Buchbesprechungen

Tagebücher können harte Zeugen sein – Was fördert Widerstandsfähigkeit / Resilienz?

25. August 2026

Buchbesprechung zu „Zyatkov, Nikolai / Evgeny Faktorovich Tatyana Kuznetsova, Argumenty i Fakty / AIF Kind Heart Charitable Foundation, CHILDREN OF WAR 1941-1945, Moskau 2016 (Englisch)“ von Heike Oldenburg, Juni 2026

Die Sowjetunion wurde vom Deutschen Reich mit dem „Unternehmen Barbarossa“ am 22. Juni 1941 ohne Kriegserklärung überfallen. Auch die Zivilist*innen, Erwachsene wie Kinder, waren dem Vernichtungskrieg ausgesetzt. Sie mussten versuchen, diese schwierigen Jahre durchzustehen. Im September 1941 gab es in Leningrad 400.000 Kinder, im Januar 1944 noch 200.000. Von den 4,5 Mio. zivilen „Ostarbeitern“ wird ein Anteil von über 30 % Kinder geschätzt. Ein Mädchen, das in „CHILDREN OF WAR 1941-1945“ zu Wort kommt, hatte sich vorgenommen, „ihre ruinierte Jugend zu rächen“ (Alle Zitate eigene Übersetzung). Über 35.000 Kinder erhielten während des Krieges Medaillen als „Held*in der Sowjetunion“. Sie hatten hilfreiche Tätigkeiten wie Briefe von verletzten Soldaten auf Diktat schreiben, Bomben auf Dächern austreten, Wollhandschuhe sticken, Kartoffeln ausgraben und vieles mehr ausgeführt.

Ein Kind schrieb: Russen „are a resilient people“ („sind ein widerstandsfähiges Volk“). Resilienz (von lateinisch ‚resilire’: „zurückspringen, abprallen“) bedeutet, mit Selbstwertgefühl, positiver Lebenshaltung und unterstützendem sozialen Umfeld auf schwer belastende Erlebnisse so reagieren können, dass keine dauerhaften psychischen Schäden zurückbleiben. Resilienz ist je nach psychischer Grundausstattung in gewissem Umfang erlernbar.

In einem Vorwort schrieb Michail Gorbatschow: „Wir leben so lange, wie wir erinnern.“ Er war zehn Jahre alt, als der zweite Weltkrieg begann. Anfangs las er aus der Prawda im Dorf vor. Später wurde auch sein Dorf besetzt. Er hoffe, dass dieses Buch helfen könnte, „dies, wie wir alle wissen, fragile Ding“ Frieden zu erhalten. Das Buch sei Erinnerung und Warnung zugleich. Auch der Schriftsteller D. Granin schrieb in seinem Vorwort: „Wir wollen ihn [einen dritten Krieg] nicht.“

Ich fragte mich: Inwiefern hilft das Führen eines Tagebuchs dabei, dem Schrecklichen, dem Grauen etwas entgegen zu setzen? Lässt sich aus den Aufzeichnungen in Tagebüchern nachvollziehen, was zur Förderung der Widerstandsfähigkeit beigetragen hat?

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Die im Dunkeln sieht man nicht

4. November 2019

Januar 1950 wird in München der Fuhrunternehmer Otto Brandl ermordet aufgefunden. Oberkommissar Ludwig Gruber kommt in den folgenden Monaten kaum voran mit seinen Ermittlungen. Immerhin schält sich das Motiv heraus, die Suche nach dem Verbleib der kurz für Ankunft der amerikanischen Einheiten aus dem „Führerbunker“ geraubten Kunstwerke, die selbst wiederum aus ganz Europa geraubte Beutekunst …

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Tränen der Freiheit

4. November 2019

Das Erstlingswerk Silke Böschens führt uns zum 11. Dezember 1875, als eine große Explosion den Kai in Bremerhaven erschütterte und 80 Menschenleben forderte, 200 weitere Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Ein Sprengstofffass hatte sich beim Verladen gelöst und war auf die Kaimauer gefallen. Silke Böschen beschreibt das Schicksal zweier Frauen, die sich zweimal begegnen …

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Die SS nach 1945. Entschuldungsnarrative, populäre Mythen, europäische Erinnerungsdiskurse

3. September 2019

Die Frage stellt sich mir immer wieder. Ein Nachkriegsdeutschland in dem ein Heinrich Lübke (Barackenlübke) oder Karl Carstens Bundes- und ein Hans Filbinger Ministerpräsident werden konnte. Oder der Chefideologe (Mitverfasser und Kommentator NS-Rassegesetze), Hans Globke, Kanzleramtschef. Der Aufbau der Bundeswehr u.a. durch Adolf Heusinger (Festung Harz) hätte sich sicherlich auch weniger wehrmachtartig dargestellt. Was wäre …

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Der Krieg, den keiner wollte

3. September 2019

„So rollte der Wahnsinn ab“, betitelt Frederick Taylor das letzten Kapitel seines Werks, das die Ereignisse von September 38 bis September 39 aus Sicht des Bürgertums beurteilt. Die Ereignisse seien innerhalb eines Jahren „von der Friedensverheißung in den totalen Krieg“ geschlittert. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs seien sich die Europäer des Preises des Ersten Weltkriegs …

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Die große Illusion

30. Juli 2019

In den letzten zwanzig Jahren wurden eine Reihe von historischen Untersuchungen veröffentlicht, die eine europäische Sichtweise auf die Jahrhunderte alten Konflikte zwischen den Großmächten herauszuarbeiten versuchten. Der Krieg und die damit verbundene Propaganda wurden in einen gesamteuropäischen Kontext gestellt. Zwischenstaatliche Verträge wurden einer quellenkritischen Prüfung unterzogen. Seither sind in etlichen Ländern eine Vielzahl von Akten …

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Blutmai

8. Januar 2019

Der Privatermittler Robert Grenfeld beobachtet am 30. April 1929 von seinem Büro in der Friedrichstraße in Berlin aus einen Mann mit Pappkarton auf der Straße. Im nicht weit gelegenen Moka Efti kommt er ins Gespräch mit Kanther, einem früheren Kollegen bei der Kripo. Der Klient Paul von Hohenstein spürt Grenfeld dort auf und zeigt ihm …

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Hotel ohne Wiederkehr

8. Januar 2019

Rechtsanwalt Paul Levi (1919-21 Vorsitzender der KPD) bittet seinen Freund, den Neurologen Alfred Muesall, um Begutachtung der an Grippe erkrankten Rosa Luxemburg. Die Novemberrevolution nimmt ihren Lauf. Die Spanische Grippe rafft in kurzer Zeit Hunderttausende von Krieg und Hunger entkräftete Menschen in ganz Europa hinweg. Dr. Muesalls eigene Lebensgefährtin und Assistentin Anne Becker erkrankt daran, …

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Elitewahn

6. November 2018

In ihrem zweiten Krimi um das Hobbyermittlerteam Malie Abendroth und Lioba Hanfstängl greift das Autorinnenduo Skalecki/Rist ein hochbrisantes Thema auf, was noch zu mehr Tiefe führt. In Schloss Waldesruh, einem Eliteinternat, stirbt ein junger Lehrer. Malie, die als Gärtnerin im Schloss angestellt ist, glaubt nicht an den natürlichen Tod ihres Freundes aus Kindertagen. Ein Historiker, …

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Die Richterin und die Tote vom Pont du Gard

7. Oktober 2018

Handelt es sich eher um einen Reiseführer oder einen Kriminalroman? Faszinierend bei Liliane Fontaines aktuellem Buch „die Richterin“ sind die interessanten historischen Einblicke und die malerische Darstellung sehenswerten Region östlich der Rhônemündung im Süden Frankreichs. Landschaftliche und bauliche Sehenswürdigkeiten wechseln sich ab mit der Beschreibung kulinarischer Finessen. Ein zweiter Blick in den Roman legt jedoch …

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