Die Loge

geschrieben von Gerold Fleßner

10. April 2012

In seiner Münchener Wohnung wird Prof. Dr. Benjamin Stern brutal ermordet.

In seiner Münchener Wohnung wird Prof. Dr. Benjamin Stern brutal ermordet. Stern, der von der Universität freigestellt war, hat an einem Manuskript gearbeitet, das die Machenschaften der katholischen Geheimloge «Crux Vera», (Wahres Kreuz), während des Zweiten Weltkrieges aufdecken sollte. Kaum jemand wusste, dass er zum «Institut» (Mossad) gehörte. Der Täter, ein Auftragskiller, der als «Leopard» bekannt ist,. wurde er vom «Wahren Kreuz» beauftragt. Der ermittelnde Münchner Kommissar gehört auch der Loge an und will alles in Sande verlaufen lassen. Dem macht der alte Führungsoffizier von Stern einen Strich durch die Rechnung. Er setzt Gabriel Allon, Geheimdienstkollege von Stern und einer der Hauptfiguren in Silvas Krimis, auf die Klärung der wahren Umstände an. Nach einigen Irrungen und Wirrungen löst er Stück für Stück das Rätsel. Der Nachfolger des «Polen», ist nicht Papst Benedikt XVI, alias Joseph Alois Ratzinger, sondern Paul VII, mit bürgerlichem Namen Pietro Lucchesi. Und er will die Archive des Vatikans öffnen, damit deren Beteiligung an der Shoah aufgeklärt wird. «Crux Vera» kann und will das nicht zulassen. Jeder, der sich beteiligt ist des Todes. Auch Paul VII soll getötet werden. Doch erst ein Rückblick: Im März 1942 treffen sich Bischof Sebastino Lorenzi und die Padres Felici und Manzini, beide wurden mittlerweile schon ermordet, mit dem Beauftragten des deutschen Außenministeriums, Martin Luther, im Herz-Jesu-Kloster in Brenzone am Garda-See. Dort wird das Stillhalteabkommen zur Ermordung der europäischen Juden zwischen dem Vatikan unter Pius XII und Nazideutschland besiegelt. Eine der Novizinnen bedient die Mitglieder der unheiligen Allianz. Was keiner von ihnen weiß ist, dass sie als Südtirolerin gut deutsch spricht. Sie hört alles mit und schreibt es noch nachts nieder. Auch ein kleiner Waisenjunge ist in der Küche anwesend – es ist Pietro Lucchesi. Die Novizin verlässt kurz danach das Kloster und muss wie die Padres sterben. Eine Kopie des Papiers ist im Besitz von Prof. Dr. Benjamin Stern gelangt. Darum wurde er ermordet. So wird das israelische «Institut» in Laufe des Buchs zum Retter des Papstes. Daniel Silva lässt den armen Gabriel Allon in kürzester Zeit durch halb Europa rasen, was mir etwas skurril anmutet. Der «Leopard», der in jungen Jahren noch für die RAF und PLO in „Diensten“ war, hat noch eine Rechnung mit Allon offen. So involviert er den PLO-Nachrichtendienst. Eine Prise Antipalästina weniger und dafür eine Prise Israelkritik mehr und das Buch wäre noch besser. Es war mein erstes Buch von Silva (den zweiten habe ich bereits – auch ein Fall für Allon). Es ist sehr spannend und sehr gut lesbar. Das zurzeit das Thema Außenministerium und NS-Vergangenheit aktuell ist, war reiner Zufall. Wenn auch die gesamte Geschichte fiktiv ist, sie könnte durchaus so abgelaufen sein. Das Buch von Daniel Silva „Die Loge“ ist 2003 im Piper Verlag, München, erschienen. Es hat 448 Seiten und kostet in der Paperback-Version (ISBN 978-3-492-24858-7) 8,95 EUR. In der gebundenen Version (ISBN 978-3-492-040605-3) sind es 19,90 EUR.

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Furchtlos, Das Leben der Solingerin Tilde Klose

geschrieben von Marion Bonk

10. April 2012

Auf ihrer Fahrt im Jahre 2009 durch Mecklenburg Vorpommern kommt Ulla Feldhaus, die Autorin des Buches, mit ihrem Mann auch zur Gedenkstätte des Frauen- KZ-Ravensbrück.

Auf ihrer Fahrt im Jahre 2009 durch Mecklenburg Vorpommern kommt Ulla Feldhaus, die Autorin des Buches, mit ihrem Mann auch zur Gedenkstätte des Frauen- KZ-Ravensbrück. Obwohl sie das Gesehene nur schwer verarbeiten kann, blättert sie an einem Büchertisch in dem Buch „Kreuzweg Ravensbrück“. Dabei stößt sie auf ein Bild der Solinger Widerstandskämpferin Mathilde Klose. Der Mythos und die Person Tilde Klose lassen sie nicht mehr los. Sie beschließt ihren Leidensweg nachzuspüren. Daraus entstand eine 66-seitige Broschüre mit eindrucksvollen Schilderungen über das Leben und Leiden der Solingerin in den Jahren 1892 bis 1942. Eine Vielzahl von Bildern und Dokumenten lassen den Leser der Broschüre ein wenig teilhaben an Tildes Leben. Die leichtverständliche Art des Schreibens sollte es auch Jugendlichen und Menschen, die sich noch nicht so viel mit dem Faschismus und seinen Gräueltaten befasst haben, ermöglichen, durch diese Broschüre einen ersten Schritt in diese Richtung zu machen. Und jedem Antifaschisten kann ich sie als Ergänzung seiner Bibliothek nur ans Herz legen. Ulla Feldhaus „Furchtlos, Das Leben der Solingerin Tilde Klose“ Custos Verlag Edition Historica ISBN 9783943195026,-7,90 €

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Tiefe Wunden

geschrieben von Marion Bonk

10. April 2012

Eigentlich sollte man bei Krimireihen ja mit dem ersten Band anfangen, aber als Antifaschist konnte ich nicht anders und musste mit dem 3. Band der Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff Reihe von Nele Neuhaus zu beginnen.

Eigentlich sollte man bei Krimireihen ja mit dem ersten Band anfangen, aber als Antifaschist konnte ich nicht anders und musste mit dem 3. Band der Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff Reihe von Nele Neuhaus zu beginnen. Die beiden Ermittler werden zu der Leiche eines erschossenen 92-jährigen Holocaust-Überlebenden gerufen. Es gibt nur einen einzigen Hinweis, die Zahl 16145, die mit Blut auf einen Spiegel geschrieben ist.. Bei der Obduktion findet man eine Tätowierung unter der Achsel, die die Frage aufwirft, ob der Tote David Josua Goldberg bei der SS war. Von oberster Stelle wird die weitere Ermittlung in diesem Fall untersagt. Innerhalb weniger Tage kommt es zu zwei weiteren Morden an Menschen im Alter von Goldberg. Jedes Mal taucht wieder die geheimnisvolle Zahl 16145 auf. Aber was haben die alte Dame aus der vornehmen Seniorenresidenz und der unverbesserliche Alt-Nazi (sein Keller ist angefüllt mit Erinnerungen aus der Nazizeit) mit Goldberg zu tun? Außer dass alle drei mit der ebenfalls alten Clanchefin Vera Kaltenberg bekannt waren, lässt sich keine Verbindung finden. Die Ermittler stehen vor vielen ungelösten Rätseln und Problemen in der Familie Kaltenbach und deren Firma. Schnell wird klar, dass der vermeintliche Selbstmord eines Tatverdächtigen nur auf eine falsche Fährte führen soll. Auf dem Höhepunkt des Krimis führen Pia Kirchhoff ihre Ermittlungen in das ehemalige Ostpreußen, wo es zur dramatischen Auflösung des Falles kommt. Ein spannender und nah an der Wirklichkeit geschriebener Krimi. Es ist schwer zu glauben, dass es sich „nur“ um einen Roman handelt. Vieles, was dort beschrieben wird, ist mit Sicherheit auch während der NS-Zeit und danach geschehen. Es mahnt uns auch weiterhin, unser Ziel, den Faschismus zu bekämpfen, nicht aus den Augen zu verlieren. Nele Neuhaus, Tiefe Wunden, Taschenbuch: 480 Seiten, Verlag: List Taschenbuch, ISBN-10: 3548609023

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Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben

geschrieben von Raimund Gaebelein

10. April 2012

Erschreckend zu lesen und doch sehr informativ ist das im Mai erschienene Buch „Soldaten.

Erschreckend zu lesen und doch sehr informativ ist das im Mai erschienene Buch „Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben“ aus dem S. Fischer Verlag, Frankfurt/Main. Auf 520 Seiten gehen der Sozialpsychologe Harald Welzer und der Historiker Sönke Neitzel der Frage nach, wie durchschnittliche Deutsche im Zweiten Weltkrieg zum Massenmörder werden konnten. Anhand von 100.000 Seiten Abhörprotokollen in britischen und amerikanischen Kriegsgefangenenlagern kommen sie zu der Erkenntnis, dass Gespräche von über Zehntausend deutschen Kriegsgefangenen in den Jahren 1943/45 belegen, dass der Krieg nicht aus Überzeugung geführt wurde, sondern dass sie ihr Kriegshandwerk ordentlich führen und zu Ende bringen wollten. „Das Töten und die extreme Gewalt gehören zum Alltag der Erzähler und ihrer Zuhörer.“ Die Erschießung von Gefangenen, die sich gerade ergeben hatten, und die Ermordung von Hunderttausenden sowjetischer Kriegsgefangener und Juden durch Genickschuss schreckte sie nicht, Beteiligte schildern den allmählichen Gewöhnungsprozess. Zivilisten im Frontgebiet, ob Juden oder nicht, galten als Partisanen. Soldaten töteten, weil es ihre Aufgabe war und ihr Jagdinstinkt geweckt wurde. Sie empfanden es als sportliche Handlung, eine Unterscheidung zwischen militärischen und zivilen Zielen spielte für sie keine Rolle. Dabei hätte eine Verweigerung der Teilnahme an sogenannten Judenaktionen keinerlei strafrechtliche Folgen gehabt. „Nur in Deutschland wurde die Rassentheorie zum politischen Programm“, folgern Neitzel und Welzer. Möglich wurde diese Gewöhnung an Härte und Brutalität mit der Militarisierung des deutschen Bürgertums durch Bismarcks Politik von „Blut und Eisen“. Für die Frontsoldaten des Zweiten Weltkriegs waren vor allem „das militärische Wertesystem und die soziale Nahwelt von entscheidender Bedeutung“ für ihr Verhalten. Glaube und Vertrauen auf Hitler als obersten Heerführer bestanden auch noch fort, als mit der militärischen Wende bei Stalingrad die Hoffnung zerrann den Krieg gewinnen zu können. Das systematische Töten von 2,5 bis 3,3 Millionen Rotarmisten in den Lagern durch Hunger und das Verbrennen von eingeschlossenen Frauen und Kindern lehnen die Landser allerdings als unwürdig ab. Grauen löste bei ihnen 1941/42 auch die Exhumierung und Verbrennung der ermordeten Juden aus den Vernichtungslagern längs der polnischen Ostgrenze aus. Der Kampfwille bis zur letzten Patrone und die Angst vor der sowjetischen Kriegsgefangenschaft ließ deutsche Soldaten gegen besseres Wissen auch dann noch durchhalten, als der Glaube an einen Sieg längst nicht mehr da war. Nach der Landung der Alliierten am 6. Juni 1944 ergriff viele die Angst vor Mithaftung für die in deutschem Namen verübten Verbrechen. Sönke Neitzel/Harald Welzer, Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben, 520 S. davon 54 S. Literaturangaben, ausführliches Orts- und Sachregister, S. Fischer Verlag Frankfurt/Main Mai 2011 für 22,95 Euro

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Barcelona Gurs Managua – Auf holprigen Straßen durch das 20. Jahrhundert

geschrieben von Hartmut Stinton

10. April 2012

Was dieses Buch auszeichnet, ist das stets spürbare humanistische Engagement des Autors ohne jedes Pathos.

Durch die „junge Welt“ aufmerksam geworden, nahmen Jürgen Karbe und ich am 21. V. mit ca. 60 weiteren Interessierten an einer 2-stündigen Hafenrundfahrt, veranstaltet vom Verein „Kämpfer und Freunde der Spanischen Republik e. V.“ und dem Landesjugendring, in einer Barkasse teil. Treffpunkt war auf der Fußgängerbrücke zur Speicherstadt an der Fahne der Spanischen Republik (rot-gelb-lila), die anschließend am Heck der Barkasse flatterte. Während der Fahrt wechselten sich drei Kameraden ab, uns, von rumgereichten Fotos unterstützt, über den Widerstand im Hafen und die vielen Zwangsarbeiterlager dort selbst zu informieren. Das war sehr informativ, wurde aber leider oft trotz Verstärkung vom Tuckern des Motors übertönt. Im Widerstand spielte auch Dagobert Biermann, Wolf Biermanns Vater, eine wichtige Rolle. Interessant war auch die Begegnung mit einem Schlepper der Reederei Fairplay. Letztere wurde arisiert und als einzige nach einigen Auseinandersetzungen nach dem Faschismus der jüdischen Besitzerin, die emigriert war, zurückgegeben. Anschließend wurde im Duckdalben, Begegnungsstätte für Seeleute in Veddel, nach Kaffee und Kuchen mit Liedern des Spanischen Bürgerkriegs, in der Eingangshalle eine Gedenktafel für Wolfgang Hoffmann feierlich enthüllt. Dieser Spross einer sozialdemokratischen, jüdischen Wiener Familie wurde Kommunist und Seemann, kämpfte in den Internationalen Brigaden in Spanien, fiel den deutschen Faschisten in Belgien in die Hände und wurde im Lager Groß-Rosen zu Tode gebracht. Ehrengast war Gert Hoffmann, der fünf Jahre jüngere Bruder des Geehrten. Er ließ auch seine äußerst lesenswerte Biographie „Barcelona GursManagua – Auf holprigen Wegen durch das 20. Jahrhundert“ verkaufen. 1917 geboren, wurde auch er Kommunist und von der Schulbank weg, noch unter den Austrofaschisten, wegen Widerstands verhaftet und zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt. Nachdem die Nazis anlässlich ihrer Übernahme Österreichs alle politischen Gefangenen amnestiert hatten, konnte er nach Spanien zu den Interbrigaden fliehen. Nach deren Niederlage wurde er in Gurs und anderen französischen Lagern interniert und schlug sich mit falschen Papieren als Spanier in Frankreich durch. Auf der Suche nach seiner Mutter in Belgien erfuhr er, dass auch beide Eltern von den Nazis ermordet wurden. Mit den Nachkriegsjahren in Wien, seiner Heirat und 2 Töchtern unterbrach Gert seine biografischen Anmerkungen und schloss mit Berichten aus den achtziger und neunziger Jahren über seine Solidaritätsarbeit und die erneute Niederlage in Nicaragua. Was dieses Buch auszeichnet, ist das stets spürbare humanistische Engagement des Autors ohne jedes Pathos. „Wenn meine Kinder mich heute fragen, ob ich zu meinen Jugendidealen stehe, antworte ich ihnen: Meine Träume von damals haben sich nicht erfüllt. Um ihre Verwirklichung haben sich unzählige Menschen bemüht und dafür große Opfer gebracht. Ich kann mich damit nicht abfinden, dass es unmöglich sein soll, der Gerechtigkeit in dieser Welt zum Durchbruch zu verhelfen.“ Gert Hoffmann: Barcelona Gurs Managua – Auf holprigen Straßen durch das 20. Jahrhundert, Berlin 2009, S. 251, 24,90 €

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Reden vor Gericht, Plädoyers in Text und Ton

geschrieben von Raimund Gaebelein

10. April 2012

Dem Angeklagten konnte bestenfalls die Entwendung des Hammers nachgewiesen werden, mit dem der Einbruch in die Kasse verübt wurde, der wurde schließlich beim Angeklagten in unmittelbarer Umgebung des Tatorts gefunden

Am 02. September endlich wurde in der Buchhandlung Leuwer das langerwartete Buch aus der Feder von Heinrich Hannover vorgestellt. Vor zahlreich erschienenem Publikum präsentierte er Ausschnitte zweier Fälle aus den 60er bis 80er Jahren. Um bei Ehrengerichtsverfahren originalgetreue Aussagen zur Verfügung zu haben, fertigte er mit Genehmigung der Gerichte Tonbandmitschnitte seiner Plädoyers. Diese bemerkenswerten Zeitzeugnisse lassen sich nun dank einer beigefügten CD auch im Originalton verfolgen, sorgfältig eingeleitet und mit Hintergründen kommentiert durch Heinrich Hannover. Der Fall des nigerianischen Medizinstudenten Effi Oku führt uns in die Zeit der sogenannten Studentenunruhen 1967 zurück. Bei einer Demonstration im Hauptbahnhof gegen die Abschiebung Effi Okus, eines nigerianischen Medizinstudenten, nahm die Hamburger Polizei zwei Personen wegen Landfriedensbruchs fest, die ihnen besonders aufgefallen waren. Studenten hatten eine schützende Mauer um Effi Oku gebildet. Um einer Klage wegen exzessiver Polizeigewalt zuvorzukommen, erging Strafanzeige wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt. Anhand von Filmaufnahmen konnten die belastenden Aussagen der Polizisten entkräftet werden. In seinem Plädoyer belegte Heinrich Hannover die Haltlosigkeit der Abschiebung. Die Verfügung wurde Effi Oku zugesteckt, als er in das zum Abflug bereite Flugzeug gebracht wurde. Der gesetzlich vorgesehene Rechtsweg wurde ihm vorenthalten. Er verschwand auf Nimmerwiedersehen. In einem zweiten vorgetragenen Fall führte uns Heinrich Hannover in die Welt eines Kneipeneinbruchs. Trotz einer hinreichenden Fülle an einschlägigen Vorstrafen und trotz zahlreicher Indizien vermochte er es, eine Einstellung des Verfahrens wegen Geringfügigkeit zu erwirken. Dem Angeklagten konnte bestenfalls die Entwendung des Hammers nachgewiesen werden, mit dem der Einbruch in die Kasse verübt wurde, der wurde schließlich beim Angeklagten in unmittelbarer Umgebung des Tatorts gefunden. Unter großem Beifall eines sehr interessierten Publikums trug Heinrich Hannover abschließend mehrere seiner bundesweit berühmten Kindergeschichten vor. Heinrich Hannover, Reden vor Gericht, Plädoyers in Text und Ton, Hardcover mit einer Audio-CD, 250 S., zahlreiche Abbildungen, Papyrossa Verlag Köln, EUR 29,90, ISBN 978-3-89438-438-8 Raimund Gaebelein

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Deutschland und „seine“ Kroaten

geschrieben von Raimund Gaebelein

10. April 2012

Tagtäglich bringen Radio, Zeitungen und Fernsehen Informationshäppchen zu den Ereignissen 1989/90 und versuchen die augenblicklichen wirtschaftlichen Sorgen zur Seite zu drängen.

Tagtäglich bringen Radio, Zeitungen und Fernsehen Informationshäppchen zu den Ereignissen 1989/90 und versuchen die augenblicklichen wirtschaftlichen Sorgen zur Seite zu drängen. Im Windschatten der Ereignisse vollzog sich der Zerfall der Sowjetunion, der Tschechoslowakei und Jugoslawiens. Der frühere ARD-Korrespondent Ulrich Schiller erhellt im vorliegenden Buch die Hintergründe des mörderischen Bürgerkriegs in Bosnien. Er kennt die Herzegowina noch von 1953, hat Freunde an der Neretva, dem legendären Fluss der Partisanenkämpfe im 2. Weltkrieg. Er beschreibt aufs Tiefste erschüttert die Spuren, die der Völkermord der kroatischen Ustaša an den Serben, Juden und Roma im KZ Jasenovac in der gesamten Region bis heute hinterlassen hat. Nach dem Einmarsch der Wehrmacht im April 1941 begannen Verhaftungen von Serben in der Herzegowina, vier Monate später die Zusammentreibung und Erschießung. Einzelheiten konnten erst 1957 in einem Prozess enthüllt werden. Die Ustaša organisierte sich als Geheimbund, plante 1934 das Attentat auf den jugoslawischen König und schuf 1941 unter deutscher Schutzherrschaft ein Großkroatien unter Einschluss Bosniens. Die Partisanenbewegung siegte, die Briten überstellten die nach Österreich geflohenen Ustaša-Faschisten an die Partisanenarmee Titos, der kroatische Führer Ante Pavelic floh über die Rattenlinie nach Argentinien. Die katholische Kirche entwickelte eine Gedenktradition für die Opfer der Repressalien durch die Partisanen Titos. Der Kalte Krieg ermöglichte die Entstehung und Ausbreitung kroatischer Exilverbände vor allem im Süden der Bundesrepublik, Geheimdienstverflechtungen und Bombenanschläge inbegriffen. Auch in Jugoslawien wuchs seit Anfang der 70er Jahre der kroatische Nationalismus. Die Kriegsverbrechen der 90er Jahre führt Ulrich Schiller zurück auf die nur spärliche Aufarbeitung der kroatisch-serbischen Spannungen unter Tito. Der frühere Partisan und Universitätsprofessor Franjo Tudjman wandte sich stärker dem kroatischen Nationalismus zu, sammelte nach Titos Tod auf ausgedehnten Reisen Exilkroaten und versicherte sich 1990/91 wiederholt der Unterstützung der deutschen Außenpolitik für seine Abspaltungspläne. Erneut wurden Krajina und Neretva Ziele von Säuberungsaktionen gegenüber Nicht-Kroaten. „Unabweisbar stellt sich dem Autor alsbald die Frage deutscher Mitverantwortung“ schreibt Hans Koschnick in seinem Vorwort. Am 11.9.94 und am 7.2.96 war der UN-Administrator für Mostar selbst Ziel kroatischer Anschläge. Kroatiens Präsident Stipe Mesic geht es heute darum, dass die Vergangenheit nicht unter einer verharmlosenden Relativierung der Ustaša-Verbrechen entsorgt wird. Ein kleines zartes Pflänzchen Hoffnung. Ulrich Schiller, Deutschland und „seine“ Kroaten, Vom Ustaša-Faschismus zu Tudjmans Nationalismus, 227 S., 14,80 Euro, Donat Verlag Bremen 2010 ISBN 978-3-938275-70-2

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Gefährliche Lieder

geschrieben von Raimund Gaebelein

10. April 2012

Das Buch mag verwirrend sein, so vielgestaltig sind Erfahrungen und Auftreten der befragten Zeitzeugen.

Das Buch mag verwirrend sein, so vielgestaltig sind Erfahrungen und Auftreten der befragten Zeitzeugen. Es erinnert daran, dass ein schräger Ton, ein individuell geschlungenes Halstuch, die Sehnsucht nach anderen Lebensformen, nach einer eigenständigen Fahrt in unbekannte Fernen in den Augen der Herren des sogenannten Dritten Reichs ausreicht, um als unangepasst und widerständig verhaftet, verhört, eingesperrt zu werden. Der Umgang mit den Traditionen und den Liedern der bündischen Jugend und der Pfadfinderbewegung war in den allerersten Jahren nach der Machtübertragung an den Faschismus zwiespältig, war doch ein großer Teil der bürgerlichen Jugend 1917 begeistert in den Krieg gezogen. Verdächtig machte sich jedoch bereits recht früh, wer positive Seiten im Aufbruch der jungen der Sowjetunion sehen wollte, wer die internationale Gemeinschaft in den Vordergrund stellte, nach eigenen Lebensformen suchte. „Hinzu kommt, dass die Lieder dieser Bünde durch ihren Text, Rhythmus [sic!] und Melodie nach den übereinstimmenden Angaben aller vernommenen Personen eine ungleich stärkere Begeisterung zu erwecken vermögen als die Lieder der Hitlerjugend“, so die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach 1935. Zwölf Zeitzeugnisse spiegeln eine gewisse Bandbreite der unangepassten Jugend wider, sie kamen aus Handwerker- oder Arbeiterfamilien, die Eltern hatten frühzeitig Zusammenstöße mit den Nazis. Lieder der Kölner Edelweißpiraten, des Nerother Wandervogel, der katholischen Sturmschar, der Kölner Navajos, des Christliches Jungvolks, der Deutsche Freischar, der St. Georgs Pfadfinder, der Deutschen Jungenschaft 1.11. runden die persönlichen Zeugnisse ab. Es handelt sich nicht um eine geschlossene Darstellung der bürgerlichen oder proletarischen Jugendbewegung der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. „Gefährliche Lieder“ erhebt nicht den Anspruch umfassend den Jugendwiderstand gegen die NS-Herrschaft in Deutschland darzustellen. Im Mittelpunkt dieses regionalgeschichtlichen Werks stehen Zeitzeugenaussagen ehemaliger widerständischer Jugendlicher in Bild und Ton. Der Stadt Köln und dem Landschaftsverband Rheinland ist für ihre Unterstützung dieses Projekts des Edelweißpiratenclubs zu danken. Das Buch von Doris Warheid, Jörg Seyffarth, Jan Krauthäuser „Gefährliche Lieder – Lieder und Geschichten der unangepassten Jugend im Rheinland 1933-1945“, ist kürzlich im Emons-Verlag erschienen. Es hat 191 Seiten und eine einliegende Lieder-CD und es kostet 19,95 EUR (ISBN 978-3-89705-742-5).

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Auswärts eingesetzt. Bremer Polizeibataillone und der Holocaust

geschrieben von Raimund Gaebelein

10. April 2012

Jahrzehntelang blieb die Geschichte der Bremer Polizeibataillone 105 und 303 im Dunkeln, ihr Kriegseinsatz in den besetzten Niederlanden und der besetzten Sowjetunion.

Jahrzehntelang blieb die Geschichte der Bremer Polizeibataillone 105 und 303 im Dunkeln, ihr Kriegseinsatz in den besetzten Niederlanden und der besetzten Sowjetunion. Den ersten Einsatz hatte das zu Kriegsbeginn 1939 aufgestellte Reserve Polizeibataillon 105 mit der Besetzung Norwegens. Mit dem Einfall in die Sowjetunion rückte es im Sommer 1941 über die baltischen Staaten bis zum eingeschlossenen Leningrad vor. Der Auftrag bestand in der „Sicherung des rückwärtigen Heeresgebiets“, in der Bekämpfung von Partisanen. Die Kriegstagebücher sind nicht mehr vorhanden, erhalten sind jedoch Briefe des Kaufmanns Hans Hespe. 500 Mann im Alter von 30-40 Jahren, Kaufleute, Handwerker, Angestellte zogen Ende Juni 1941 bis vor das belagerte Leningrad. Ihnen war freigestellt, „in eigener Verantwortung gegenüber der Zivilbevölkerung Exekutivmaßnahmen zu treffen.“ Bremer Polizisten exekutierten „aufgegriffene angebliche Heckenschützen“. Wälder, Dörfer, Häuser wurden nach flüchtigen Rotarmisten durchkämmt, aus der belagerten Stadt fliehende Zivilisten auf kurzen Haarschnitt untersucht. Bereits in den ersten Kriegstagen wurden Kommunisten und Juden unter den Kriegsgefangenen selektiert. Häuser und Scheunen wurden mit Handgranaten in Brand gesetzt, um Partisanen keine Rückzugsmöglichkeit zu erlauben. Um Menschen aufzuspüren, wurden alte Männer, Frauen, Kinder streng verhört. Von Januar 1942 wurde das Polizeibataillon 105 bis Kriegsende in den besetzten Niederlanden eingesetzt. Zunächst im Raum Den Haag zur Objektbewachung. Von 15. Juli 1942 an fuhren jeden Donnerstagmorgen zwei Sonderzüge mit 90.000 holländischen Juden vom Sammellager Westerbork nach Auschwitz. Die Transportbegleitung oblag Angehörigen des Bremer Polizeibataillons 105. Angehörige des Bremer Polizeibataillons ergriffen Juden bei Razzien und brachten sie zu bereitstehenden Güterzügen. Spätestens bei der Übergabe der Namenslisten an der Rampe in Auschwitz wussten sie, was mit den eingefangenen Juden geschah. Ende Mai 1945 wurden die Angehörigen des Bremer Polizeibataillons 105 von den Briten für sechs Monate in Esens interniert, bevor sie von den Amerikanern auf ihre Arbeitsfähigkeit untersucht und für die Verwendung im Polizeidienst freigestellt wurden. 188 von ihnen erschienen zur Wiedereinstellung. Der vormalige Spieß wurde verantwortlicher Mann im Innendienst. 26.000 Männer zwischen 18 und 30 wurden im Herbst 1939 in der Polizeikaserne Holdheim und in der Lettow-Vorbeck-Kaserne militärisch ausgebildet. Ende September 1940 wurden sie als Polizeibataillon 303 an die deutsch-sowjetische Grenze im besetzten Polen gebracht. Sie sollten die Einhaltung der nächtlichen Ausgangssperre für Juden überwachen, Schwarzhandel und Alkoholschmuggel unterbinden und auf Razzien in Krakau ausgehobene Juden in ein Sammellager an der Grenze „umsiedeln“. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion sollten sie gegen versprengte Rotarmisten vorgehen und das ostgalizische Erdölgebiet sichern. Das Bremer Polizeibataillon 303 war beteiligt an dem zweieinhalb Tage währenden Massenmord an 33.771 Kiewer Juden in der Schlucht von Babij Jar am 28./29. September 1941. Bereits in den Tagen vorher wurden die Wohnungen der Juden von Kiew registriert. Die 1. Kompanie durchsuchte Wohnungen, zum trieb Juden zusammen; sperrte Straßen ab und zur begleitete die Opfer bis zum Hinrichtungsort. Sie kontrollierten und registrierten die Juden an einem Kontrollpunkt und nahmen ihnen die Pässe ab, sammelten und transportierten Gepäckstücke und Wertsachen. Dann trieben sie ihre Opfer auf freies Gelände, wo diese sich unter Stockhieben auszuziehen hatten. Erst bei Betreten der Schlucht sahen sie die bereits mit Leichen gefüllten Gräben. Weil es so viele waren, wurden nicht alle gleich am ersten Tag erschossen, sondern zum Teil über Nacht in ein stillgelegtes Traktorenwerk gebracht. Die wenigen Flüchtenden wurden gejagt und eingefangen, die noch nicht ermordeten Juden am folgenden Tag zur Erschießung in die Schlucht von Babi Jar zurückgebracht. Im Oktober 1941 wurde das Polizeibataillon 303 zu weiteren „Säuberungsaktionen“ nach Solotonosha abkommandiert, im November nach Krementschug, Poltawa und Sankow. „Die Frauen haben geweint. Es war ein erschütterndes Bild… Kinder brauchte ich Gott sei Dank nicht zu erschießen“, schrieb Heinrich M., einer der 11 namentlich bekannten Bataillonsangehörigen. Über Shitomir und die Pripjetsümpfe führt die Blutspur der Bremer Polizisten nach Parafianow im Raum Minsk, wo sie bei heftigen Gefechten mit Partisanenverbänden stark aufgerieben und 1944 zur „Partisanenbekämpfung“ an die Adria verlegt wurden. 14 Jahre lang wurden die Unterlagen durch elf Staatsanwaltschaften gereicht, bis auch das letzte Verfahren 1978 „aus Gründen der Gleichbehandlung“ eingestellt wurde, da der Beschuldigte „letzter Befehlsempfänger“ gewesen sei. „Ohne sie sind die hohen Mordraten der Einsatzgruppen nicht ‚zu erklären’“, schreibt Innensenator Ulrich Mäurer in seinem Vorwort. Karl Schneider, Auswärts eingesetzt. Bremer Polizeibataillone und der Holocaust, 812 S., Klartext Verlag, Essen, Sept. 2011, ISBN 978-3-8375-0527-6, mit ausführlichem Anhang, Literatur-, Namens- und Ortsregister, 39,95 Euro

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Bei Einladung Mord

geschrieben von Marion Bonk

14. März 2012

Kappentext: Wie organisiert man seine eigene Ermordung? Herrlich amüsanter Krimi in bester Agatha-Christie-Tradition. – Finanziell ruiniert, geschieden und tödlich erkrankt, überlegt Olivia, wie sie ihr einst so perfektes Leben auf möglichst glamouröse Weise beenden kann. Sie entschließt sich, ihre ärgsten Feinde auf eine private Luxusyacht einzuladen – und ihr Plan geht auf: Bei einem Sturz muss die 43-jährige ihr Luxusleben endgültig hinter sich lassen. Aber war Olivias Tod nun ein Unfall, Selbstmord oder wurde sie gar ermordet? Zumindest hätten alle an Bord ein Motiv für die Tat …

Der neue Kriminalroman von Carmen Posadas beginnt mit einem Zitat aus Agatha Christies Roman „Blausäure“: „Alle hassen Rosemary Barton. Wenn Gedanken töten könnten, hätten sie sie garantiert längst umgebracht.“. Im ersten Teil des Buches wird der Leser mit Einblicken in das Leben Olivia Uriates, ihrer Schwester Agata und von sieben ihrer allerbesten Freunde vertraut gemacht. Zur Feier ihrer Scheidung lädt die Hauptakteurin Olivia Schwester und Freunde zu einer Kreuzfahrt auf der Segeljacht ihres Ex-Mannes ein. Auf der „Sparkling Cyanide“ (Blausäure) erfahren sie, warum sie wirklich eingeladen wurden und warum gerade sie es sind. Nach dem plötzlichen Ableben Olivias auf der Jacht beginnt ihre Schwester Agata im zweiten Teil mit Aufzeichnungen von Begebenheiten kurz vor Olivias Tod. Mit diesen Aufzeichnungen und Recherchen führt sie den Leser langsam zum wahren Grund ihres Todes. Das Puzzle, das Carmen Posadas in ihrem Roman für die Leser versteckt hat, baut sich langsam aber sehr spannend zu einem Ganzen zusammen. Denkt man, man hat wieder ein Stück gefunden, stellt man fest, es könnte auch zu einer anderen Stelle passen. Bis zum Schluss reißt die Spannung nicht ab, und man weiß nicht, war es Mord, ein Unfall oder Selbstmord. Das stellt sich erst am überraschenden Ende heraus. Der Schreibstil von Carmen Posadas ist flüssig und gut verständlich, was dazu führt, dass man das Buch bis zum Ende gar nicht mehr aus der Hand legen mag. Carmen Posadas „Bei Einladung Mord“, edtion zeilenreich, Gütersloh, Februar 2012, 400 Seiten, 16,95 EUR, EAN:206004122352

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