Uhr in der Villa Ichon, Goetheplatz 4, Prof. Dr. Jörg Wollenberg, 100 Jahre Bremer Volkshochschule – Von der „Pflege heimischen Volkstums (1919) zur verspäteten „Wiedergutmachung“ im Bamberger. Mit Richard von Hoff eroberte 1919 der „völkische Geist“ die die Bremer Volkshochschule zur „Abwehr jüdisch-marxistischer Zersetzung“. Der erste Leiter der Bremer VHS verfolgte das Ziel, am „Wiederaufbau des Vaterlandes“ mitzuarbeiten und der Gefahr zu begegnen, als Volk „Kulturdünger für fremde Völker“ zu werden. „Rassenfragen, Vererbungsprobleme und familiengeschichtliche Forschungen“ standen so von 1919 bis 1945 im Mittelpunkt des Volkshochschulprogramms in einer Stadt, in der Kaufmannschaft und Arbeiterbewegung die Kultur und Politik lange bestimmt hatten. Im Gegensatz zu anderen großstädtischen Volkshochschulen konnten die neuen Machthaber 1933 auf Entlassungen und Namensänderungen verzichten, nicht einmal eine Selbstgleichschaltung war vonnöten. Richard von Hoff wurde im März 1933 zum Senator für das Bildungswesen ernannt und stieg zum SS-Oberführer und Hauptschulungsleiter für Rassenfragen auf. Der Neuanfang der Bremer VHS nach 1945 gelang nur unzulänglich. Erst 1954 kam es zum inhaltlichen Kurswechsel mit Hilfe eines Emigranten. Aber auch der Weg der umsteuerung von Fritz Borinski, von seinen Nachfolgern Günter Schulz und vor allem von Karl Heinz Schloesser intensiviert, stießauf Schwierigkeiten – mit Folgen bis heute – trotz aller Frauen-Power.

Veranstaltung der MASCH Bremen

Veranstaltung zu Ehren der Verteidiger der Bremer Räterepublik

3. September 2019

Veranstaltung zu Ehren der Verteidiger der Bremer Räterepublik

Samstag, 16. November 2019, um 11 Uhr Grasmarkt (zwischen Dom und Rathaus) zur Erinnerung an die Novemberrevolution 1918, kurze Ansprachen Raimund Gaebelein zur Rätebewegung und ihren Nachwirkungen. Moderiert von Gerd-Rolf Rosenberger, zu Beginn und zum Schluss musikalisch begleitet vom Roten Krokodil.

Gedenken an die Opfer der Pogromnacht 1938

3. September 2019

Freitag, den 08.11.19, um 11 Uhr Gedenken an die Opfer der Pogromnacht 1938 an der Stele am ehemaligen jüdischen Altersheim an der Gröpelinger Heerstraße 167. Stolpersteinputzen gemeinsam mit Kultur vor Ort am folgenden Tag ab 17 Uhr ab der gleichen Stelle.

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