Buchbesprechung zu „Zyatkov, Nikolai / Evgeny Faktorovich Tatyana Kuznetsova, Argumenty i Fakty / AIF Kind Heart Charitable Foundation, CHILDREN OF WAR 1941-1945, Moskau 2016 (Englisch)“ von Heike Oldenburg, Juni 2026
Die Sowjetunion wurde vom Deutschen Reich mit dem „Unternehmen Barbarossa“ am 22. Juni 1941 ohne Kriegserklärung überfallen. Auch die Zivilist*innen, Erwachsene wie Kinder, waren dem Vernichtungskrieg ausgesetzt. Sie mussten versuchen, diese schwierigen Jahre durchzustehen. Im September 1941 gab es in Leningrad 400.000 Kinder, im Januar 1944 noch 200.000. Von den 4,5 Mio. zivilen „Ostarbeitern“ wird ein Anteil von über 30 % Kinder geschätzt. Ein Mädchen, das in „CHILDREN OF WAR 1941-1945“ zu Wort kommt, hatte sich vorgenommen, „ihre ruinierte Jugend zu rächen“ (Alle Zitate eigene Übersetzung). Über 35.000 Kinder erhielten während des Krieges Medaillen als „Held*in der Sowjetunion“. Sie hatten hilfreiche Tätigkeiten wie Briefe von verletzten Soldaten auf Diktat schreiben, Bomben auf Dächern austreten, Wollhandschuhe sticken, Kartoffeln ausgraben und vieles mehr ausgeführt.
Ein Kind schrieb: Russen „are a resilient people“ („sind ein widerstandsfähiges Volk“). Resilienz (von lateinisch ‚resilire’: „zurückspringen, abprallen“) bedeutet, mit Selbstwertgefühl, positiver Lebenshaltung und unterstützendem sozialen Umfeld auf schwer belastende Erlebnisse so reagieren können, dass keine dauerhaften psychischen Schäden zurückbleiben. Resilienz ist je nach psychischer Grundausstattung in gewissem Umfang erlernbar.
In einem Vorwort schrieb Michail Gorbatschow: „Wir leben so lange, wie wir erinnern.“ Er war zehn Jahre alt, als der zweite Weltkrieg begann. Anfangs las er aus der Prawda im Dorf vor. Später wurde auch sein Dorf besetzt. Er hoffe, dass dieses Buch helfen könnte, „dies, wie wir alle wissen, fragile Ding“ Frieden zu erhalten. Das Buch sei Erinnerung und Warnung zugleich. Auch der Schriftsteller D. Granin schrieb in seinem Vorwort: „Wir wollen ihn [einen dritten Krieg] nicht.“
Ich fragte mich: Inwiefern hilft das Führen eines Tagebuchs dabei, dem Schrecklichen, dem Grauen etwas entgegen zu setzen? Lässt sich aus den Aufzeichnungen in Tagebüchern nachvollziehen, was zur Förderung der Widerstandsfähigkeit beigetragen hat?




