Der Bremer Detektiv Aren erhält von Direktor Ovelmann von den Zeinithwerken den Auftrag Diebstähle in seinem Uhrenwerk aufzuklären. Dubios erscheint ihm, dass Ovelmann ihn nicht zu sich ins Kontor kommen lässt und sich auch nicht in seine Detektei bemüht, sondern ihn in eine Weinstube einlädt. Er trifft seine Vorsichtsmaßnahmen, die Weinprobe zieht sich in die Länge. Offensichtlich nutzt Ovelmanns Geschäftspartner die Zeit, um Arens Detektei zu durchsuchen. Gemeinsam mit Kommissar Winkelmann nimmt Aren die Spur auf, die beide zu einer aufwendigen Schatzsuche ins ceylonesische Hochland führen soll. Es ist ein Wettlauf mit der gefährlichen wie entschlossenen Betrügergruppe um Ovel(mann) und Alming (Mingal). Die abenteuerliche und nicht ganz ungefährliche Suche führt Aren zu dem Versteck der Diamanten des Miquel genannten Plantagenbesitzers Michael Mohringers aus Dinkholder und seinen Erben, denen er die Hinterlassenschaften des Verstorbenen übergeben kann.
1934 verboten die Nazis „Pik Adam“, den ersten Roman des Bremer Schriftstellers Josef Kastein. Seither galt er als verschollen bis Johann-Günther König ihn wieder ausgrub und der Kellner Verlag ihn dankenswerterweise als Neuauflage wieder herausgab. Entstanden ist dieser 1927 in der Schweiz verfasste Roman als Gelegenheitswerk, um Josef Kastein aus einer existentiellen Not zu retten. Er ist in der typischen Sprache jener Jahre verfasst, erinnert ein wenig an Sherlock Holmes und wird daher als Detektivroman gesehen. Der 35-jährige Bremer Anwalt Dr. Julius Katzenstein ließ sich nach Trennung von seiner Familie 1927 unter dem Namen Josef Kastein als freiberuflicher Autor und Literaturhistoriker in Ascona nieder. In den folgenden Jahren konzentriert er sich zunehmend auf die Verfassung zionistischer Werke. Die Trivialliteratur diente ihm dabei als notwendige finanzielle Absicherung seines eigentlichen literarischen Schaffens. Josef Kastein verstarb Juni 1946 in Haifa.
Josef Kastein, Pik Adam, Kellner Verlag Bremen 2017, 232 S., 12,90 Eur, mit ausführlichem Nachwort von Johann-Günther König, ISBN 9-783956-511660
Pik Adam
10. Januar 2018
Ein aufhaltsamer Aufstieg – Alternativen zu AfD und Co
10. Januar 2018
Viele Bürger sind den „Rechten“ auf den Leim gegangen. Ihre kruden Theorien prangern vieles an, zum Teil sogar zu Recht, nur liefern sie keine einzige Antwort. „Ausländer raus“ oder „Deutschland den Deutschen“ sind keine Antwort auf, geschweige denn Lösung der Probleme, mit denen wir uns herumschlagen. Ein Teil der Wähler wählt sie aus Protest. Sehr grobe Schätzungen gehen von etwa 30% aus. Natürlich stimmt es, dass „die da oben in den Parlamenten“ weit weg von „uns Bürgern da unten“ sind. Es ist eine eingeschworene, oft unnahbare Clique geworden. Alle vier oder fünf Jahre begibt sie sich runter zum Wahlvolk und verspricht ihnen das Blaue vom Himmel. Aber was verspricht den die AfD, was propagieren denn die Identitären? „Das Unwohlsein, das man empfindet, mit Unwohlsein zu befeuern (…) ist letztlich eine destruktive Strategie“, sagt Hajo Funke (Extremismusforscher), „(…) wenn sie wenigstens Lösungen, praktische, hätten, für die Probleme, die sie sehen (…)“.
Aber gehen wir „Anderen“ ihnen nicht genauso auf den Leim mit ihren Tabubrüchen? Muss jeder idiotische Spruch eines „Bernd“ Höcke, jede provokante Aktion der Identitären gleich ein riesen Medienrauschen hervorrufen? Sie wollen die Reaktion und wir geben sie ihnen. Publicity auf unsere Kosten! Wäre niemand auf Höckes „Mahnmal-der-Schande“-Rede eingegangen und man hätte einfach so neben seinem Haus das „Denkmal der Schande“ errichtet, hätte ganz Deutschland über ihn gelacht und auf seinen Kniefall gewartet.
Die Politik der „Etablierten“ von CSU bis zu den Grünen hat „die Deutschen“ entsolidarisiert. Die Macht des Stärkeren, die Macht des Marktes wurde und wird propagiert. In Krisenfällen (Erdbeben, Überschwemmungen) kommt die Solidarität und Empathie wieder durch – halten tun sie nur nicht lang genug. Und hier docken die „Rechten“ an. Sie kümmern sich, sie helfen – natürlich nur denen, die ihnen passen. Aber sie tun das, was die Institutionen den Hilfebedürftigen nicht geben wollen oder können. Bei der Bundestagswahl 2017 holte die AfD zwischen 8,2% (Schleswig-Holstein) und 27,0% (Sachsen). Bundesweit waren es 12,6%.
Ausgrenzen oder Nichtbeachten ist falsch. Inhaltliche Reaktionen sind gefordert. Was will die AfD, was sind ihre „Vorstellungen“? Was wollen sie z.B. in Sachen Steuerreform: Die Arbeitgeber zahlen in die Sozialkassen weniger bzw. nicht mehr ein – d.h. die Arbeitnehmer müssten mehr zahlen. Klingt das sehr anti-establishment-mäßig? Nein, es könnte problemlos von der FDP kommen. Neben der Senkung des Arbeitgeberanteils fordern sie die Verlängerung der Lebensarbeitszeit, wie auch Union und FDP. Sie sind für die Privatisierung öffentlicher Aufgaben. Sie sind somit die Handlanger der Investmentfonds und „Heuschrecken“. „Ausländer raus“ und „Deutschland den Deutschen“, Hauptsache ihre Taschen sind voll. Wiegel zeigt in seinem Buch, dass er sie als im neoliberalen Kapitalismus verwurzelt sieht. Sie sind die Neoliberalen in der Extremversion. „Das Boot ist voll“ sagte auch Otto Schily, vom Stopp des Zuzugs redet auch Horst Seehofer. Es sind Rechtsnationale in der Extremversion. Zudem steht die Partei für eine stärkere Militarisierung. Aussagen der AfD, sie würden sich gegen die NATO stellen, weist u.a. Wiegel als klar falsch dar. Eine Stärkung der Rüstungsindustrie und höhere Rüstungskosten wären die Folge. Sie sind Kriegstreiber in der Extremversion. Man muss deren Politik auseinandernehmen und den potentiellen Wählern klarmachen, dass die AfD alles andere als eine Alternative für Deutschland ist.
Die Meisten der Mitglieder sind keine Nazis, rechts denkend, völkisch motiviert, ja, aber nicht nazistisch. Einem Höcke, Gauland oder Meuthen nachzusagen, sie wären Nazis, wird keinen Protest auslösen – auch nicht bei den Angesprochenen, denn sie wissen es ja. Kein Wähler kann jetzt noch für sich reklamieren, nicht gewusst zu haben, wofür die AfD wirklich steht. Den Mitgliedern muss klargemacht werden, wohin sie Deutschland steuern. In den Abgrund. O-Ton Höcke: „Deutschland in seiner jetzigen Form soll abgeschafft werden.“ Die Wahl beim Bundesparteitag am 02. Dezember 2017 von Gauland und Meuthen als Führer hat gezeigt, dass der rechtsnationalistische Weg der AfD weitergeht. Höckes Wusch, Deutschland „abzuschaffen“, ist nicht unwahrscheinlicher geworden. Die Enkelkinder der AfDler, und der „anderen“ ebenso, werden fragen: „Warum habt ihr das getan, bzw. warum habt ihr nichts getan?“
Doch was können wir tun? Ausgrenzen bringt wie gesagt nichts. Alles was die AfDler sagen, vorschlagen oder initiieren müssen sie auch begründen und erklären – dadurch sind sie auch oft genug entlarvt worden. Die Aura des „Rebellenseins“ muss weg. Es ist wichtig, dass gezeigt wird, dass ihre Ideen Irrsinn sind. Ihnen muss der Opferstatus genommen werden („Alle sind gegen uns“). Sie sind Täter! Aber auch die „Anderen“ müssen etwas tun: Raus aus dem Elfenbeinturm hin zu den Bürgern. Das bedarf aber wohl der größeren Anstrengung.
Gerd Wiegel: Ein aufhaltsamer Aufstieg – Alternativen zu AfD und Co., Papyrossa-Verlag, Köln 2017, 126 Seiten, 12,90 Euro, ISBN 978-3-89438-616-0
Protest gegen den Aufmarsch der lettischen Legion der Waffen-SS in Riga
10. Januar 2018
wir werden am Donnerstag, den 15. März 2018, in der Zeit von 12:30 – 14:00 Uhr mit ca. 10-20 Personen vor dem lettischen Honorarkonsulat, Allerkai 4 in 28309 Bremen, gegen den Aufmarsch der lettischen Legion der Waffen-SS in Riga am folgenden Tag protestieren und dem Honorarkonsul, Herrn Lutz Peper, einen Protestbrief übergeben, in dem wir ihn bitten, in seiner Funktion als Honorarkonsul der Republik Lettland seinen Einfluss und seine Kontakte in Lettland zu nutzen und sowohl gegen die Ehrung an sich als auch gegen die wahrscheinliche Verhaftung und Behinderung unserer Mitglieder Stellung zu nehmen. Wir beabsichtigen Fotomaterial über die Verbrechen lettischer SS-Einheiten während des Zweiten Weltkriegs, ein großformatiges Transparent und Protestplakate zu halten.
„Ganz Deutschland sieht auf uns“
10. Januar 2018
Am Dienstag, 13.02.18 spricht im Rahmen der Marxistischen Abendschule um 19:30 Uhr in der Villa Ichon, Goetheplatz 4, Prof. Dr. Jörg Wollenberg über die Bremer Linke auf dem Weg von der Sozialreform zur Revolution unter dem Titel „Ganz Deutschland sieht auf uns“. Im Gegensatz zur Reichsentwicklung gehörte Bremen neben Leipzig schon vor 1914 zu einer der Hochburgen des linken Flügels der Arbeiterbewegung. Die revolutionär orientierten Kräfte der Bremer Linken führten für sich die Bezeichnung „Linksradikale“ ein. Sie gaben ab 1916 die „Arbeiterpolitik“ als „Wochenschrift für den wissenschaftlichen Sozialismus“ heraus, wesentlich geprägt von Johann Knief und Paul Frölich. Und die linken „Zentristen“ im Sozialdemokratischen Verein Bremen trugen mit dem Chefredakteur und Reichstagsabgeordneten Alfred Henke in der Parteizeitung, der Bremer Bürger-Zeitung (BBZ), dazu bei, die linke politische Kultur der Bremer Arbeiterbewegung abzusichern und sich als Sprachrohr der führenden Linken auf Reichsebene zu profilieren. Die informelle Zusammenarbeit aller linken Richtungen wurde so aufrechterhalten. Nach 1914 gab es keine Stadt in Deutschland, in der die Organisationen des revolutionären Marxismus in der noch nicht gespaltenen Sozialdemokratie eine vergleichbare Basis besaßen. Nicht nur für Rosa Luxemburg galt Bremen deshalb als „Pfeiler des Radikalismus in Deutschland“. Spätestens der Krieg, so hofften sie, gestützt auf die streikbereite Stimmung der Bremer Werftarbeiter, würde für die Masse das Signal zur revolutionären Erhebung sein. Und sie waren es, die gemeinsam am 10. Januar 1919 die Sozialistische Republik Bremen ausriefen.
Veranstaltung zur Bremer Räterepublik
10. Januar 2018
Am Sonntag, 4. Februar 2018 spricht 11 Uhr Achim Bigus (freigestellter Vertrauensmann Osnabrück) auf dem Waller Friedhof, Moderation: Raimund Gaebelein
Musik: Buchtstraßenchor und das Rote Krokodil
Anschließend: Kulturprogramm im Westend ab 12.00 Uhr Aline Barthélémy sowie Gedichte
Es laden ein:
Bildungsgemeinschaft SALZ; Bremer Antikapitalistische Linke (BAL); Deutsche Kommunistische Partei (DKP) Bremen; DKP Bremen-Nord; DGB Bremen-Elbe-Weser; DIE LINKE. Landesverband Bremen; GEW Bremen; IG Bau Region Weser-Ems; IG BCE Bezirk Oldenburg; IG Metall Bremen; Initiative Bremer Montagsdemonstration; Initiative Nordbremer Bürger gegen den Krieg; Marxistische Abendschule (MASCH) Bremen; Marxistisch-Leninistische Partei Deutschland (MLPD) Bremen; NGG Region Bremen-Weser-Elbe; Jugendverband REBELL Bremen; Rote Hilfe e.V. Ortsgruppe Bremen; VER.DI Bezirk Bremen-Nordniedersachsen; Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) Bremen.
Aus Anlass des Gedenkens an die Opfer des Faschismus
10. Januar 2018
Aus Anlass des Gedenkens an die Opfer des Faschismus zeigt die Landesvereinigung Bremen der VVN-BdA Am Sonntag, 11. Februar 2018 um 15 Uhr im Kino City46 den Film „Lebende Ware“. Dieser 97 min. DEFA-Film entstand 1966 unter der Regie von Wolfgang Luderer.
Nachdem die ungarische Regierung dem verbündeten Deutschland nicht mehr zuverlässig erschien, zogen im März 1944 die deutschen Truppen in Ungarn ein und setzten umgehend eine Kollaborationsregierung unter Döme Sztójay ein. Mit den deutschen Invasionstruppen kam ein Sondereinsatzkommando des Reichssicherheitshauptamts unter Führung von SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann mit dem Auftrag, die „Endlösung“ einzuleiten und die Durchführung durch die ungarischen Behörden zu überwachen.
Zur gleichen Zeit bezog SS-Obersturmbannführer Kurt Andreas Becher in einer Villa in Budapest Quartier, um für die SS-Reiterstandarte Ausrüstung und Pferde zu kaufen. Bei der Besichtigung des Hauses sah er die kostbaren Schätze des Inventars und erfuhr, dass der jüdische Hausbesitzer Dr. Chorin ein Werk vertritt, welches der ebenfalls jüdischen Familie Weiss gehört und mit der Firma Krupp in Deutschland zu vergleichen ist. Er ließ Dr. Chorin, der bereits im Gefängnis saß, zu sich kommen und bot ihm an, die Familie Weiss, ihre Angehörigen, alle Aktionäre und ihn selbst vor den Vernichtungslagern zu retten, wenn er ihm das Werk für 25 Jahre in Treuhand übereignet. Des Weiteren stellte Becher eine Ausreise in das neutrale Ausland für alle Betroffenen in Aussicht. Alle Bedenken und Befürchtungen Dr. Chorins wurden von Becher ausgeräumt und dieser bekam auf diese Weise „aus freien Stücken“ den großen Konzern.
Stoppt den Schuldkult?
10. Januar 2018
Ein Leser des Weser-Kuriers verlangt, der Spruch „Stoppt den Schuldkult“ beim U-Boot-Bunker Valentin müsse „umgehend entfernt werden“, während sich Bürgerschaftspräsident Christian Weber und Thomas Köcher von der Landeszentrale für politische Bildung für den Erhalt der Inschrift und die Anbringung einer Hinweistafel aussprechen…
Der französische Philosoph Didier Eribon macht 2016 in seinem ebenfalls autobiographischen Buch „Rückkehr nach Reims“ Deregulierungen und den Rückbau sozialer Sicherungssysteme mitverantwortlich für die Erfolge der rechten Front National. Offenbar fühlen sich viele Menschen von den politischen und ökonomischen Eliten im Stich gelassen und abgehängt, das Vertrauen in das ökonomische System schwindet und die existentielle Angst vor finanziellem Abstieg und damit sozialer Deklassierung wächst auch bei Leuten, die (noch) einen Arbeitsplatz haben…
Und marginalisiert das ökonomische System nicht auch bei uns Millionen Menschen, die durch ihre Existenzangst in eine politische Ecke getrieben werden, in der sie nichts Gutes zu erwarten haben? Vielleicht kann eine Debatte über den Spruch „Stoppt den Schuldkult“ helfen, all dies und mehr aufzuarbeiten. Bloßes Überweißeln greift zu kurz.
Auszug BAF-Artikel 02/03.18
25 Jahre Nordkonferenz Chronologie
10. Januar 2018
Die erste Nordkonferenz fand am 30./31 Oktober 1993 in Heideruh statt. Sie diente dem Austausch zwischen den VVN-BdA, IVVdN und BdA Landesverbänden Mecklenburg-Vorpommern, Bremen, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hamburg. Die 18 TeilnehmerInnen debattierten über die Gefahren aus dem Auftreten neofaschistischer Parteien und Gruppierungen…
Ende Februar 2002 wuchs die Teilnehmerzahl bereits auf 40. Bernd Meimbergs Ausführungen zum Friedenskampf und die Abwehr rechter Gewaltangriffe standen im Mittelpunkt…
Überaus gut besucht war die Nordkonferenz Ende März 2014. Peter Strutynski, Wolfgang Beutin und André Aden beleuchteten Deutschlands erneuten Griff nach der Weltmacht, die Rolle der Vereinigten Staaten seit dem 1. Weltkrieg, die europaweite Zusammenarbeit rechtspopulistischer Parteien…
Auszug BAF-Artikel 02/03.18
Ehrung für Widerstandskämpfer in Blumenthal
10. Januar 2018
Am Sonntag, den 17. Dezember 2017, wurden in Blumenthal zwei öffentliche Fuß- und Fahrradwege nach Leo Drabent und Hans Neumann eingeweiht. Leo Drabent und Hans Neumann, beste Freunde, aktive Kommunisten und KPD- Funktionäre, wurden schon kurz nach der Machtübertragung an die deutschen Nazifaschisten am 30. Januar 1933 verhaftet und bis 1934 in Brandenburg, Oranienburg, Ellisenau und im KZ Esterwegen inhaftiert…
Nach seiner Entlassung aus dem Zuchthaus organisierten Drabent und Neumann ein Netz von 3er- und 5er Gruppen, die in Verbindung standen mit dem Hamburger Widerstandsgruppen um Bernhard Bästlein, Franz Jacob und Robert Abshagen, nach Berlin zu Anton Saefkow. Mit Flugblättern riefen sie die Arbeiterklasse zur raschen Kriegsbeendigung auf…
Die durch Urteil des 2. Senats des Volksgerichtshofs gegen Leo Drabent und Hans Neumann erkannten Todesstrafen sind am 20. November 1944 morgens vorschriftsmäßig im Zuchthaus Brandenburg (Havel)-Görden vollstreckt worden…
Nach unserer 794. Friedenskundgebung, die von über 34 Menschen besucht wurde und der Nachbereitung im Gustav Heinemann Bürgerhaus, fuhren Regine und ich wie an den vergangenen 6 Tagen auch 2 x täglich zu den Wegen von Leo Drabent und Hans Neumann. Mit puren Entsetzen stellten wir um 21.45 Uhr fest, dass am Ende des Weges das Schild von Leo Drabent beschädigt wurde…
im letzten „Büchsenlicht“ habe ich das Schild repariert… Karl
Auszug BAF-Artikel 02/03.18
46 Jahre Engagement für ermordete Antifaschisten
10. Januar 2018
„Unter dem Strang“
„Die ihr diese Zeit überlebt, vergesst nicht. Sammelt geduldig Zeugnisse von den Gefallenen. Sucht Euch einen von Ihnen aus und seid stolz auf ihn als einen großen Menschen, der für die Zukunft gelebt hat“.
Julius Fucik
1903 – 1943
Geschrieben in Gestapohaft
Ermordet in Plötzensee 8. September 1943
Im Juni 1971 fand in der evangelischen-lutherischen Kirchengemeinde in Bremen-Blumenthal ein Lateinamerika Seminar mit Dr. Salazar vom Lateinamerika Institut der Freien Universität Berlin statt, wo an einer Veranstaltung auch Altbürgermeister Willy Dehnkamp (SPD) teilnahm. Willy Dehnkamp, Widerstandskämpfer und inhaftiert, kannte Leo Drabent und Hans Neumann gut, „(……) Sie hätten aber zu leichtfertig ihr Leben geopfert“, so Willy Dehnkamp. Dehnkamp und mein Vater Paul (1911-1993) kämpften zusammen im Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold.
Im Juli 1971 lernte ich die Widerstandskämpfer gegen die Nazityrannei, alle verfolgt und inhaftiert, Albert Häusler, Wohnungssenator in Bremen 1946 KPD, Marianne Häusler, Ludwig Rudniki, Jakob Pfarr, Seppl Handl, Albert Chmielewski, Mariechen Müller („Rosa Luxemburg“), Robert Wilczek und andere kennen. Sie erzählten viel über Leo Drabent und Hans Neumann , ihren gemeinsamen Kampf.
Albert Krohn, aktiver Teilnehmer an der Novemberrevolution 1918 in Berlin, nach den Märzaufständen 1919 ½ Jahr Festungshaft in Dresden, war da bereits 4 Jahre tot. Er starb 1967 in Blumenthal und litt unter der Ermordung Drabents und Neumanns, seinen guten Freunden. Fühlte mit Hannchen Neumann, die 3 3 Jahre alt war, als ihr Hans in Brandenburg enthauptet wurde. Sie starb bereits 4 1 jährig schwer an Krebs erkrankt im Jahr 1953. Hannchen war Mitglied der KPD, das erneute Verbotsverfahren lief bereits seit 1951, die Ermordung ihres Hannes hinterließ bei Hannchen schwere seelische Spuren.
Eine Idee wurde entwickelt, Formen einer besonderen Würdigung beider Kommunisten zu finden.
28. April 1974 – 19. Mai 1974 Antifaschistischer Widerstand 1933 – 1945 in Bremen. Eine Dokumentation für die Ausstellung Antifaschistischer Widerstand in der Unteren Rathaushalle in Bremen wurde erstellt. Im Kuratorium der Ausstellung waren als Schirmherr der Ausstellung Hans Koschnick, Bürgermeister SPD, Dr. Heinrich Hannover und auch Georg Gumpert, KPD, DKP, VVN Bund der Antifaschisten, der gemeinsam mit Leo Drabent und Hans Neumann gegen den Faschismus und den heraufziehenden Krieg der Nazis gegen andere Völker kämpfte. In der Dokumentation wird der aktive antifaschistische Widerstand von Leo und Hans gewürdigt. Tief beeindruckend vor allen Dingen die Briefe von Leo Drabent und Hans Neumann, die beide in den letzten Stunden vor ihrer Hinrichtung durch das Fallbeil an ihre Ehefrauen Marianne Drabent und Hannchen Neumann schrieben.
Im Januar 1983 organisierte die ÖTV-Betriebsgruppe des Hauses Blumenkamp mit Petra Wurst, Perdita Heise und Gerd-Rolf Rosenberger, der auch dem Betriebsrat angehörte, am Bronzerelief von Anna Stiegler eine Gedenkkundgebung zu Ihren Ehren und dem 5 0. Jahrestag der Machtübertragung an die Nazifaschisten am 30. Januar 1933. 1 1 Jahre sperrten die Faschisten die Sozialdemokratin und Frauenrechtlerin Anna Stiegler ins Zuchthaus und anschließend in das Frauen K Z Ravensbrück ein. Der Ehemann Carl Stiegler wurde von den Nazis erschossen. Die Veranstaltung fand im Haus Blumenkamp der Bremer Heimstiftung statt. Anna war MitgründerInnen der Bremer Heimstiftung. Dr. Henning Scherf hielt die Rede. Am 30. Januar 1988 anlässlich des 5 5. Jahrestages der Machtübertragung an die Nazis hat die ÖTV Betriebsgruppe Bremer Heimstiftung eine zweite Gedenkveranstaltung durchgeführt.
Am 21. April 1988, pünktlich zu Anna Stieglers 107. Geburtstag wurde im Haus Blumenkamp bei Kaffee und Kuchen eine Gedenkschrift von der sozialdemokratischen ÖTV-Sekretärin Susanne Heyn, der ÖTV Vertrauensfrau Petra Wurst und den beiden DKP Mitgliedern Perdita Heise und Gerd-Rolf Rosenberger, Betriebsrat, selbst SprecherInnen der ÖTV-Vertrauensleute in der Heimstiftung herausgegeben. In der Broschüre wurde das Leben, ihr Antifaschismus der früheren First Lady der bremischen Sozialdemokratie gewürdigt. Ehrengäste bei dieser Feierstunde waren die ehemalige 2. Bürgermeisterin der Hansestadt Bremen und langjährige Sozialsenatorin Annemarie Mevissen und der ehem. Gesundheitssenator Albert Müller von der SPD, vor der Naziherrschaft auch Mitglied der SAP, selbst inhaftiert, hielt die Festrede. Beide Ehrengäste waren sehr „gerührt“, dass KommunistInnen bei der Erstellung einer Gedenkbroschüre für eine besondere Sozialdemokratin mitwirkten. Albert Müller würdigte den gemeinsamen Widerstand von Sozialdemokraten, Sozialisten und Kommunisten! Beide, Annemarie Mevissen und Albert Müller, waren der Meinung, dass alle Menschen, die Opfer brachten im Kampf gegen die faschistische Barbarei, es verdient haben, eine besondere Ehrung zu erhalten. Das träfe natürlich auf Leo Drabent und Hans Neumann zu, die dafür ihr Leben opferten. In unserem Bemühen, die beiden besonders zu ehren, sollten wir nicht nachlassen, so Mevissen und Müller.
Gemeinsam forderten alle an diesem Frühnachmittag im Haus Blumenkamp am 21. April 1988, schnellstmöglich das Haus Blumenkamp in Anna Stiegler Haus Blumenkamp umzubenennen, was dann auch passierte. Auch sprachen wir von einer Straßenbenennung in Blumenthal, wo Anna ihre ersten Jahre verbrachte.
Der Kurier am Sonntag vom 24. April 1988 berichtete in einem Artikel von Volker J. Wesslau über die Gedenkkundgebung im Haus Blumenkamp.
1989 – 1991 dann, so wurde prophezeit, das ENDE DER GESCHICHTE !
Am 9. November 2001 wurde die Initiative Nordbremer Bürger gegen den Krieg gegründet. An diesem historischen Tag fand die 1. Friedenskundgebung statt. Daraus sind inzwischen jeden Freitag insgesamt 7 9 0 Friedenskundgebungen geworden. Ich gehörte zu den Mitgründern neben Gerd Meyer, Pastor Volker Keller, Alois Engel, Björn Wehrs (SPD), Ludwig Schönenbach (ehem. Bündnis 90/Die Grünen) und weiteren FreundInnen.
Bis zum heutigen Tag wird immer am historischen 9. November an die Friedenskämpfer Leo Drabent und Hans Neumann gedacht, die am 20. November 1944 umgebracht wurden.
Freitag, den 19. November 2004 fand eine weitere Gedenkkundgebung zu Ehren von Leo Drabent und Hans Neumann statt. Der Redakteur Hans-Hermann Boeken berichtete in der Norddeutschen ausführlich über die Gedenkkundgebung mit 2 Fotos der Ermordeten. Es waren 2 besondere Gäste und Redner zugegen:
Ludwig Baumann, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Opfer der faschistischen Militärjustiz, der 1942 von einem Kriegsgericht zum Tode verurteilt worden war. Ludwig wird nächsten Monat 9 6 Jahre alt. Die Hauptrede hielt die Historikerin Dr. Bärbel Schindler-Saefkow aus Berlin. Ihr Vater Anton Saefkow, zu seiner starken kommunistischen Widerstandsorganisation hielten Leo Drabent und Hans Neumann Kontakt, der mit Professor Dr. Adolf Reichwein und Julius Leber, den Vertretern des SPD Widerstandes, beraten hatte, wie das verbrecherische Naziregime zu stürzen sei, wurde wie Leo und Hans ebenfalls 1944 im Zuchthaus Brandenburg, 8 Wochen vorher geköpft.
Ende des Jahres 2004 schrieb der ehemalige Leiter des Gustav Heinemann Bürgerhauses, Gründer der Internationalen Friedensschule Bremen, Gerd Meyer an das DGB Ortskartell Bremen-Nord:
„Seitens des Gustav Heinemann Bürgerhauses war seit 1 9 8 0 (!!) wiederholt an die Arbeiter Leo Drabent und Hans Neumann des Bremer Vulkan erinnert worden. Wir hatten mehrfach z. B. dem Beirat Vegesack eine Straßenbenennung vorgeschlagen. Dank der Initiative Nordbremer Bürger gegen den Krieg und anderer engagierter Personen kommt jetzt endlich eine öffentliche Anerkennung. Leider hat der Betriebsrat des Bremer Vulkan seine ehemaligen Kollegen nicht mehr ehren können. Vielleicht wäre es eine Möglichkeit, wenn der DGB/die IG Metall sich der Gewerkschaftskollegen erinnern würde, z. B. am 1. Mai.“
Im September 2004 im Rahmen des Projekts „Stolpersteine“ beschäftigten sich eine Klasse des Schulzentrums Lerchenstraße unter der Leitung von Detlef Stockinger schon seit längerer Zeit mit der Person Leo Drabent; sie übernahmen die Patenschaft für einen Stolperstein für Leo Drabent, Am Willmannsberg 26 in Vegesack. Die Stolpersteinverlegung fand am 4. Mai 2005 statt. Für Hans Neumann wurde in der Fresenbergstraße 79 in Bremen-Blumenthal ein Stolperstein gelegt. Die Patenschaft übernahm Gerd-Rolf Rosenberger. Der bekannte Schauspieler Rolf Becker legte im Herbst 2005 einen großen Rosenstrauß am Stolperstein von Hans Neumann nieder.
1 9. Juni 2 0 1 2 BürgerInnen und Bürger stellen an den Ortsamtsbeirat Blumenthal gerichtet den Bürgerantrag, eine Straße in Blumenthal nach dem ermordeten Widerstandskämpfer Leo Drabent zu benennen. Durch die Verlängerung der B 74 in Richtung Farge wurde die Richard-Taylor Straße geteilt. Eine der beiden Teile könnte zur Leo Drabent Straße werden.
Der Bürgerantrag wurde einstimmig beschlossen, keine Gegenstimme. Trotz mehrmaliger Anfragen von Andreas Bähr, sachkundiger Bürger der Linkspartei, auch an den Ortsamtsleiter Peter Nowack, ist nach 5 Jahren und 6 Monaten gar nichts passiert!!
Freitag, den 21. November 2 0 1 4 3 7 FriedensfreundInnen dachten an Leo Drabent und Hans Neumann, die vor 7 0 Jahren enthauptet wurden. Bei den Stolpersteinen von Leo und Hans legten wir Rosensträuße und brennende Kerzen nieder. Ich hielt die Friedensrede auf der Gedenkkundgebung.
Am 10. Juni 2 0 1 6 wurde nach der Friedenskundgebung im Bürgerhaus Vegesack von Johannes Philipp, engagierter Christ und seit 6 0 Jahren Mitglied in der IG Metall, Andreas Bähr, sachkundiger Bürger der Linkspartei im Ortsamtsbeirat Blumenthal, Helmut Rosieka, Fußballer und Mitglied im Blumenthaler Sportverein (BSV) seit 6 0 Jahren, Mitglied im Ältestenrat des BSV und Gerd-Rolf Rosenberger das Projekt entwickelt, wenn von den OFFIZIELLEN SEIT VIELEN JAHREN NICHTS GEMACHT WIRD, AUCH KEIN INTERESSE UND ENGAGEMENT VORHANDEN IST, alles selbst in die Hand zu nehmen, individuell zu spenden und eine Benefiz Veranstaltung zu Ehren der beiden ermordeten Arbeiter durchzuführen, die Voraussetzungen zu schaffen, Leo Drabent und Hans Neumann mit einer Straße oder einem Weg ehrenvoll zu würdigen.
Von den Verantwortlichen des Stadtteils Blumenthal wurde wiederholt gesagt, für eine Straßen- oder Wegebenennung wäre kein Geld vorhanden, so was würde um die 2000 Euro kosten! Wir machten Brücken, Wege und Straßen aus, die noch keine Namensnennung tragen. Ich rief den Filmschauspieler Rolf Becker an, der zusagte, im Gustav Heinemann Bürgerhaus eine Benefiz- Lesung durchzuführen.
Donnerstag, den 17. November 2 0 1 6 Der Schauspieler Rolf Becker rezitiert in der Cafeteria des Gustav Heinemann Bürgerhauses fast 2 Stunden H E I N R I C H
H E I N E. 1 0 5 Freundinnen und Freunde spenden auf der Benefiz Veranstaltung 2 6 0 0 Euro. Gute Freunde aus der Stadt Bremen, die an der Veranstaltung teilnahmen, mit unserem Anliegen für Leo Drabent und Hans Neumann voll solidarisch sind, handwerklich dabei sehr geschickt, versprachen uns, bei einer Straßen- oder Wegebenennung uns aktiv zu unterstützen und praktisch zu helfen.
NICHT EIN OFFIZIELLER AUS BREMEN-NORD WAR BEI DER BENEFIZ-VERANSTALTUNG ANWESEND.
4. O k t o b e r 2 0 1 7 Der Historiker Ulrich Schröder referiert im Gemeindehaus über die Arbeiterbewegung in Bremen-Nord. Ein Diskussionsbeitrag von mir war dem Gedenken an Leo Drabent und Hans Neumann gewidmet mit der Forderung, eine Straße oder einen Weg nach den standhaften Kommunisten Leo und Hans zu benennen.
Mitglieder der evangelischen-reformierten Kirchengemeinde in Blumenthal, einschließlich Pastor Ulrich Klein, unterstützen die Forderung nach einer Wegebenennung für 2 Menschen, den beiden nacheinander die Köpfe abgeschlagen wurden, weil sie konsequent für den Völkerfrieden, gegen den Krieg, für soziale Gerechtigkeit und gegen Armut einstanden!
Bremen-Blumenthal, den 6. D e z e m b e r 2 0 1 7
Gerd-Rolf Rosenberger






