Bremer Antifaschist Ausgabe 398

25. August 2026

Neue Ausgabe des Bremer Antifaschist veröffentlicht!

Alle Ausgaben des Bremer Antifaschist finden sich im Menü unter dem Reiter „BAF“.

Tag des offenen Denkmals / Tag der Opfer des Faschismus

25. August 2026

Der Tag des offenen Denkmals findet immer am 2. Sonntag im September (14.09.) statt und fällt damit auf denselben Tag, den die interzonale Länderkonferenz der VVN im Jahr 1947 zum Tag der Opfer des Faschismus bestimmte.

In Kooperation mit dem Wilhelm-Wagenfeld-Haus und dem Staatsarchiv beteiligen wir uns an diesem Tag wieder mit einem Angebot am ehemaligen Gefangenenhaus Ostertor (Ostertorwache).

Nach einer kurzen Kundgebung an der Skulptur „Freiheitskämpfer“ von Fritz Cremer (11:00 Uhr) bietet Stefan Heesch eine Führung durch den Zellentrakt an (11:15-12:00 Uhr). Im Anschluss findet im Keller des Hauses eine Lesung aus dem Buch „Na, Lütten?“ statt (12:15-13:00 Uhr). Es enthält den Briefwechsel zwischen Heinrich Buchholz, Kommunist und Gefangener der Gestapo in der Ostertorwache, und seiner Tochter Lore. In früheren Jahren hat Lore Buchholz selbst aus dem Briefwechsel gelesen, nun hat sich ihr Sohn Gerd dazu bereit erklärt.

Daran anschließend wird Stefan Heesch eine zweite Führung durch den Zellentrakt anbieten. Die angegebenen Zeiten sind ungefähre Zeiten.

Tagebücher können harte Zeugen sein – Was fördert Widerstandsfähigkeit / Resilienz?

25. August 2026

Buchbesprechung zu „Zyatkov, Nikolai / Evgeny Faktorovich Tatyana Kuznetsova, Argumenty i Fakty / AIF Kind Heart Charitable Foundation, CHILDREN OF WAR 1941-1945, Moskau 2016 (Englisch)“ von Heike Oldenburg, Juni 2026

Die Sowjetunion wurde vom Deutschen Reich mit dem „Unternehmen Barbarossa“ am 22. Juni 1941 ohne Kriegserklärung überfallen. Auch die Zivilist*innen, Erwachsene wie Kinder, waren dem Vernichtungskrieg ausgesetzt. Sie mussten versuchen, diese schwierigen Jahre durchzustehen. Im September 1941 gab es in Leningrad 400.000 Kinder, im Januar 1944 noch 200.000. Von den 4,5 Mio. zivilen „Ostarbeitern“ wird ein Anteil von über 30 % Kinder geschätzt. Ein Mädchen, das in „CHILDREN OF WAR 1941-1945“ zu Wort kommt, hatte sich vorgenommen, „ihre ruinierte Jugend zu rächen“ (Alle Zitate eigene Übersetzung). Über 35.000 Kinder erhielten während des Krieges Medaillen als „Held*in der Sowjetunion“. Sie hatten hilfreiche Tätigkeiten wie Briefe von verletzten Soldaten auf Diktat schreiben, Bomben auf Dächern austreten, Wollhandschuhe sticken, Kartoffeln ausgraben und vieles mehr ausgeführt.

Ein Kind schrieb: Russen „are a resilient people“ („sind ein widerstandsfähiges Volk“). Resilienz (von lateinisch ‚resilire’: „zurückspringen, abprallen“) bedeutet, mit Selbstwertgefühl, positiver Lebenshaltung und unterstützendem sozialen Umfeld auf schwer belastende Erlebnisse so reagieren können, dass keine dauerhaften psychischen Schäden zurückbleiben. Resilienz ist je nach psychischer Grundausstattung in gewissem Umfang erlernbar.

In einem Vorwort schrieb Michail Gorbatschow: „Wir leben so lange, wie wir erinnern.“ Er war zehn Jahre alt, als der zweite Weltkrieg begann. Anfangs las er aus der Prawda im Dorf vor. Später wurde auch sein Dorf besetzt. Er hoffe, dass dieses Buch helfen könnte, „dies, wie wir alle wissen, fragile Ding“ Frieden zu erhalten. Das Buch sei Erinnerung und Warnung zugleich. Auch der Schriftsteller D. Granin schrieb in seinem Vorwort: „Wir wollen ihn [einen dritten Krieg] nicht.“

Ich fragte mich: Inwiefern hilft das Führen eines Tagebuchs dabei, dem Schrecklichen, dem Grauen etwas entgegen zu setzen? Lässt sich aus den Aufzeichnungen in Tagebüchern nachvollziehen, was zur Förderung der Widerstandsfähigkeit beigetragen hat?

Das Buch – die Tagebücher

Das im Jahr 2016 auf Englisch erschienene Buch „CHILDREN OF WAR 1941-1945“ enthält 35 Tagebücher von Kindern und Jugendlichen im Alter von neun bis 17 Jahren. Sie wurden in Museen, Archiven und Familiensammlungen von der Wochenzeitung Argumenti i Fakty (AiF) gefunden. Die Tagebücher stammen von 18 jungen Menschen aus Leningrad, zwei aus Ghettos/KZs, drei „Ostarbeiter“, fünf mit direktem Feindkontakt (Front/Besetzung) und sieben von der Heimatfront. Viele der Texte wurden in distanziert-sachlichem Ton abgefasst. Die meisten Kinder haben überlebt, nur drei sind nachweislich in der Berichtszeit gestorben, von drei weiteren ist der Verbleib unklar. Die Überlebenden waren nach dem Krieg als Erwachsene oft bis zu 55 Jahre lang berufstätig.

Die Tagebücher wurden z.T. vor dem Kriegserleben begonnen. Viele Tagebücher hörten bereits Anfang 1942 wieder auf. Dafür mögen die Evakuierung, erfrorene Hände, Mangel an Ressourcen oder das zu intensive (Wieder-)Erleben des Aufgeschriebenen Gründe sein. Mehrere Tagebücher reichen bis zum Ende des Krieges am 9. Mai 1945. Die meisten Kinder schrieben fast täglich, manchmal mit mehrmonatigen Pausen. Ein Tagebuch war wie eine Collage mit Gedichten gestaltet. Einige wenige Tagebücher sind illustriert.

Eines der Kinder bezeichnete sein illustriertes Tagebuch als „wertvoll“ und „geheim“. Man merkt an den Formulierungen, dass das Tagebuch-Führen für einige Kinder existentiell war. Ein Tagebuch wird „Freund“ genannt. Ein Kind sprach das Jahr 1943 als „Du“ an. Dementsprechend scheint wichtig gewesen zu sein, dass das zu beschreibende Medium schön und besonders ist. Ein Kind hatte ein „blaues Notizheft“, andere hatten „handgenähte Notizhefte“. Es wurde auf Kalenderblättern, Übungsheften mit guter Baumwoll-Bindung, karierten Schulheften und einem Mini-Tagebuch so klein wie eine Kinderhand geschrieben. Ein Mädchen lernte drei dicke Hefte vorsichtshalber auswendig. Ein Mädchen schrieb mit dem Kajalstift (eigentlich für Lidstriche am Auge) ihrer älteren Schwester.

In den Tagebüchern wurden ganz unterschiedliche Welten beschrieben: Ein Mädchen hatte einen NKVD-Mitarbeiter (Vorläufer Geheimdienst) als Partner. Sie beschrieb einen Ball mit großem Bankett. Der Gegenpol dazu in einem anderen Tagebuch: dass Kohlrüben schon „ein gutes Essen“ seien. Oft wurde jeder Bissen einzeln abgezählt. (Zugeteilte Rationen wurden meist sofort verschlungen. Rationskarten wurden oft verloren oder gestohlen. Die Not war so groß, dass eine Oma der Familie sagte: Wenn ich sterbe, erst mal nix sagen, sondern die Rationen einstecken.) Aus einem anderen Tagebuch: dass der alles regierende „Zar“ der Hunger sei.

Eine Formulierung wie „Wann wird dieser Krieg vorbei sein?“ kommt mehrfach in Variationen vor, z.T. schon nach den ersten 3-4 Monaten. Das letzte Tagebuch im Buch, erst im Jahr 1945 begonnen, bildet trotz Hunger und Kälte im Dorf Chirikowo (ca. 6km südwestlich von Moskau) einen friedvollen Alltag ab. Der Junge hatte seine Übungshefte immer bei sich, sie waren für ihn wie „die Luft“, die er „atmet“.

Motivation

Lena Mukhina schrieb: „Meine geliebte Freundin, mein Tagebuch. Ich habe niemand außer dir, meine einzige Ratgeberin. Ich erzähle dir all meine Traurigkeiten, Sorgen und Reue. Und ich erwarte nur eins von dir: Erhalte meine traurige Geschichte auf deinen Seiten und dann, wenn die Zeit kommt, erzähle meinen Verwandten von allem, so dass sie alles wissen – natürlich nur, wenn sie wollen.“ Erschütternd ist in einem anderen Tagebuch, dass der Vater verhungert sei, dass das Kind nun „nur noch die Mutter und das Tagebuch“ habe. Das Vorhaben eines Kindes war, dass das Tagebuch „Zeuge sein soll“. Kämpfen ist eine Sache, jemand anderen die Wahrheit wissen lassen, ist etwas anderes. (Nicht von ungefähr war es deutschen Soldaten verboten, Tagebuch zu führen.) Ein Kind schrieb, dass es alles aufschreiben müsse, „sonst glaube ich meiner eigenen Erinnerung nicht“.

Ein Kind ließ sich durch einen Onkel, einen Kriegsreporter, zum Schreiben anregen. Ein Kind plante, über das „Elend des Winters“ zu schreiben mit dem Ziel die Öffentlichkeit zu informieren. Einem Kind wurde das Notizheft von einem Soldaten geschenkt. Das ermutigte es. Der Vater eines Kindes hätte es besser gefunden, das Tagebuch zu verbrennen aus Furcht vor Folgen, wenn die Deutschen es in die Hand bekämen. Ein Mädchen wurde deshalb sogar angeschrien. Es entschied sich nach langem Nachdenken, das Tagebuch unter einem Brett im Fußboden zu verstecken. Ein anderes Kind versteckte das Tagebuch von Anfang an vor den Eltern auf dem Dachboden. Einmal heißt es, es sei „nicht die rechte Zeit“, Tagebuch zu schreiben, das Kind tat es nachts trotzdem. Ein Mädchen setzte durch, dass sie das Tagebuch mit in den Bunker nehmen durfte. Ein Kind traute sich aus „Angst“ nur wenig zu schreiben

Schreiben an sich

Schreiben hilft Gedanken und Gefühle nach außen zu bringen. Dazu müssen sie ordnend wahrgenommen werden. Einem Mädchen half es, auch wenn sie nicht schreiben konnte (wenn sie noch unterwegs war, es schon oder noch zu dunkel war, wenn sie zu erschöpft war), zumindest ihre „Gedanken zu strukturieren“. Dadurch kann man Klarheit gewinnen. Die Einträge in den Tagebüchern sind häufig bruchstückhaft, unsystematisch und sehr subjektiv. Die Worte fließen durch die bewegte Hand und den Stift aufs Papier. Zudem werden sie durch die Augen aufgenommen. Das verstärkt das Erleben des Gedachten/Gefühlten. (Ein Mädchen fand die Dokumentation des Geschehens um sie herum „zu erdrückend“ und fühlte keine Kraft mehr weiterzuschreiben vor Kälte und Hunger.) Es können „anhaltende Ängste und negative Erlebnisse losgelassen und somit kognitive Ressourcen freigesetzt werden“. (https://de.wikipedia.org/wiki/Schreibtherapie, Zugriff 10. Mai 2026) Verborgene Gefühle können einen Weg nach außen finden. Das Selbstwertgefühl wird gestärkt. Ein Perspektivwechsel der Sicht auf Erlebtes kann eine Veränderung in Gang setzen.

Tagebücher sind meist nicht zur Veröffentlichung gedacht. Mehrere der Kinder wollten jedoch die Umstände ihres Lebens und ihr Erleben später öffentlich machen. Das veränderte ihren Schreibstil durch das Mitdenken dritter Augen. (Eine Ehefrau half einem Schreibenden nach dem Krieg, das Tagebuch in gut lesbare Form zu bringen; beide begriffen dessen historischen Ernst.) Die Tagebücher sind für historisch Forschende eine wertvolle Quelle. (Seit dem Jahr 1998 gibt es das „Deutsche Tagebucharchiv e.V.“ in Emmendingen/Baden-Württemberg.)

Literatur / Schule

Literatur / Schule

Viele Kinder konnten durch Bücher in anderen Welten ausruhen und Kraft für den Lebenskampf sammeln. Literatur lesen sei „aufbauend“. Ein Mädchen „muss[te] etwas essen, bevor ich lesen kann“. Ein Kind las “Krieg und Frieden“ von Tolstoi – mitten im Krieg. Schiller, Dickens, London, Voltaire, Hugo, Dumas, Zola, Gogol, Turgenjew wurden als Autoren angeführt. Ein Kind las Clara Viebig, eine deutsche naturalistische Schriftstellerin. War es dieses Kind, das sich fragte, ob die Deutschen vielleicht doch gut sein könnten? Mindestens zweimal wurde laut vorgelesen, auch aus der Zeitung. Ein Mädchen war Puschkin-Fan; ausgerechnet sie war im Ort Puschkin (25km südlich vom Zentrum St. Petersburgs, heute ein Bezirk von St. Petersburg) evakuiert, wo sie voll Schrecken wahrnahm, wie respektlos die Deutschen mit dem Erbe des geliebten Autors umgingen.

Ein Kind freute sich sehr über „The Art of Antiquity and Modern Times“ als Geburtstagsgeschenk. Ein Mädchen las eine Kinder-Enzyklopädie; es half ihr, da darin andere schwere Schicksale beschrieben waren. Aus einer anderen Enzyklopädie eignete sich ein Junge hilfreiches Wissen über die Nährwerte von Zuckersirup an, den sie nun häufig aßen. Ein krankes Kind tröstete sich mit Lesen und Malen. Ein Mädchen wollte später Journalistin werden, „damit die Leute auch was Gutes zu lesen“ bekämen. Bücher waren für ein Kind „meine Unterstützung/Freude/Erbauung/Wissen“. Ein Kind war überzeugt, dass das Erinnern und die folgende Stille ihr die alltäglichen Schmerzen wegnahm. Ablenkung fand ein Kind durch Lernen von altem Hebräisch. (Hannah Arendt las sich widerständiges Wissen während ihrer Flucht in Frankreich in französischen Krimis an: Sie wollte wissen, wie die französische Polizei denkt. Ihr und ihrem Mann H.

Blücher gelang die Flucht durch einen angelesenen Trick der Schlüsselhinterlegung im Hotel! (Krimstein, S. 133/4, 145))

Lernen in der Schule war trotz Bomben und Hunger beliebt. Hier gab es auch Mittagsessen und Öfen. Einem Kind tat die Berufsschule „gut“. Ein Kind setzte Studieren gegen „das Ausgesaugt werden“ durch den Krieg ein. In einer Schule weigerten sich Kinder, ein Kriegstheater aufzuführen. Ein Kind machte lieber die Schulaufgaben in der Schule, so konnte es zuhause eher schlafen, d.h. der Kälte entgehen.

Tanzen

Tanzen sei gesünder für Körper und Geist als jede andere Tätigkeit. Tanzen trainiere Kondition, Koordination, Balance, aber auch das Gedächtnis, kognitive Leistungsfähigkeit und geistige Flexibilität. Stress werde abgebaut und die Stimmung aufgehellt. (ECHT WALLE Magazin #31, Frühjahr 2026) Öfter gab es Tanz im russischen Kriegsgebiet, aber man wusste oft nicht, woher die Kleider dafür nehmen. Ein Kind brachte sich Tango und Foxtrott alleine bei. Obwohl eine Mutter sich wunderte: „Warum um alles in der Welt willst du tanzen gehen, während du hungerst??“, schrieb die Tochter: „Das ist alles, wozu Leben da ist – wir hatten den ganzen Tag nichts gegessen, wir waren hungrig, aber sobald es Abend wurde, gingen wir tanzen.“ (Stalingrad) Diese Äußerung zeigt, wie die jungen Menschen auch ohne Theorie, einfach aus dem Erleben heraus, „wussten“, was gut tat und aufbaute.

Weiteres

Musik(-instrumente) waren hilfreich zum Bewältigen des Alltagsstresses: Piano oder Klarinette spielen, einem Akkordeonspieler zuhören oder zusammen laut singen werden als aufbauend genannt. Ein Kind (15) war Trommler. Eine Kunstklasse, Kino, Theaterspiel, dafür Kostüme besorgen und Oper werden genannt. Ein Dezemberkonzert wurde zur Ablenkung geboten (KZ). In einer Pioneers Hall (Jugendzentren für kulturell-kreative und sportliche Betätigung ohne Eintritt, oft in ehemaligen Aristokratenpalästen) gab es ein Kostümfest mit Musik, zu dem ein Mädchen als „Prinzessin von Turandot“ ging. Vorfreude ist eine wichtige Freude. Der Invalide Iwan Markevich trat ab April 1942 mit seinen zwei Hunden als Zirkus in Schulen und Kitas auf, um die Kinder abzulenken. Schach wird angeführt. Ein Mädchen stickt. Ein Junge fand das Durchstöbern all der schönen, vielfältigen Angebote auf dem Straßenmarkt „großartig“ (Leningrad). Ein Junge mit Biologie als Leidenschaft konnte sich ein Mikroskop zusammenbauen. Anekdoten ermunterten. Rosen pflücken auf Feldern wird genannt. „Wohltuend“ war für ein Mädchen, an einem Sonntags-Gesprächskreis für Frauen teilzunehmen. Ein Kind erinnerte sich an das gute Essen zu Weihnachten 1940, ein anderes träumte von gutem Essen in der Zukunft. Ein Kind fand Rauchen beruhigend, es unterdrücke Gedanken und Gefühle. Trotz der schwierigen Umstände verliebten sich Jugendliche.Das Überleben sichernde Aktivitäten wirkten sich förderlich auf den inneren Zustand der Kinder aus: Schüler*innen halfen im Lazarett. Eine Tochter musste nun einholen gehen, also Verantwortung übernehmen. Eine Katze schleppte zehn Ratten am Tag an, was Nahrung gab (schon im Oktober 1941 gab es „Dachhase“ – eingefangene Katzen und Hunde von der Straße). Auf der Krim kämpften Kinder mit den Partisanen. Obwohl sie dafür zu klein und oft zu erschöpft waren, haben Kinder an der Heimatfront geholfen. Im Ort Kuznetsk (750km westsüdwestlich von Moskau) allein haben 20 Mio. Schulkinder an 585 Arbeitstagen Teile für 100 Mio. Bomben und 50.000 Panzer gefertigt. Ohne die Zuarbeit dieser Kinder wäre der Krieg nicht gewonnen worden, schrieb AiF.

Aktuelle Informationen zu erhalten, bezeichneten Viele als motivierend. Am 22. Juni 1941 berichtete die 13jährige Tanya Vassoevich von einer Ansprache (aus Radio-Lautsprechern an 1000 Kreuzungen in Leningrad) des Genossen Molotow („Wir befinden uns im Krieg“), die ihre „Mutter weinen, sie aber lächeln machte“. Radio hören wird als wichtig angeführt. Ein Kind zweifelte für sich: Kommt mit den Frontberichten Hoffnung oder Angst auf?Verschiedene innere Haltungen gaben Festigkeit: Zu leben sei gut, tot zu sein ein „zu einfacher Trick“. Ein für Ordnung und Kommunikation eingeteiltes Mädchen nahm sich fest vor, „mit Energie und Entschlossenheit“ ihre Ziele zu verfolgen. Ein Kind erinnerte sich, wie toll es war, „eine Zukunft zu haben“. Auch wurde stolz berichtet, dass ein Kind „stehlen gut gelernt“ habe, ein anderes war zufrieden, zu sabotieren, indem es die Steine falsch beklopfte. Auf der Flucht wurde ein 6jähriges Kind zusammen mit der Familie in die Rote Armee als Trainee/Auszubildende aufgenommen und damit gerettet!

Zusammenfassung

Es ist erfreulich, wie viele schöne Erfahrungen in diesem Buch zu finden sind, das über so viele bedrohliche Erlebnisse in schweren Zeiten berichtet. Dass eine Tätigkeit geschildert wurde, sagt nur begrenzt etwas darüber aus, wie die/der Autor*in sich beim Schreiben gefühlt hat. Eine Schlussfolgerung kann teilweise aus der Aneinanderreihung von vielen ähnlichen Erlebnissen geschlossen werden. Im ersten Tagebuch in dem Abschnitt „Ghetto/KZ“ der 13jährigen Autorin Tamara Lazerson, das im Ghetto Kaunas entstand, findet sich neben dem Elend eine Aneinanderreihung von kleinen hoffnungsvollen Ausblicken. Es endet mit dem Wort: „FLUCHT“. Das zweite Tagebuch von Masha Rolnikayte aus dem KZ Stutthof versteckte die 14jährige Autorin durch Auswendig-Lernen in ihrem Kopf. Das Tagebuch beschrieb so hoffnungslos-schlimme

Verhältnisse, dass das Lesen für mich schwer auszuhalten war. Entweder waren in Stutthof die Verhältnisse schlimmer als in Kaunas oder die Wahrnehmung, die Sichtweise auf das zerstörende Umfeld war so unterschiedlich.

Es war für mich merkwürdig, dieses Buch zu lesen, während gerade weltweit aufgerüstet wird und die Menschheit vielleicht auf einen Dritten Weltkrieg zusteuert. Als Deutsche stutzte ich immer wieder, wenn ich das englische Wort „siege“ las, das NICHT Sieg, sondern Belagerung bedeutet.

Es ist ermutigend, dass das als Erstes abgedruckte Tagebuch von Tanya Sawichewa weltweit bekannt wurde. Es enthält neun Seiten mit den Todesdaten von allen sechs Familienmitgliedern, die sie von Dezember 1941 bis Mai 1942 verlor. Tanya starb im Juli 1944 an Tuberkulose. Im Nürnberger Prozess fiel ihr Name in der Anklage. Edith Piaf schrieb „Die Ballade von Tanya Sawichewa“. Ein kleiner Planet (2127-TANYA) wurde nach ihr benannt.

Ich wünsche dem beeindruckenden, mit viel Liebe gestalteten Buch eine viel größere weltweite Verbreitung und vor allem eine friedenserhaltende Wirkung! Jungen Menschen wünsche ich mehr Wissen über Resilienz /Widerstandsfähigkeit …

Wissenschaft gegen Faschismus – Aufruf

3. Juni 2026

Wissenschaft gegen Faschismus

3. Juni 2026

Aktuell findet eine bundesweite Kampagne der „Studis gegen Rechts“ in Kooperation mit den „Profs gegen Rechts“ statt.

Unter dem Titel „Wissenschaft gegen Faschismus“ (link) findet man ein recht breites Angebot an Veranstaltungen, die sich mit der Thematik in den unterschiedlichsten Fachgebieten auseinandersetzen. In der Rubrik „Unterstützer*innen“ findet man leider weder die Universität Bremen noch die Hochschule Bremen. Es finden jedoch auch in beiden Institutionen Veranstaltungen statt.

Bremer Studies und Widersetzen gegen die AfD

Die Bremer Gruppe der Studis gegen Rechts organisiert im Rahmen des breiten Bündnisses Widersetzen Busse nach Erfurt am 4. Juli, um den dort stattfindenden Parteitag der AfD zu behindern.

Bustickets können im Buchladen Golden Shop, Fehrfeld, erworben werden. Weitere Verkaufsstellen werden folgen. Um die Kosten für alle Mitfahrerinnen und Mitfahrer im leistbaren Rahmen zu halten, werden zum einen wir vom VVN-BdA sie unterstützen, zum anderen werden sie durch Partys, Spendenaufrufe, etc. sich bemühen, das Geld aufzutreiben. Mehr Informationen finden sich hier.

Filmvorführung „Ich war 19“

22. Mai 2026

Unsere Filmreihe geht in die nächste Runde!

 
Am Sonntag, 14. Juni, zeigen wir den nächsten Film unserer Reihe „Widerstand hat Geschichte“ im Rahmen der Aktivitäten gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht und der Kriegsmobilmachung.

„Ich war 19“

 

Regie: Konrad Wolf, 119 Min., Schwarz-Weiß, Spielfilm DEFA-Studio für Spielfilme, DDR 1967

In den Hauptrollen Jaecki Schwarz und Wassili Liwanow, gedreht in den Ateliers der DEFA in Babelsberg, sowie an diversen Originalschauplätzen in der Umgebung von Berlin, u.a. in den Neuen Kammern im Park Sanssouci in Potsdam.

 

Hauptperson des Films ist der 19-jährige Gregor Hecker, der als 8-Jähriger mit seinen Eltern aus dem faschistischen Deutschland nach Moskau emigriert war. Als Leutnant der Sowjetarmee kehrt er zurück, entdeckt Deutschland und die Deutschen zwischen dem 16. April und dem 3. Mai 1945.

Er trifft einfache Leute, Mitläufer, Rückversicherer, Überläufer, eingefleischte Faschisten, Antifaschisten.

Gelingt es, Wehrmachtssoldaten zur Desertion und zum Niederlegen der Waffen zu überreden?

Wie umgehen mit einem Wehrmachts-“Offizier vom Dienst“, der sich ordnungsgemäß bei „seiner vorgesetzten Dienststelle“ in sowjetische Gefangenschaft abmelden will?

 

In den Dörfern und Kleinstädten trifft Hecker auf die unterschiedlichsten Reaktionen seiner einstigen Landsleute. Ihm und seinen sowjetischen Vorgesetzten öffnet sich zwar ein differenziertes aber dennoch unverständliches Bild von der Zivilbevölkerung. Genau dies macht den Film bemerkenswert.

 

Er lässt erahnen, wie schwierig es war, den Schwur der Häftlinge des KZ Buchenwald nach ihrer Selbstbefreiung umzusetzen: „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“

 

„Ich war 19“ wurde von führenden Filmhistorikern und –journalisten im Verbund Deutscher Kinematheken ausgewählt als einer der 100 wichtigsten deutschen Filme aller Zeiten.

 

Sonntag, 14. Juni 2026, 16 Uhr, Zion Theatersaal, Bremen, Kornstr.31 (Eingang Kantstraße).

Der Eintritt ist frei.

 

Einen Trailer zum Film gibt es hier.

 

Drei Bremer Lebenswege zwischen Verfolgung, Verantwortung und Neubeginn – szenische Lesung „Karrieren in Bremen nach 1945“

25. April 2026

12. Mai
In der Reihe „Aus den Akten auf die Bühne“ zeigt die Bremer Shakespeare Company noch einmal die szenische Lesung „Karrieren in Bremen nach 1945“.

Drei Bremer Lebenswege zwischen Verfolgung, Verantwortung und Neubeginn

Freut euch auf eine spannende Zeitreise durch die Bremer Geschichte: Die Ausstellung erzählt von drei Menschen, deren Lebenswege kaum unterschiedlicher sein könnten – und doch alle eng mit Bremen verbunden sind.

 

Zu entdecken sind:

Kurt A. Becher (1909–1995), einst SS-Offizier, der nach 1945 als Unternehmer zu Reichtum und Einfluss gelangte.

Käthe Popall (1907–1984), Widerstandskämpferin, erste Bremer Senatorin nach dem Krieg und engagierte Frauenrechtlerin.

Alfred Ries (1897–1967), jüdischer Emigrant, Diplomat und Präsident von Werder Bremen, der nach seiner Rückkehr viel zur Bremer Nachkriegsgeschichte beitrug.

 

Eintritt: 18 Euro / Ermäßigt: 10 Euro

Filmvorführung „Die Wunderwaffe“

25. April 2026

Unsere Filmreihe geht in die nächste Runde!

 

Am Sonntag, 10. Mai, zeigen wir den nächsten Film unserer Reihe „Widerstand hat Geschichte“ im Rahmen der Aktivitäten gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht und der Kriegsmobilmachung.
Es werden immer ausgeklügeltere Waffen entwickelt, ausprobiert und in Kriegen eingesetzt, aber unverzichtbar für die Entwicklung, für die Herstellung und für das Führen der Waffen ist nach wie vor der Mensch.
Nicht von ungefähr läuft die Werbemaschine auf Hochtouren, um, wie der Verteidigungsminister sagte, ihn kriegstüchtig zu machen.
Der Film zeigt, wie oft ein deutscher Soldat fallen und wieder in Marsch gesetzt werden kann. Die Dreharbeiten liefen während einer Aktion, in der das Gedicht von Bertolt Brecht „Legende vom toten Soldaten“ szenisch dargestellt wurde.
Ursprünglich als „Kulturelles Beiprogramm zu 30 Jahren Bundeswehr“ gedacht, wurde die Aktion verboten. Vier Jahre lang fanden öffentliche Proben statt, unter anderem 1986 in Bremen, bis zur im Film gezeigten und viel umfangreicheren Aktion.
Der Eintritt ist frei, Spenden werden aber gerne entgegengenommen

Kranzniederlegung zu Ehren der Toten aus der Sowjetunion

25. April 2026

Am Samstag, 9. Mai, 11 Uhr, findet auf dem Friedhof Osterholz, Gräberfeld NN („Ausländerfeld“) eine Kranzniederlegung zu Ehren der Toten aus der Sowjetunion statt.
Wer teilnehmen möchte, nutzt am besten den Friedhofseingang Hermann-Koenen-Straße.

8. Mai – Jahrestag des Sieges über das faschistische Deutschland

25. April 2026

8. Mai, 11 Uhr
Am Jahrestag des Sieges über das faschistische Deutschland und des Endes des 2. Weltkriegs in Europa findet in Bremen am Mahnmal an der Reitbrake in Oslebshausen eine Kundgebung mit Kranzniederlegung statt.
Für die VVN-BdA Bremen wird Ulrich Stuwe dort sprechen.
Es geht an der Reitbrake immer noch darum, ob dort eine Bahnwerkstatt gebaut wird und ob und wie ein würdiger Erinnerungsort an die vielen toten Kriegsgefangenen, die dort begraben waren, gestaltet wird.

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