Zu elft waren wir am 29. August in der Gedenkstätte Esterwegen, …Kurt Buck, Leiter der Gedenkstätte, nahm sich ausführlich Zeit, uns einen sehr eindrucksvollen Einblick in Entstehungsgeschichte der Emslandlager, die unterschiedlichen Gruppen von Gefangenen, den Lageralltag, Strafen, über Biographien, Gespräche mit Zeitzeugen und die Gestaltung der vor vier Jahren auf diesem historischen Gelände …Im nördlichen Lagerkomplex, unweit der niederländischen Grenze, wurden in einer abgelegenen Moorlandschaft Esterwegen, Börgermoor, Aschersdorf angelegt, wo politische Häftlinge vor ihrem Prozess durch Arbeit im Moor „umerzogen“ werden sollten. …Nach einer unterhaltsamen Mittagspause führte Kurt Buck uns über einen Stählernen Plattenweg, der den Tritt der Gefangenen und die Unbeständigkeit des moorigen Untergrundes nachempfinden ließ, zur ehemaligen Lagerstraße. …Nahe dem früheren Eingangstor machten wir Halt, um die von Georg Gumpert gestifteten Erinnerungssteine zu betrachten. Kurt Buck schilderte den mühsamen Weg zur Gedenkstätte. Zum Abschluss gingen wir für eine gute Stunde durch die sehenswerte Ausstellung.
Auszug BAF 10./11.2015
Die Seele wurde schon 1933 gebrochen
10. September 2015
Sommerausfahrt zur Gedenkstätte Esterwegen
8. August 2015
Sa. 29.08. gegen 10 Uhr ab Linkstreff West Gröpelingeer Heerstraße/Ecke Moorstraße: Sommerausfahrt in die Gedenkstätte Esterwegen. Geplant ist Fahrgemeinschaften zu bilden. Wir werden dort um 11:45 Uhr von Kurt Buck, dem Leiter der Gedenkstätte, erwartet. Fahrzeit ab Bremen ca. 90 min. Anmeldungen erbeten bei Raimund Gaebelein unter (0421) 6163215 raygaeb@web.de 0176/4986 5184 bitte angeben ob PKW zur Verfügung und Möglichkeit der Mitnahme. Dauer Vortrag und Besichtigung ca. 3 Stunden. Möglichkeit zum Kaffeetrinken nach Anmeldung gegeben.
Bebilderter Vortrag zur Geschichte der Emslandlager im Seminarraum; Erläuterungen zur Topographie des Lagers Esterwegen am Luftbild im Eingangsbereich; anschließend Gang über das Lagergelände mit Erläuterungen; Einführung in die Ausstellungen und individueller Rundgang; Abgeurteilt von Justiz und Wehrmacht. Gefangene in der Strafanstalt Lingen und den Emslandlagern 1935-1945 Sonderausstellung von Studierenden der Universität Osnabrück in Kooperation mit den Gedenkstätten Gestapokeller Osnabrück und Esterwegen.
„Unmittelbar nach der Machtübertragung an den Faschismus am 30. Januar 1933 begann eine Phase der Machtsicherung. An die Stelle der verhältnismäßig liberalen Rechtsordnung der Weimarer Republik sollte eine völkische Lebensordnung treten. Recht ergab sich aus den Vorstellungen der „Volksgemeinschaft“ und dem „Führerwillen“. Neue Verordnungen und Gesetze wie das „Ermächtigungsgesetz“ zerstörten die parlamentarische Demokratie und setzten verfassungsmäßige Grundrechte außer Kraft. Neue politische Straftatbestände wurden geschaffen und durch die zivile Justiz streng geahndet. Gleichzeitig verschärfte sie auch die Rechtsprechung gegenüber kriminellen Angeklagten drastisch. Strafvollzug sollte vor allem harte Sühne sein. Die Militärjustiz begriff sich als Instrument zur „Aufrechterhaltung der Manneszucht“ in der Wehrmacht und fällte ebenfalls mit zunehmender Dauer des Krieges immer gnadenlosere Urteile. Eine beispielhafte Auswahl von zwölf Gefangenen-Biographien zeigt unterschiedliche Lebensläufe und Tatvorwürfe. Mit ihnen werden individuelle Schicksale sichtbar, die hinter der Rechtsprechung der NS-Gerichte standen. Nicht alle Verurteilten waren ausschließlich Opfer. Einige waren auch zugleich Täter. Aber alle wurden Opfer einer politischen Justiz. Die Haftzeiten der ausgewählten Gefangenen reichten insgesamt von 1935 bis 1945 und machen die zunehmende Radikalisierung der Rechtsprechung und die stetige Verschlechterung der Lebensbedingungen der Gefangenen deutlich; insbesondere in den emsländischen Strafgefangenenlagern, in denen bis 1945 etwa 1.600 Gefangene umkamen.“
Fahrt (ca. 7 km) zur Begräbnisstätte Esterwegen (Lagerfriedhof) mit geführter Begehung oder Filmvorführung mit Zeitzeugenberichten
Was war los in Hohehorst? Ein Buch über die Nazi-Zeit in Leichter Sprache
5. August 2015
Am 23.06.2015 stellte Astrid Felguth ihr Buch „Was war los in Hohehorst? Ein Buch über die Nazi-Zeit in Leichter Sprache“ im Wallsaal unserer Zentralbibliothek vor. Sie will damit Jugendlichen und Erwachsenen mit und ohne Behinderung die „Nazi-Zeit“ näherbringen.
Ende der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts ließ die Familie Lahusen – Besitzer der Nordwolle, damals größter Textilkonzern Europas mit Hauptsitz in Delmenhorst – in Löhnhorst, nördlich Bremens, auf ihrem Sommerwohnsitz Gut Hohehorst ein prächtiges, schlossartiges Gebäude mit großem Park errichten. Gleichzeitig ließen sie in Bremen eine überdimensionierte neue Verwaltungszentrale – das heutige Haus des Reichs bzw. Finanzamt – bauen. Da sie u. a. daran 1931 pleitegingen, mussten sie das Haus Hohehorst noch vor dem Einzug verkaufen. Danach wechselten die Nutzungen: Lebensbornheim „Friesland“, Krankenhaus, Drogentherapie-Einrichtung … Seit einigen Jahren steht es leer.
Im Buch geht es um die Lebensborn-Zeit. Es beginnt mit Jugendlichen in Löhnhorst, wo Frau Felguth geboren und aufgewachsen ist, die 1977 zufällig auf die Geschichte Hohehorsts stoßen und ein Heft finden, das die Tagebuch-Aufzeichnungen von Anni 1944 enthält. Diese ist unverheiratet schwanger und findet ihre „Rettung“ im Haus Friesland. Nach dieser gekonnten Einführung folgen einige Seiten Erklärungen zu Lebensborn und „Nazi-Zeit“.
Hier erweist sich besonders die Problematik der „Leichten Sprache“. Sprache ist doch schwer nicht aus Schikane, sondern weil die Zusammenhänge kompliziert sind. Auf Ursachen und Zusammenhänge wird nicht eingegangen; der Faschismus kam irgendwie über Deutschland; dabei hatte das doch, um es mit Bertolt Brecht zu sagen, „Name und Anschrift“.
Besonders ärgerlich finde ich die Erwähnung des Widerstands: „Einige Menschen sagten etwas gegen die Verbrechen. Das waren oft Menschen von der Kirche.“ (S. 92) Und das, obwohl doch beide Amtskirchen eng mit den Faschisten zusammenwirkten, da sie ja den gleichen Feind, die Kommunisten, hatten.
Bei diesem Konglomerat aus Kindersprache und PowerPoint-Präsentation zeigt sich wieder einmal: „Das Gegenteil von „gut“ ist „gut gemeint“.
Astrid Felguth: „Was war los in Hohehorst? Ein Buch über die Nazi-Zeit in Leichter Sprache“, Mabuse-Verlag, Frankfurt/Main 2015, 16,90 EUR
Katalog erschienen zur Austellung „Europäischer Widerstand gegen den Nazismus“
20. Juli 2015
Der Papy-Rossa-Verlag in Köln hat zusammen mit einem belgischen Verleger und der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) im Sommer 2015 einen Bildband vorgelegt, der einen europäischen Blick auf die Widerstandsbewegung wirft. Er entstand im Zusammenhang mit einer Ausstellung, die das „Institut des Vétérans“ und die FIR im Sommer 2013 zum ersten Mal im Europäischen Parlament präsentieren konnten. Auf über 300 Seiten berichtet der Band über zentrale Ereignisse, insbesondere durch ausdrucksstarke Bilder. Jean Cardoen / Ulrich Schneider, Antifaschistischer Widerstand in Europa 1922 – 1945, Mit einem Vorwort von Manolis Glezos, Paperback, 24 x 24 cm, 335 Seiten, durchgehend mit s/w-Fotografien, 29,90 EUR. Erhältlich über die VVN-BdA Bremen gegen Vorkasse.
Macht und Krieg
20. Juli 2015
Jörg Wollenberg am 06. Mai zur Dämmerstunde über Vergessenes und Verdrängtes
Vor 100 Jahren legte der Bremer Mäzen und Kaufmann Ludwig Roselius (1874-1943) sein Kriegszielprogramm vor, das mit der Linie von Belgien bis zu den Dardanellen auch große Teile Russlands dem „Großdeutschen Reich“ einverleiben sollte. Die Denkschrift von 1915 an das Auswärtige Amt wurde von ihm wieder aufgenommen in seinen „Briefen und Schriften zu Deutschlands Erneuerung“ von 1933. 30 Jahre später, Anfang Mai vor 70 Jahren, versammelten sich Bremer Frauen und Männer, um ein „Sofortprogramm“ zur Neuordnung Deutschland vorzulegen. Sie veröffentlichten ihr Programm am 6. Mai 1945 im „AUFBAU“, dem Presseorgan der Kampfgemeinschaft gegen den Faschismus (KGF)….Nach 12 Jahren Nazi-Herrschaft konnten die Bremer wieder frei atmen, durften sie sich wieder als Menschen fühlen. Mit Wehmut und Trauer gedachten sie –wie schon 1918- der Toten. Sie begannen mit der Beseitigung der Trümmer und sahen eine ihrer ersten Aufgaben darin, die Verantwortlichen des NS-Systems anzuklagen und zu verurteilen. Nicht noch einmal sollte „am deutschen Wesen die Welt genesen“.
Auszug BAF Artikel 08./09.2015
Den Gegnern und Opfern des Faschismus
20. Juli 2015
DIE LINKE, MdB, Team des Wahlkreisbüros von Birgit Menz
Mitten in Findorff – an der Admiralstraße – steht ein Bunker. Er zeichnet sich aus durch ein antifaschistisches Wandgemälde. Nun möchte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben ihn verkaufen. Mit dieser Entscheidung kriegen auch Bemühungen um den Schutz des Gemäldes eine große Dringlichkeit. Das Wandgemälde ist inzwischen auch ein Wahrzeichen Findorffs. Vor allem aber ist es ein lebendiges Denkmal gegen Faschismus und Verfolgung an einem historischen Ort….Nachdem am 30. Januar 1933 die Macht in Deutschland an die NSDAP übertragen worden war, verstärkte die SA ihren Terror gegen Antifaschistinnen und Antifaschisten – nun sogar offiziell unter staatlichem Schutz. Ein Ergebnis dieses Terrors war, dass an vielen Stellen Konzentrationslager der SA entstanden. In ihnen wurden vor allem Kommunistinnen und Kommunisten, Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten festgehalten und gequält. In Bremen entstand bereits im März 1933 ein solches Lager in den ehemaligen Auswandererhallen der Auswandereragentur Friedrich Mißler in Findorff. Mitten im Stadtteil fanden tägliche Misshandlungen statt. Familien, FreundInnen, Kollegen und GenossInnen der Inhaftierten konnten wahrnehmen und berichten, was mit den Insassen des KZ Missler geschah. In der Bahnhofsvorstadt entwickelte sich Protest gegen die Vorgänge in den Hallen. Auch aus diesem Grund beschlossen die Bremer Nazi-Oberen das KZ Mißler aufzulösen. Die Gefangenen wurden im September 1933 in das Konzentrationslager Ochtumsand – einen ehemaligen Schleppkahn – an der Ochtummündung überführt. Das Konzentrationslager Ochtumsand wurde im Mai 1934 geschlossen. Die Gefangenen wurden auf das Ostertorgefängnis, das Untersuchungsgefängnis und das Konzentrationslager Langlütjen II in der Wesermündung aufgeteilt. Für viele Bremer Sozialdemokraten und Kommunisten begann im KZ Mißler und in Ochtumsand ein langer Weg durch faschistische Lager und Gefängnisse. …
Auszug BAF Artikel 08./09.2015
Sommerausfahrt zur Gedenkstätte Esterwegen
20. Juli 2015
Sa. 29.08. gegen 10 Uhr ab Linkstreff West Gröpelingeer Heerstraße/Ecke Moorstraße: Sommerausfahrt in die Gedenkstätte Esterwegen. Geplant ist Fahrgemeinschaften zu bilden. Wir werden dort um 11:45 Uhr von Kurt Buck, dem Leiter der Gedenkstätte, erwartet. Fahrzeit ab Bremen ca. 90 min. Anmeldungen erbeten bei Raimund Gaebelein unter (0421) 6163215 raygaeb@web.de 0176/4986 5184 bitte angeben ob PKW zur Verfügung und Möglichkeit der Mitnahme. Dauer Vortrag und Besichtigung ca. 3 Stunden. Möglichkeit zum Kaffeetrinken nach Anmeldung gegeben.
Bebilderter Vortrag zur Geschichte der Emslandlager im Seminarraum; Erläuterungen zur Topographie des Lagers Esterwegen am Luftbild im Eingangsbereich; anschließend Gang über das Lagergelände mit Erläuterungen; Einführung in die Ausstellungen und individueller Rundgang; Abgeurteilt von Justiz und Wehrmacht. Gefangene in der Strafanstalt Lingen und den Emslandlagern 1935-1945 Sonderausstellung von Studierenden der Universität Osnabrück in Kooperation mit den Gedenkstätten Gestapokeller Osnabrück und Esterwegen.
„Unmittelbar nach der Machtübertragung an den Faschismus am 30. Januar 1933 begann eine Phase der Machtsicherung. An die Stelle der verhältnismäßig liberalen Rechtsordnung der Weimarer Republik sollte eine völkische Lebensordnung treten. Recht ergab sich aus den Vorstellungen der „Volksgemeinschaft“ und dem „Führerwillen“. Neue Verordnungen und Gesetze wie das „Ermächtigungsgesetz“ zerstörten die parlamentarische Demokratie und setzten verfassungsmäßige Grundrechte außer Kraft. Neue politische Straftatbestände wurden geschaffen und durch die zivile Justiz streng geahndet. Gleichzeitig verschärfte sie auch die Rechtsprechung gegenüber kriminellen Angeklagten drastisch. Strafvollzug sollte vor allem harte Sühne sein. Die Militärjustiz begriff sich als Instrument zur „Aufrechterhaltung der Manneszucht“ in der Wehrmacht und fällte ebenfalls mit zunehmender Dauer des Krieges immer gnadenlosere Urteile. Eine beispielhafte Auswahl von zwölf Gefangenen-Biographien zeigt unterschiedliche Lebensläufe und Tatvorwürfe. Mit ihnen werden individuelle Schicksale sichtbar, die hinter der Rechtsprechung der NS-Gerichte standen. Nicht alle Verurteilten waren ausschließlich Opfer. Einige waren auch zugleich Täter. Aber alle wurden Opfer einer politischen Justiz. Die Haftzeiten der ausgewählten Gefangenen reichten insgesamt von 1935 bis 1945 und machen die zunehmende Radikalisierung der Rechtsprechung und die stetige Verschlechterung der Lebensbedingungen der Gefangenen deutlich; insbesondere in den emsländischen Strafgefangenenlagern, in denen bis 1945 etwa 1.600 Gefangene umkamen.“
Fahrt (ca. 7 km) zur Begräbnisstätte Esterwegen (Lagerfriedhof) mit geführter Begehung oder Filmvorführung mit Zeitzeugenberichten
Gedenkveranstaltung für die Opfer von Faschismus und Krieg
20. Juli 2015
am Sonntag, den 13. September um 11:30 Uhr am Feld K auf dem Osterholzer Friedhof mit Prof. Dr. Jörg Wollenberg zur „Kampfgemeinschaft gegen den Faschismus“ und Ausschnitten aus ihrer Zeitung „der Aufbau“. Musikalisch unterstützt von Aline Barthélémy.
Gedenkstätten und Geschichtspolitik
20. Juli 2015
Die verstärkte Europäisierung der historischen Forschung und die zunehmende Infragestellung von Ritualen in der Erinnerungskultur werfen Fragen auf. In acht Beiträgen und einer ausführlichen Dokumentation thematisieren norddeutsche WissenschaftlerInnen aus langjähriger Erfahrung Veränderungen in der Gedenkstättenpolitik. Detlef Garbe (KZ-Gedenkstätte Neuengamme) geht es vor allem um die Perspektive der Gedenkstätten. Von Erstarrung der Erinnerungskultur wird in Feuilletons großer Zeitungen geschrieben, von Pathosformeln und Sinnleere. Hinzu treten verstärkt Angriffe aus Polen, den baltischen Staaten und der Ukraine gegen den antifaschistischen Konsens. Sie erklärten den 23. August 1939 zum Kriegsbeginn (Vertrag zwischen Molotow und Ribbentrop). Vor fünf Jahren bereits hatte das Ename Institut in Deinze eine Konferenz mit Vertretern verschiedener europäischer Gedenkstätten organisiert, bei der im Eingangsreferat faschistische Verbrechen gegen die Menschlichkeit in eine Reihe gestellt wurden mit europäischen Kriegsgräuel seit dem 30-jährigen Krieg.
Dem vorliegenden Heft 16 der KZ-Gedenkstätte Neuengamme liegen Vorträgen einer Tagung in der KZ-Gedenkstätte Ravensbrück vor zwei Jahren zugrunde. Es geht darin um die Erwartungen bei Politikern wie bei gesellschaftlich engagierten Gruppen aus Gewerkschaft und Kirche an die Gedenkstättenarbeit. Es geht um das Wirken von Kräften, die faschistische Verbrechen in eine Reihe stellen wollen mit Ungesetzlichkeiten und Verbrechen in den ehemaligen sozialistischen Staaten. Damit einher geht seit Jahren eine Umwidmung finanzieller Mittel. Es geht im Weiteren um die Fortsetzung der Erinnerungsarbeit, wenn in absehbarer Zeit keine Überlebenden mehr in der Lage sind, über ihre Erlebnisse und ihren Widerstand zu sprechen. Es geht um die Rolle ihrer Nachkommen und der politischen Erben in den Vereinigungen der Zeitzeugen. Verstärkt berühren Forschungen auch Opfergruppen, die keine Vertretungen gründen konnten, sowie Gesprächskreisen von Nachkommen der Täter. Schließlich geht es verstärkt auch um die Frage, wie sich historische Überreste baulicher Art jüngeren Besuchern erschließen, wieweit eine Konservierung Geschehnisse erfassbar machen kann.
Den Weg zur Bildung eines Selbstverständnisses heutiger Gedenkarbeit beschreibt Thomas Lutz (Topografie des Terrors, Berlin). Cornelia Siebeck beleuchtet die staatlich geförderte Gedenkstättenlandschaft der vergangenen 30 Jahre, Detlef Garbe die Veränderungen in der Gedenkstättenkonzeption. Weitere Betrachtungen beschäftigen sich mit den Rahmenbedingungen für das Geschichtsverständnis („Diktaturenvergleich“) und den Erwartungen von BesucherInnengruppen an die Authentizität der Gedenkorte. Besonders sticht dabei die Dokumentation der Auseinandersetzung in Neuengamme um den Einsatz eines Bundeswehrangehörigen als pädagogischer Mitarbeiter heraus.
Gedenkstätten und Geschichtspolitik, Beiträge zur Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung in Norddeutschland Heft 16, 208 S. 32 Abb. Edition Temmen Bremen, 14,90 EUR ISBN 9-783837-84048-3







