Rede zur Kundgebung in Bremerhaven vor dem Stadttheater am 17.10.2020

1. November 2020

Meine Damen und Herren, liebe Freundinnen, liebe Freunde

Wir wollen keine Reichskriegsflaggen und Reichsfahnen, nirgendwo und gerade auf diesem Platz nicht. Und doch werden manche vielleicht fragen: was kann man schon gegen eine Fahne in den Farben Schwarz – Weiß – Rot haben ? Ist es nicht nur ein Stück gefärbter Stoff? Werfen wir einen Blick auf die Geschichte dieser Fahne, wie sie auch hier in Bremerhaveneine Spur von Gewalt und Hass durch die letzten 120 Jahre gezogen hat. Diese Fahne war von 1871 bis 1918 Fahne des Norddeutschen Bundes, des Deutschen Reiches und seiner Kriegs- und Handelsmarine. Wir schreiben das Jahr 1900 Bremerhaven: Kaiser Wilhelm verabschiedet deutsche Soldaten beim heutigen Kreuzfahrtterminal für ein Expeditionsheer nach China unter der Flagge Schwarz- Weiß – Rot mit den Worten:„Kommt ihr vor den Feind, so wird derselbe geschlagen! Pardon wird nicht gegeben! Gefangene werden nicht gemacht! Wer euch in die Hände fällt, sei euch verfallen! Wie vortausend Jahren die Hunnen unter ihrem König Etzel sich einen Namen gemacht, der sie noch jetzt in Überlieferung und Märchen gewaltig erscheinen lässt, so möge der Name Deutscher in China auf 1000 Jahre durch euch in einer Weise bestätigt werden, dass es niemals wieder ein Chinese wagt, einen Deutschen scheel anzusehen!“ Hier sind Kolonialismus, Rassismus und Nationalismus bereits vereint.Wir schreiben das Jahr 1904Dort auf dem Platz steht Bürgermeister Smidt, ihm zu Füßen steht ein Kind im Lendenschurz, das unterwürfig zu dem großen weißen Mann aufschaut:Von Bremerhaven fahren Kriegs- und Handelsschiffe unter der Flagge Schwarz – Weiß – Rot in die afrikanischen Kolonien. Dort sind sie an der Ausbeutung der Ressourcen beteiligt. Deutsche Soldaten sind zwischen 1904 und 1908 verantwortlich für den Völkermord an den Nama und Herero im heutigen Namibia. Ihre Fahne: Schwarz – Weiß – Rot.Wir schreiben das Jahr 1914Unter dieser Fahne versenken deutsche U-Boote im 1. Weltkrieg menschenrechtswidrig neutrale Handelsschiffe und Passagierschiffe. Ein Völkerrecht gibt es noch nicht.1918 /19 mit dem Ende des 1. Weltkrieges endet die Monarchie,die demokratische Weimarer Republik gibt sich die Farben Schwarz – Rot – Gold,Schwarz – Weiß – Rot ist weiterhin die Fahne des deutschen Militärs.Der Versailler Friedensvertrag von 1918 beschränkte die Reichswehr auf 100000 Mann. Daran hat sich Deutschland nie gehalten, es gab die sogenannte Schwarze Reichswehrund es gab viele Soldaten und Offiziere, die nach dem 1. Weltkrieg in Freikorps unter der schwarz-weiß-roten kaiserliche Reichskriegsflagge als Putschisten gegen die neue Weimarer Republik kämpften.Und die zwischen 1919 und 1920 vielfach bei der Niederschlagung der Arbeiter- und Soldatenräte eingesetzt wurdenAuch die Bremer Räterepublik wurde so zerschossen.Unter dem Schlagwort: „Schwarz-Weiß-Rot bis in den Tod!“ wurden zahlreiche Morde wie an Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg begangen.Also schon vor 1933 ist diese Flagge missbraucht worden zur Unterdrückung Andersdenkender, Kriegsführung, Rassismus,Völkermord in den deutschen Kolonien, Ermordung von Arbeitern und Gewerkschaftern, Journalisten.30. Januar 1933 Adolf Hitler wird ReichskanzlerSelbst die letzten noch halbfreien Wahlen am 12 März 1933 in Bremerhaven brachten den Nationalsozialisten keine Mehrheit.Im gleichen Monat des Jahres aber wurden Konzentrationslager rund um Bremerhaven eingerichtet, Arbeiterparteien und Gewerkschaften verboten, verfolgt inhaftiert, gefoltert. Mit dem 1. April begann die Diskriminierung und Verfolgung von Juden durch den Boykott jüdischer Geschäfte. Hier auf diesem Platz wurden bereits am 6.Mai 1933, also nur eineinhalb Monate später, Bücher u.a. von Albert Einstein, Carl Zuckmayer, Anna Seghers, Stefan Zweig, Erich Kästner und Kurt Tucholsky verbrannt. Die SA marschierte mit schwarz – weiß – roten Fahnen auf.Der Vorläufer der Nordsee-Zeitung, die Nordwestdeutsche Zeitung, berichtete:„Lustig prasselte die Glut,und immer höher loderten die Flammen gegen den nachtdunklen Himmel.“1935 bestimmten die Nationalsozialisten dann in einem sog. Reichsflaggengesetz:Die Reichsfarben sind Schwarz – Weiß – Rot.Die Reichsflagge ist die Hakenkreuzflagge.In nur wenigen Monaten war jede demokratische Institution beseitigt, unterdrückt und verboten. Der Schwarz – Weiß – Rote Staat zeigte nun auch sein hässliches antisemitisches Gesicht.Am 9. / 10. November 1938, in der Reichspogromnacht, zerstörten sie die Synagoge in der Schulstraße, hier fast in Sichtweite. Zu den Millionen Toten in den Konzentrationslagern kamen wenig später die AbermillionenToten weltweit im 2 Weltkrieg.All dies geschah unter den offiziellen damaligen Reichsfarben Schwarz – Weiß – Rot.Die während der Zeit des Nationalsozialismus eingeführten deutschen Hoheitssymbole wurden nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs durch das erste Kontrollratsgesetz der alliierten Siegermächte vom 20. November 1945 offiziell aufgehoben. Und diese Fahne wollen die neonazistischen Kräfte wieder zeigen?Diese Fahne hat Kriege begleitet.Diese Fahne steht für Völkermord.Diese Fahne steht für die Beseitigung kultureller Vielfalt.Diese Fahne steht für Rassenideologie und das Herrentum der sogenannten deutschen Rasse.Diese Fahne steht für politische Morde.Diese Fahne steht für Verfolgung und Vernichtung Andersdenkender, von Juden, Sinti und Roma, von Homosexuellen.Wer diese Fahne zeigt tritt Frieden, Toleranz, Freiheit und Menschlichkeit mit Füßen.Aber nicht nur das Zeigen der Fahne gehört bestraft, auch ihre Träger gehören bestraft. Diese Fahnenträger stehen in dieser unseligen Tradition der Feme-Morde der Weimarer Republik.Über200 Morde durch Neonazis seit 1990,faschistische Strukturen in Einheiten der Polizei und Bundeswehr, Morde, Brände, und Überfälle werden als Einzeltaten verharmlost.Die Geschichte dieser Fahne zeigt: Keine Verharmlosung neonazistischer und rechter Gewalt!Keine Verharmlosung ihrer parlamentarischen Brandstifter: diese deutsche Geschichte war kein Vogelschiss!Zeigen wir uns offen und solidarisch für Menschen, die durch Flucht und Vertreibung zu uns kommen! Sie sind oft auch Opfer der Spätfolgen einer nationalistischen Kolonialpolitik.Jüdisches, islamisches und christliches Leben und ihre Kultur sind für Bremerhaven eine Bereicherung, keine Verunsicherung.Wir brauchen keine vereinfachenden, populistischen Schnellschüsse. Wir müssen solidarisch den ökologischen Umbau von Wirtschaft und Landwirtschaft schaffen. Mit Ideen aus allen Ländern und Kontinenten, kreativ, bunt und vielfältig, nicht einfältig.

Wilfried Krallmann-Hansen

Keine Zuflucht. Nirgends: Auf dem Land und auf dem Meer

11. Oktober 2020

Szenische Lesung aus der Reihe Aus den Akten auf die Bühne.
Karten gibt es online auf www.shakespeare-company.com oder telefonisch unter 0421/500 333 (Mo-Fr 15-18 Uhr).

ERZIEHEN – ERZWINGEN – ERNIEDRIGEN

11. Oktober 2020

Das „Arbeitserziehungslager“ in Bremen-Farge (1940–1945)

Nachdem die Oktober-Aufführung der szenischen Lesung aus der Reihe Aus den Akten auf die Bühne bereits ausverkauft ist, sind dies die nächsten Gelegenheiten. Karten gibt es online auf www.shakespeare-company.com oder telefonisch unter 0421/500 333 (Mo-Fr 15-18 Uhr).

ERZIEHEN – ERZWINGEN – ERNIEDRIGEN

11. Oktober 2020

Das „Arbeitserziehungslager“ in Bremen-Farge (1940–1945)

Nachdem die Oktober-Aufführung der szenischen Lesung aus der Reihe Aus den Akten auf die Bühne bereits ausverkauft ist, sind dies die nächsten Gelegenheiten. Karten gibt es online auf www.shakespeare-company.com oder telefonisch unter 0421/500 333 (Mo-Fr 15-18 Uhr).

Chichinette – Wie ich zufällig Spionin wurde

11. Oktober 2020

1945 begann die französische Jüdin Marthe Hoffnung als Spionin für die Alliierten in Deutschland zu agieren. Dann sprach Marthe alias Chichinette 60 Jahre nicht darüber. Auch ihr Mann wusste nichts. Heute, mit 98 Jahren, bereist sie die Welt und vermittelt schlagfertig ihre Maxime, auch unter den schlimmsten Umständen gegen Unrecht zu kämpfen
D/F 1029, Regie: Nicola Alice Hens, 86 Min., frz./engl. OmU
Die genauen Termine sind auf www.city46.de zu finden oder telefonisch zu erfragen unter 0421/95799290.

Donnerstag, 29. Oktober, bis Mittwoch, 4. November, verschiedene Uhrzeiten, Kino City 46, Birkenstr. 1

Ich nix Nazi

11. Oktober 2020

Das Kriegsende 1945 in Bremen aus britischer und amerikanischer Perspektive – ein Vortrag mit Foto- und Filmprojektionen des Bremer Historikers Dr. Diethelm Knauf. Befreiung oder Eroberung? Wie die Bremer und Bremerinnen das Kriegsende erlebten und empfanden, war durchaus sehr verschieden. Wie aber erlebten es die Befreier?
Veranstalter: Arbeitnehmerkammer. Anmeldung erbeten online (www.arbeitnehmerkammer.de) oder unter Tel.: 0421/36 30 19 70

Stolpersteine in der Neustadt

11. Oktober 2020

Buchpremiere des 6. Bandes über die NS-Zeit in Bremen: Biografische Spuerensuche und Beiträge zur NS-Zeit in der Neustadt, z.B. zum Isenbergheim in der Kornstraße und zu den Judenhäusern im verschwundenen Warnkengang.
Diese Veranstaltung ist allerdings bereits ausverkauft!!!

Stolpersteinverlegung in Bremen

11. Oktober 2020

01. 09.00 Uhr Neuenlander Straße 20
02. 09.50 Uhr Aßmannshauser Straße 12
03. 10.20 Uhr Lahnstraße 61/63
04. 10.40 Uhr Wulfhoopstraße 46
05. 11.00 Uhr Lehnstedter Straße 2
06. 11.25 Uhr Lehnstedter Straße 113
07. 11.50 Uhr Gastfeldstraße 57/59
08. 14.00 Uhr Wähmannstraße 30
09. 14.20 Uhr Gellertstraße 76
10. 14.45 Uhr Yorckstraße 109
11. 15.10 Uhr Rossbachstraße 33
12. 15.30 Uhr Möckernstraße 55
13. 17.00 Uhr Kirchheide 83/Vegesack

AntiKriegstag in Bremen

8. September 2020

Für ein Foto zum Antikriegstag 2020 stellten wir uns mit unserem Transparent vor das Wandbild am Bunker an der Admiralstraße in Bremen, das „Den Gegnern und Opfern des Faschismus“ gewidmet ist. Nie sei vergessen, dass die Naziherrschaft dem Ziel einer Neuaufteilung der Welt zugunsten Deutschlands diente, die zum Glück gescheitert ist, aber 60 Millionen Menschen das Leben kostete.  

Das andere Foto zum Antikriegstag 2020 zeigt uns mit unserem Transparent vor das Gebäude von Rheinmetall in Bremen. Rheinmetall ist der größte deutsche Rüstungskonzern. Er konnte im 1. Halbjahr 2020 den Umsatz der Rüstungssparte im Vergleich zum 1. Halbjahr 2019 um 19% und das operative Ergebnis um 75% steigern. Seit über 100 Jahren macht Rheinmetall gute Geschäfte mit dem Krieg und konnte nur nach den zwei verlorenen Weltkriegen für einige Jahre zur Umstellung auf zivile Produkte gezwungen werden. Lasst uns alles dafür tun, dass die nächste Umstellung ohne einen Weltkrieg erfolgt!

Trauerrede für die VVN-BdA von Monika Eichmann

12. August 2020

Abschied und Würdigung von Raimund Gaebelein,

Samstag, 1. August 2020, 14 Uhr, im BLG-Forum (Bremen, Überseestadt, Am Speicher XI/11)

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Antifaschistinnen und Antifaschisten, liebe Kampfgenossinnen und Kampfgenossen von Raimund Gaebelein!

Der Landesverband Bremen der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten – VVN-BdA, hat euch heute hier eingeladen, um gemeinsam unseres Landesvorsitzenden und unseres Freundes zu gedenken.

Wir trauern um Raimund Gaebelein, der in den frühen Morgenstunden des 28.6. gestorben ist. Seit einigen Wochen ging es ihm nicht gut, aber nur wenige Termine sagte er ab. Um seinen politischen Idealen gerecht zu werden, hat er engagiert immer alles gegeben. Das Arbeitspensum, das er für unseren Bremischen Landesverband absolvierte, hat ihn, auch über seinen Stadtteil Gröpelingen hinaus, zu einer bekannten Persönlichkeit der Hansestadt gemacht.

Ray, wie ihn viele nannten, wurde 1947 in Marburg/Lahn geboren, ging dort zur Schule und machte sein Abitur. Von 1967 bis 1973 studierte er an der Philipps-Universität Geschichte, Politik und Philosophie.  Er wollte Lehrer werden, absolvierte sein Referendariat im hessischen Hünfeld 1977. Dort teilte man ihm mit, dass eine Einstellung nicht in Frage käme – Berufsverbot! Ray war damals Mitglied der DKP…

Er ging für ein Jahr nach Nordirland (Derry) und arbeitete dort mit Obdachlosen als Leiter eines Heimes. Hier entstand seine Liebe zur keltisch-irischen Kultur und Musik.
Vielfältige politische und persönliche Kontakte zwischen Marburg und Bremen brachten ihn dann 1978 in die Hansestadt Bremen. Hier arbeitete er bei Sozialverbänden und freien Trägern als Sprachlehrer und in sozialarbeiterischen Bezügen z. B. mit Schulvermeidern. Noch bis zuletzt unterrichtete er Geflüchtete ehrenamtlich.

Raimund war überzeugter Antifaschist und unermüdlicher Kämpfer gegen das Vergessen. Als Mitglied der VVN BdA wählte man ihn 1994 zum Vorsitzenden der Landes-vereinigung Bremen, als Nachfolger von Walter Federmann und in den Fußstapfen von Willy Hundertmark. Mit ihm gemeinsam entwickelte er auch Konzepte der „antifaschistischen Stadtrundgänge“, die viele hier kennen. Ray war auch Redakteur der Zeitung „Der Bremer Antifaschist“ und hat unzählige Beiträge geliefert.
Ray engagierte sich sehr für das Wohn- und Ferienheim Heideruh.
In Bremen kämpfte er für eine würdige Erinnerung an die Bremer Außenlager des KZ Neuengamme, vor allem die Aufarbeitung der Geschichte des Außenlagers Bremen-Schützenhof war sein Projekt.

Jährlich besuchte Raimund, oft mit Marion, Ulrich und mir, Treffen und Tagungen der Außenlager-Initiativen und -Gedenkstätten des ehemaligen KZ Neuengamme und berichtete dort über Fortschritte oder Schwierigkeiten bei der Entwicklung von Erinnerungsorten für die Bremer Außenlager.

Prof. Dr. Detlef Garbe aus Hamburg schreibt in seinem Nachruf auf der Neuengamme-Homepage: „Wir werden diesen kleinen und doch großen Mann, seine kluge, stille, sanfte, liebevolle und freundliche Art sehr vermissen.“

Als ich Raimund bei Planung der Verlegung von Stolpersteinen in Blumenthal vor ca. 17 Jahren kennenlernte, mit seiner Baskenmütze auf dem Kopf, seinem immer präsenten kleinen Notizbuch, seiner nachdenklichen und klugen Art, ging mir das Bild von Ernesto Cardenal durch den Kopf.

Für meinen Geschichtsunterricht in der Oberstufe verwendete ich z. T. seine Publikationen und lernte so mit ihm, einerseits die Arbeit im Autorenkollektiv für die Schriften-Reihe der „Stolpersteine in Bremen“. Andererseits lernten Marion, Uli und ich mit ihm die Stichting Meensel-Kiezegem `44 in Belgien kennen, zu deren Mitgliedern Ray engen und freundschaftlichen Kontakt hielt. Regelmäßig entstanden so auch in meinem Arbeitsalltag Begegnungen zwischen Zeitzeugen und Schulklassen und Oberstufenkursen.

Unvergessen bleiben unsere gemeinsamen Besuche in Meensel-Kiezegem, wo wir zu Gast bei Freunden waren, z. B. im Sommer 2014 oder letztes Jahr bei der Eröffnung des neuen Friedensmuseums in Meensel. Wir konnten vieles von Raimund lernen. Gegenbesuche der Meenseler, aber auch der Amicale Belge oder der Amicale Francaise de Neuengamme fanden jährlich in Bremen statt und wurden von Raimund stets engagiert begleitet. Auch zu Freundschaften Verfolgten des Naziregimes und Zeitzeugen aus den Niederlanden, wie hier Cees Ruijter pflegte Raimund.

Für die Partei DIE Linke wurde er seit 2003 wiederholt in den Stadtteil Beirat gewählt. Noch in seiner letzten Woche nahm er als stellvertretender Beiratssprecher an der Beiratssitzung in Gröpelingen teil. Raimund hat in seinem „Arbeiterstadtteil“ auch immer „Politik vor Ort“ gemacht parteiübergreifend akzeptiert.
Keine 5 m konnte man mit Raimund in Gröpelingen unterwegs sein, ohne dass jemand rief „Hallo Ray!“

Ray war Knotenpunkt und Stern der antifaschistischen Bewegung und Vernetzung in Bremen. Dabei konsequent, aber nie ausgrenzend, sondern immer versucht zu integrieren, wenn es möglich erschien.

Mit Raimund sind zahlreiche und beeindruckende Gedenkveranstaltungen verbunden, wie „Menschen gegen Rechts“ im Mai 1994 auf dem Bremer Marktplatz, ein Jahr nach dem feigen Mord von Neonazis in Solingen oder die große Demo 2006 gegen den NPD-Aufmarsch in Gröpelingen. Ausstellungen der VVN brachte Raimund in verschiedene Schulen – Kooperationen mit Lehrer*innen entwickelten sich. Die internationale Ausstellung der FIR „Widerstand in Europa“ in der unteren Rathaushalle 2014 war ein Highlight.

2015 erhält Raimund den Franco Paselli Preis der Internationalen Friedensschule Bremen im Bürgerhaus in Vegesack. Eigentlich mochte er kein Aufhebens um seine Person, aber diese Ehrung hat ihn doch gefreut.

 Eines seiner neueren Projekte war die Aufstellung der
Gedenk-Steele zur Erinnerung an den Standort
des ehemaligen Jüdischen Altersheims in Gröpelingen.  

Für Bremen besonders wichtig, war aus meiner Sicht als Geschichtslehrerin, Raimunds konstantes kompetentes Eintreten für das traditionelle Gedenken an die Bremer Räterepublik von 1918/19, ihre Verteidiger, die Kämpfe und Errungenschaften der Arbeiterinnen und Arbeiter. Jedes Jahr organisierte er mit anderen die Gedenkfeiern auf dem Waller Friedhof und das anschließende Kulturprogramm im Westend.

Vielen von uns war Raimund ein guter Freund, hilfsbereit und unterstützend.

Er wird uns unermesslich fehlen.

Die Bremer Landesvereinigung der VVN-BdA – hier bei unserer Jahresauftakt-Versammlung im Januar – wird ohne Raimund nicht mehr dieselbe sein. Wir müssen uns anstrengen und werden doch diese Lücke nicht füllen.

Berthold Brecht sagt: Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt.
Wir behalten ihn unvergessen.

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