Zu einem antifaschistisch-antirassistischen Kongress in Kopenhagen hatten Horserod-Stutthof Forenigingen und FIR-Dänemark verschiedene Verbände für den 21./22. November 2015 geladen. FIR und VVN-BdA waren als Gäste beteiligt. Rund 60 TeilnehmerInnen setzten sich mit der internationalen Lage, der Situation der Geflüchteten und dem europaweiten Vormarsch rechtsextremer und rechtspopulistischer Parteien auseinander. In seiner Eröffnung wies Anton Nielsen (FIR-Dk) auf die Bedeutung imperialistischer Kriegseinsätze auf die wachsende Zahl von Geflohenen hin. Antifaschistische Vereinigungen verpflichten sich zusammenzufinden und publizistisch dagegen zu halten. Mit einem Blick auf die Anschlagsserie in Paris beschwor unser Kamerad Heinz Siefritz (FIR) die Anwesenden, die Werte des Antifaschismus gegen alle politischen Versuche zu verteidigen, die Gesellschaft in autoritärer Weise zu verändern. Ausgehend vom Buchenwaldschwur sollten vier Signale gesetzt werden, eine gemeinsame Position gegen die imperialistische Politik der europäischen Regierungen, eine klare Verurteilung aller Arten von Rassismus und Ultranationalismus, Verteidigung der Anti-Hitler-Koalition im Zweiten Weltkrieg und Erinnerung an ihre Zielsetzungen, gemeinsam mit Gewerkschaften und Kirchen, die Einheit aller Organisationen, die am Kampf für eine bessere Welt ohne Rassismus, Nationalismus, Expansionismus teilnehmen.
Auszug BAF Artikel 02/03.16
Aufbruch und Verständigung
7. Januar 2016
Ausstellung „Neofaschismus in Deutschland“
1. Januar 2016
Vom 01.-19. Februar 2016 wird im Foyer des DGB-Hauses, Bahnhofsplatz 22-28 in Bremen, die Ausstellung „Neofaschismus in Deutschland“ zu sehen sein. Bremische Veranstalter sind Arbeit & Leben, DGB, GEW, Rosa-Luxemburg-Initiative, Universität /Fachbereich 9 und VVN-BdA. Auf 21 Tafeln im DIN-A-1-Format werden Ideologie des Neofaschismus, gesellschaftliche Zusammenhänge und Hintergründe dargestellt. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht ein großes Wimmelbild, das die Struktur des Neofaschismus aufzeigt.
Der Besuch der Ausstellung und der Begleitveranstaltungen ist kostenlos. Führungen von Schulklassen und Besuchergruppen sind nach Anmeldung über Raimund Gaebelein (0421) 6163215 raygaeb@web.de 0176/4986 5184 möglich. Der Inhalt der Tafeln ist über Katalog oder im Internet einzusehen unter www.neofa-ausstellung.vvn-bda.de
Eröffnet wird die Ausstellung am Montag, den 1. Februar 2016 um 17:30 Uhr von Annette Duering, Vorsitzende der DGB-Region Bremen, und Dr. Axel Holz (Schwerin), Bundesvorsitzender der VVN-BdA. Die Begleitveranstaltungen finden im Tivoli-Saal im DGB-Haus am Bahnhofsplatz 22-28 statt.
Mittwoch, den 03. Februar, findet 17:30 Uhr ein Workshop zu „Sprache und Rassismus“ mit Margrit Kaufmann (Uni Bremen) statt.
Mittwoch, den 10. Februar um 17:30 Uhr, wird Andreas Kemper (Münster) über „Rechtspopulismus und Folgen, Ideologie und Auftreten der AfD in Bremen“ referieren.
Dienstag, den 16. Februar um 17:30 Uhr, wird Helmut Kellershohn (Neukirchen-Vluyn) über „Grundlagen rechtsextremer Ideologie (Völkischen Nationalismus, Jungkonservative, Neonationalsozialisten und deren strategischen Optionen)“ referieren.
Donnerstag, den 18. Februar um 19:30 Uhr, spricht Fritz Burschel (Berlin) zum NSU-Prozess.
Weg zum Denkort
24. November 2015
Vom 26. bis 28. November 2010 trafen sich rund 20 Menschen am Bunker Valentin. Sie waren daran interessiert an einer zukünftigen Gedenkstätte als Guide BesucherInnen zu führen… Die Überreste der beachtlichen Anzahl von Gefangenenlager war fußgängig nicht erreichbar – soweit sie überhaupt freigegeben waren. Der größte Teil des Bunkers („Ruinenteil“) durfte aus Sicherheitsgründen nicht betreten werden… Trotz allem blieb ein ansehnliches Programm übrig, woraus die Guides in Kleingruppen die ersten Entwürfe eigener Führungen entwickelten. Am 8. Mai 2011 wurde der „Denkort Bunker Valentin“ provisorisch eröffnet… Die Reaktion meiner BesucherInnen war unterschiedlich. Die meisten wirkten hoch interessiert an dem, was ich Ihnen präsentierte. Die Behandlung und das Schicksal der Zwangsarbeiter ließ kaum jemanden kalt…
Durchgeführt wurden ein- oder mehrtägige Seminare mit anderen Trägern. Es fanden internationale Workcamps statt mit Ausgrabungen an den Fundamenten der Betonmischer auf der Nordseite statt. Baulich waren die letzten ca. 18 Monate vor der endgültigen Eröffnung entscheidend… Das Projekt „Denkort Bunker Valentin“ ist aber alles in allem mehr als gelungen…
Auszug BAF 12.15/01.16
Müde, eine Lüge zu leben
16. November 2015
Sage Singer, eine 25-jährige, jüdisch-polnische Bäckerin, lebt in Westerbrook, einer nordost-amerikanischen Kleinstadt nahe der kanadischen Grenze. Ihren Vater verlor sie mit 19, ihre Mutter bei einem Autounfall, bei dem sie am Steuer saß. Seither lebt sie bei ihrer Großmutter Minka, die Auschwitz überlebte. In der Trauergruppe, die Sage seit dem Tod ihrer Mutter vor drei Jahren jede Woche besucht, lernt sie Josef Weber kennen, einen über 90-jährigen Deutschlehrer und Sporttrainer. Sage kommt ihm beim gemeinsamen Schachspiel näher. Er zeigt ihr ein Foto von sich in SS-Uniform und bittet sie, ihn sterben zu helfen und ihm zu vergeben. Verstört geht die junge Bäckerin zur Polizei und gelangt über Umwege zu Leo Stein und Genevra Astanopoulos von der Abteilung für Menschenrechte und Sonderermittlungen beim Justizministerium.
Zu unwahrscheinlich erscheint das, was Sage Singer erzählt. Ein Josef Weber ist in den Unterlagen nicht zu finden. Ein unbeschriebenes Blatt. Sage vernachlässigt ihre Arbeit und ihre wenigen sozialen Kontakte, um mehr über Josef Webers Vergangenheit herauszufinden. In seiner Hoffnung auf Vergebung nennt er ihr seinen wahren Namen, Reiner Hartmann, geboren am 12.04.1918. Und er vertraut ihr sein Leben an. Über die Hitlerjugend und die Wewelsburg gelangen sein Bruder Franz und er in die SS-Kameradschaft, über die Junkerschule in Sondergruppe und Totenkopfeinheit. Das gnadenlose Töten von Frauen und Kindern lernt Reiner Hartmann Ende September 1939 beim Pogrom in Chodziez im besetzten Polen. Über den Einsatz in der Ukraine kommt er nach Auschwitz und wird Leiter des Frauenlagers in Birkenau.
Leo Stein verifiziert Einzelheiten von Josef Webers Schilderungen und kann nach Ausräumung einiger Hindernisse Sage Singers Großmutter Minka befragen, die als Kind mit ihrer Mutter im Frauenlager von Auschwitz war. Aus einer Fotoreihe identifiziert sie den Mann, der die beste Freundin ihrer Mutter erschoss, die Zeugin eines Diebstahls des eigenen Bruders in seinem Dienstzimmer war. Er selbst hatte seine schützende Hand über Minka gehalten und sie als Vorleserin einer von ihr selbst verfassten mystischen Erzählung in seinen Arbeitsräumen beschäftigt. Josef Weber hat einen Zusammenbruch. Im Sterben erzählt er Sage Singer, warum er ihre Großmutter Minka hatte erschießen wollen und stattdessen ihre beste Freundin tödlich traf. Seinem Bruder Reiner sollte ihre Beziehung verborgen bleiben. Vor der Selektion konnte er sie retten, indem er sie krankenhausreif schlug und auf Todesmarsch in Richtung Groß-Rosen schickte. Sie konnte fliehen und bei Bauern untertauchen, wurde verraten, auf Transport geschickt und schließlich in Bergen-Belsen befreit.
Konnte ein SS-Mann wirklich auf Vergebung für einen Mord hoffen, den er begangen hat? Schuldig war er an der Beteiligung am systematischen Massenmord an ganzen Bevölkerungsgruppen aus rassistischen Gründen. Josef Weber wollte sein Gewissen erleichtern, ohne zu bereuen, im Wissen, dass er sich in Verbrechen verstrickt hatte. Vergebung hätte er sich allenfalls von Großmutter Minka erbitten können. Unzählige Zufälle bestimmten über Sterben oder Überleben in Ghetto und KZ. Überleben gelang nicht immer ohne den Tod anderer miterleben zu müssen. Jodi Picoult stellt den dünnen Grat zwischen Mitverantwortung und Überlebenswillen in extremen Ausnahmesituationen auf den Prüfstand.
Jodi Picoult, Bis ans Ende der Geschichte, C. Bertelsmann Verlag München, 554 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 978-3-570-10217-6
Aber es war Leere
16. November 2015
Eine 86-jährige Regisseurin und Drehbuchautorin Marceline Loridan zieht in einem Brief an ihren Vater Bilanz. Sie erinnert sich ihres Tagebuchs, in dem, sie ihre innersten Gedanken vor der Deportation festhielt. Mit 15 wurde sie mit ihm kurz vor der Befreiung nach Auschwitz verschleppt. Er kam auf dem Todesmarsch um, ihr half sein Vertrauen zu überleben. Ihre Fröhlichkeit habe sie bewahrt, „trotz allem, was uns widerfahren ist“. Sie verspürt den Verlust, ihr steht seine letzte Botschaft vor Augen, auf einem beschriebenen Papierstückchen, hineingeschmuggelt ins Frauenlager über den Lagerelektriker. Für Tomate und Zwiebel, die er ihr bei ihrer letzten Begegnung auf dem Weg zur Krematoriums-Baustelle zustecken konnte, nahm sie die Schläge des SS-Aufsehers in Kauf. Sie erinnert sich des erbitterten Kampfs ums Überleben, den sie mit ihrer Tätigkeit in der Kleiderkammer und dem Beerdigungskommando gewann.
Sie ging auf Transport, über Bergen-Belsen nach Theresienstadt, wo sie von der Roten Armee befreit wurde, von dort zurück nach Bollène. Nach ihrer Rückkehr suchte sie Überlebende ihrer Familie, in ihren Gedanken durchlebt sie Auschwitz stets aufs Neue. Ihre nächsten Angehörigen erlebten eine kurze Frühlingszeit, verstarben aber schon sehr früh. Bindeglied blieb der Vater. Die amtliche Todeserklärung machte seinen Tod so endgültig. Sie versucht es in einem Film einzufangen. Vergeblich bemüht sich Marceline Loridan, bei einem Besuch in Auschwitz verlorene Spuren wiederzufinden. Alles kam in ihr wieder hoch. Aber es war Leere. Paris wird ihr Lebensmittelpunkt, sie setzt sich ein für ein gemeinschaftliches Zusammenleben.
Marceline Loridan-Ivens, Und Du bist nicht zurückgekommen, Insel Verlag Berlin 2015, 110 S. 15 Euro, ISBN 13: 9783458176602
Ein enthüllendes Arbeitsjournal
16. November 2015
Die Lektüre lohnt, dies sei der Besprechung ausdrücklich vorangestellt, handelt es sich doch um ein Buch von höchster Aktualität und zugleich von besonderer Art, das Ulrich Sander den bisher von ihm verfassten oder herausgegebenen Publikationen folgen ließ. Wer des Verfassers unermüdliche und konsequente antifaschistische Tätigkeit kennt, wird weder vom Thema noch von den eindeutigen Fragestellungen und Aussagen überrascht sein. Diese gelten jener unrühmlichen Wiedergutmachungs- und Erinnerungspolitik, die in Bundesdeutschland regierungsoffiziell betrieben worden ist und betrieben wird. 55 Jahre mussten vergehen, bevor die Zwangsarbeit – nach Schätzungen geleistet von etwa 20 Millionen Menschen – als nationalsozialistisches Unrecht offiziell in einem Gesetz anerkannt wurde.
Soeben, im Jahr 2015, war zu erleben, wie mühselig gekämpft werden musste, um die juristische Klausel „Kriegsgefangenschaft begründet keine Leistungsberechtigung“ unwirksam werden zu lassen und die wenigen noch lebenden sowjetischen Kriegsgefangenen entschädigen zu können. Ebenso mühselig war es auch am Ende des 20. und zu Beginn des 21. Jahrhunderts gewesen, eine Entschädigung für die ausländischen Zwangsarbeiter zu erreichen. Bei deren Versklavung und menschenunwürdiger Ausbeutung hatte es sich um eines der schwersten Verbrechen deutscher Faschisten gegen die Menschheit gehandelt, doch Politik und Wirtschaft wollten sich ihrer Verantwortung entziehen. Erst erheblicher Druck schuf rund 50 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg Veränderungswillen. Der ungewisse Ausgang zahlreicher Sammelklagen auf Entschädigung, die von ehemaligen Zwangsarbeitern in den USA eingereicht worden waren, sowie die in Deutschland aufflammende politische Diskussion führten im Jahre 2000 zur Gründung der „Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“. Für diese sollten mehrere Milliarden DM aufgebracht werden, zu gleichen Teilen von Industrie und Bund; allerdings wären die Unternehmer – wie Thomas Kuczynski berechnete – zum Zahlen des Achtzehnfachen verpflichtet gewesen. Unter der Voraussetzung, dass alle Klagen vollständig zurückgenommen werden, durften schließlich ehemalige Zwangsarbeiter in fünf osteuropäischen Staaten sowie in Israel und in den USA Anträge auf Entschädigung stellen. Nicht nur die den Deutschen zugesprochene besondere Gründlichkeit verlangte dafür erheblichen bürokratischen Aufwand und vielerlei Recherchen: Antragsteller hatten Nachweise vorzulegen, die zu beschaffen unheimlich viel Aufwand erforderte, Listen mussten erarbeitet und Betriebe ausfindig gemacht werden, die Zwangsarbeiter beschäftigt hatten …
Das alles bietet den geschichtlichen Hintergrund des hier vorzustellenden Buches. Sein Verfasser wirkte, beginnend am 2. Mai 2000 und endend im November 2001, als Nutzer einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme zur Erforschung der Zwangsarbeit in der südwestfälischen Stadt Lüdenscheid – dies trotz mancher Widerstände erfolgreich. In Form eines Tagebuches beschreibt er die eigene Tätigkeit, seinen Einzug ins Rathaus, seine Ansprech- und Verhandlungspartner, seine Schritt für Schritt vorgelegten Ergebnisse. Am Ende lagen 7 462 Kurzbiografien von Zwangsarbeitern in Lüdenscheid und Umgebung vor, die in Datenbanken zusammengefasst zudem diverse statistische Analysen erlauben. Nicht ohne berechtigten Stolz darf Sander am Ende schreiben, dass nur wenige deutsche Städte über eine aus den vorhandenen Quellen erarbeitete Materialsammlung verfügen (S. 210). Vermutlich konnten auf der Grundlage der Lüdenscheider Recherchen etwa 1.500 Überlebende eine Entschädigung erhalten.
Mehrere Darstellungsstränge des Bandes sind ineinander verwoben, ebenso aufschlussreich wie kunstvoll … ein Teil anstelle einer Gesamtheit von Vorgängen: Diesem Motto folgt Sander geradlinig und konsequent. Eine der roten Linien seiner Darstellung gilt den Eintragungen in ein Tagebuch. Hier wird akribisch erfasst, was wann und wie zu tun erforderlich gewesen und was jeweils erreicht worden ist. Da erscheinen mitunter Details, die sonst kaum Eingang in historische Darstellungen finden, die jedoch alltägliche Mühen und kleingeistige Querelen drastisch erhellen. Eingebettet in die Tagesberichte tauchen Briefe, Ausschnitte aus Zeitungsartikeln und anderen Dokumenten auf. Das verleiht der Darstellung über weite Strecken dokumentarischen Charakter. Beschrieben werden ebenso Zustände und Verbrechen in einigen Arbeits- und anderen Lagern, gestützt vor allem auf die Publikationen von Gabriele Lotfi und anderer Autoren. Eingestreut sind auch bemerkenswerte Ausführungen zu den Schicksalswegen einzelner Zwangsarbeiter, zu denen jedoch der titelgebende, aber eher symbolisch angeführte „Iwan“ nicht gehört. Längere Untersuchungen sehen sich dem spurlosen Verschwinden von 118 montenegrinischen Zwangsarbeitern gewidmet, das offensichtlich zu jenen mörderischen, von NSDAP-Gauleiter und Reichsverteidigungskommissar Albert Hoffmann in den letzten Kriegswochen angeordneten Verbrechen gehört. Die Agonie der Naziherrschaft sah sich drakonisch ergänzt durch einen opferreichen Durchhalteterrorismus. Mit diesem sollte weniger der propagierte „Endsieg“ gewährleistet werden, eher ging es um das Verwischen von Spuren sowie um Versuche, das Überleben von ausbeutungsgierigen Großindustriellen und führenden Nazis in den erwarteten Kämpfen befreiter Zwangsarbeiter zu sichern. Immer wieder finden sich in die Tagebuchnotizen eingestreute allgemeine Betrachtungen. Sie entstammen zumeist den in jener Zeit gehaltenen Vorträgen oder publizierten Artikeln des Verfassers. Darin setzt sich Sander ständig mit den unterschiedlichsten, zum Teil auch unsinnigen „Argumenten“ auseinander, denen zufolge es überflüssig oder gar falsch wäre, Entschädigungen zu zahlen. Erhellt wird vor allem Inhalt und Charakter der Forderung, dass endlich ein „Schlussstrich“ gezogen werden müsse.
In seinem Nachwort mit dem Titel „Zehn Jahre danach: Keine Anklage gegen die Quandts und Co.“ berichtet der Verfasser von den leider erfolglosen Bemühungen, eine Mahntafel an einem Gebäude anzubringen, das früher der Familie Quandt gehörte. Damit sollte auf die verhängnisvolle Rolle von Wirtschaftskreisen im Dritten Reich bzw. im Zweiten Weltkrieg hingewiesen werden. Ferner wird ausführlich ein Vortrag referiert, den Thomas Kuczynski am 8. Mai 2011 im Rückblick auf die Entschädigungsdebatte gehalten hat. Das Resümee: „Ablass zu Ausverkaufspreisen“ …
Ulrich Sander, Journalist und Bundessprecher der VVN-BdA, versteht seine Recherchen als „kleinen Ausschnitt aus einer leider noch nicht geschriebenen großen Anklageschrift gegen die Täter“ und fühlt sich dem bekannten Schwur der befreiten KZ-Häftlinge von Buchenwald verpflichtet, die den Kampf erst entstellen wollten, „wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht“ (S. 17). Folgerichtig lautet der letzte Satz des lesenswerten Buches: „Das Ringen um Gerechtigkeit geht weiter.“ (S. 237) Die Schlussfolgerung, die er aus dem beschämenden Verhalten deutscher Großunternehmer in den Auseinandersetzungen um die Entschädigung der Zwangsarbeiter zieht und seiner Publikation gleichsam voranstellt, lautet: Ohne Wirtschaftsdemokratie wird es auf die Dauer keine Demokratie mehr geben, wie es auch „ohne die Einschränkung von Rüstungskonzernen und Rüstungsexporten“ keinen Frieden geben könne (S. 13).
Ulrich Sander: Der Iwan kam bis Lüdenscheid. Protokoll einer Recherche zur Zwangsarbeit. PapyRossa Verlag Köln 2015, 237 S. 15,90 € ISBN 978-3-89438582-8
Prof. Manfred Weißbecker (Jena)
Zum Jahresauftakt
16. November 2015
Liebe Kameradinnen und Kameraden, liebe Friedensfreunde, liebe Leser des „Bremer Antifaschist“,
Das Neue Jahr wollen wir gemeinsam am Sa., den 16. Januar 2016, um 15 Uhr in den Räumen der Geschichtswerkstatt Gröpelingen, Liegnitzstraße 61, beginnen. Wer einen Kuchen oder eine Torte backen kann, möchte sich bei uns im Büro melden. Wer abgeholt werden möchte, sollte ebenfalls kurz bei Marion unter 0152 0944 1358 Bescheid geben.
Auch danach gilt es wieder kräftig anzupacken, sich eingehend zu informieren und zu diskutieren. Gelegenheit dazu bietet sich ( Ausstellung) im Gedenken an die Verteidiger der Bremer Räterepublik am 14. Februar auf dem Waller Friedhof. Verstärkt sollten wir uns bemühen als die Erben der Widerstandsgeneration ihr Wirken, ihre Ideen, ihr Handeln wieder an breitere Kreise der Öffentlichkeit, an Jugendliche, an Menschen heranzutragen, denen die Entwicklung in eine kalte, menschenfeindliche Gesellschaft Sorgen bereitet, die Freiheit nicht mit dem Verzicht auf Gerechtigkeit und Gleichheit erkaufen wollen. Erneut wird versucht Kräfte auszugrenzen, die sich gegen eine Aushöhlung der Demokratie und verstärkte Militarisierung der Gesellschaft zur Wehr setzen. Mit Diffamierung und Zurücksetzung des Antifaschismus sollen die Erben des Widerstands erneut delegitimiert werden. Die Rehabilitierung der Opfer des Kalten Kriegs ist jetzt absolut notwendig.
der Landesvorstand
Täter und Opfer
16. November 2015
Unter dem Titel „Erinnerungskultur und Vergangenheitspolitik“ tagte die „Stiftung niedersächsische Gedenkstätten“ am 09.-11. Oktober in Hannover. 94 TeilnehmerInnen verfolgten diese fachwissenschaftliche Tagung mit zwölf ReferentInnen und einer Exkursion. Prof. Dr. Norbert Frei (Jena) zog in einem ausführlichen Eingangsreferat Bilanz zu 70 Jahren Veränderung im Geschichtsbewusstsein…
Prof. Dr. Constantin Goschler (Bochum) zeigte anhand der Wiedergutmachungspolitik seit 1945 auf, wie schwer sich Politik, Justiz und Verwaltungspraxis über Jahrzehnte taten, Opfer des Faschismus zu würdigen. Wiedergutmachungspolitik ließe sich vor allem anhand der Schritte zur Wiedereingliederung der Bonner Republik in die internationale Gemeinschaft ablesen…
Der Vortrag von Dr. Christoph Rass (Osnabrück) bot eine kritische Auseinandersetzung mit Vergangenheit und Geschichtspolitik. Bis hin zur Neubewertung der Ehrung von Honoratioren in Politik und Wirtschaft, zeigte er Ergebnisse historisch-kritischer Nachforschungen anhand von Lebensläufen „verdienter“ Personen in Behörden und Diensten im Laufe der Jahrzehnte, bis hin zum BND…
Die Exkursion am Samstagnachmittag führte die TeilnehmerInnen in die Rosebusch – Verlassenschaften, wo die Künstlerin Almut Breuste durch die gemeinsam mit ihrem verstorbenen Lebensgefährten entwickelte Kunstinstallation einführte…
Die Stiftung niedersächsische Gedenkstätten hat eine hochkarätige Tagung gestaltet, die vor allem geprägt war von einer Auseinandersetzung um die Interpretation der Einschätzung des Charakters der Befreiung vom Faschismus in der heutigen Gesellschaft, der Vorstellung on jüngsten Forschungsergebnissen und der Vorstellung der Gedenkstättenarbeit der nächsten Zeit…
Auszug BAF 12.15/01.16
Mit Wehmut und Trauer gedenken wir der Toten!
16. November 2015
Am Sonntag, den 13. September, fand um 11.30 Uhr auf dem Friedhof in Osterholz unser traditionelles Gedenken an die Opfer von Fashismus und Krieg statt. Unser Kamerad Jörg Wollenberg war wegen eines Vortrags in Charkow verhindert, an seiner Stelle trug Gerald Schneider seine Gedenkrede vor. Jörg wies darin auf die Kampfgemeinschaft gegen den Faschismus hin, die sich schon vor der Befreiuung zusammengefunden hatte…
Jörg plädiert vehement für eine Aufarbeitung der „nur partiell realisierten Hoffnungen von 1945… Was wurde aus dem Schwur von Buchenwald, was wurde aus der von allen Parteien der ersten Stunde (außer der FDP) getragenen Ablehnung des Kapitalismus? Welche Bedeutung gewann das politisch-pädagogische Prinzip der Umerziehung für die politische Kultur der Deutschen? Was wurde aus dem Bekenntnis, dass kein Deutscher je wieder zur Waffe greifen sollte? Was wurde aus der Forderung nach Entmilitarisierung Deutschlands und Euiropas und der Beendigung jeglicher Rüstungsproduktion? Was ist von den Neuordnungsvorstellungen der Gewerkschaften vor 1945 geblieben? …“
Mit ihren leidenschaftlich vorgetragenen französischen, griechischen und jiddischen Widerstandsliedern trug Aline Barthélémy dazu bei, dass der Auftrag des Gedenkens, mahnende Verpflichtung zu sein, die kleine Gruppe von ZuhörerInnen in Bann schlug.. Auszug BAF 12.15/16
Gedenken an die Pogromnacht 1938 und die Deportationen 1941/42
8. Oktober 2015
Der Beirat ruft Gröpelingerinnen und Gröpelinger auf sich am Montag, den 9. November, um 17 Uhr am ehemaligen jüdischen Altenheim an der Gröpelinger Heerstraße 167 an einer Mahnwache zum Gedenken an die Opfer der Pogromnacht November 1938 zu beteiligen. Letztes Jahr beschloss der Beirat Gröpelingen ihre Namen auf einer Stele festzuhalten. Mit Unterstützung des Beirats Gröpelingen, der Bürgerstiftung Bremen, des Vereins Erinnern für die Zukunft und der VVN-BdA Bremen wird diese Stele am 9. November eingeweiht. Es sprechen von Beiratsseite Barbara Wulff und Raimund Gaebelein. Unverhohlene Billigung des Völkermords in Auschwitz, Zerstörung und Schändung jüdischer Grabmäler, Brandanschläge der vergangenen Monate zeigen deutlich, dass Wachsamkeit gegen jede Form von Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit nach wie vor geboten ist. Mit dieser Mahnwache soll aller Opfer faschistischen Terrors hier in unserem Stadtteil gedacht werden. Im Anschluss sind alle Interessierten eingeladen zu einer Lesung mit dem Bremer Schriftsteller Johann-Günther König aus Josef Kasteins 1927 erschienenem Roman „Melchior“ über den Generationswechsel in einer Kaufmannsfamilie in der Contrescarpe und einer Handwerkerfamilie in Walle. Die Lesung findet gegen 17:45 Uhr im Quartiersbildungszentrum Morgenlandstraße statt.
Die Stele aus Glas zeigt das Portrait Dr. Leopold Rosenaks, der mit seinen Spendensammlungen den Ankauf und Umbau des Hauses ermöglicht hatte.
„Erbaut 1904, entstand in diesem Haus auf Initiative von Rabbiner Dr. Leopold Rosenak (1868-1923) das Jüdische Altersheim, 1925 eingeweiht und gedacht für 25 Heimbewohner.
In der Reichspogromnacht vom 9. Auf den 10. November 1938 überfielen SA-Männer das Haus und misshandelten die hier lebenden Menschen.
In den folgenden Jahren musste das Altersheim immer mehr Menschen aufnehmen, die hier bis zu ihrer Deportation in drangvoller Enge lebten.
Wenige Bewohner wurden schon 1941 deportiert, die meisten jedoch 1942 in das Ghetto Theresienstadt. Sie erlagen den Entbehrungen im Ghetto oder wurden in den Vernichtungslagern Treblinka und Auschwitz ermordet.“
Es folgen die 77 Namen der von hier deportierten Bewohner.







