Der Welt erzählen, was hier geschehen ist
Als 20-jähriger wird Samuel Willenberg 1943 ins Vernichtungslager Treblinka verschleppt. Auf eindrucksvolle Weise berichtet er in seinen erstmals 1986 in hebräischer Sprache erschienen Buch über den täglichen Lagerablauf. Er überlebt dank seiner sportlichen Verfassung, der Unterstützung durch Leidensgefährten und einer Reihe von glücklichen Zufällen. Er schreibt ohne Pathos, aber der tiefe Schmerz über den Verlust seiner ermordeten Familienmitglieder und Leidensgefährten durchdringt den Bericht. In Częstochowa geboren, wo sein Vater Kunst unterrichtet, meldet er sich als 16-jähriger September 1939 zum polnischen Militär und wird verwundet. Die Familie geht unter falscher Identität nach Opatow, wo sie 1942 denunziert und abtransportiert werden. Verzweiflungsschreie und Resignation der Deportierten lässt Willenberg spürbar werden. 120 Menschen werden in einen Viehwagon eingepfercht. Der Zug mit 20 Waggons endet scheinbar in einem Wäldchen, dem Vernichtungslager Treblinka.
Als vermeintlicher Maurer überlebt Samuel Willenberg in verschiedenen Arbeitskommandos, hört täglich neue Züge voller todgeweihter Menschen ankommen. Er sortiert Brillen, Löffeln, Rasierapparaten, Uhren, Zigarettendosen aus zehn Meter hohen Bergen von Kleidung, Schuhen, Koffern und Rucksäcken. Die Kleidung wird nach eingenähten Wertgegenständen, Goldstücken, Banknoten peinlichst durchsucht. Es sind die Hinterlassenschaften Tausender von Menschen, die nackt ins Gas getrieben werden. Die Auspuffgase kommen aus einen erbeuteten russischen Panzermotor. Die Gaskammern liegen abgeschirmt hinter einem riesigen Erdwall. Pässe, Familienfotos, Briefe, Zeugnisse bringt Samuel Willenberg zum Verbrennen ins Lazarett, wo Kranke nach Betäubung durch Schüsse von einem ukrainischen Trawniki in den Hinterkopf getötet und in eine brennende Grube gestoßen werden. Waggons voller Kleiderbündel und Koffer gefüllt mit Wertgegenständen verlassen das Lager. Über allem liegt der süßliche Verwesungsgeruch.
Samuel Willenberg wechselt ins Kommando Tarnung, das Äste und Büsche zur Abschirmung der Baracken vor der Umgebung aus dem Wald holt. Es gibt dort etwas mehr zu essen. März 1943 beginnt die Registrierung der Männer in den Kommandos. Im Sommer wird das Lager mit Eisenböcken und Stacheldraht befestigt. Für das Waffenarsenal wird ein festes Haus gebaut. Die zuvor vergrabenen und mit Kalk bedeckten Toten werden ausgegraben und auf Rosten aus Eisenbahnschienen verbrannt. Am Nachmittag des 2. August holt die Aufstandsbewegung Waffen aus den Verstecken, Pistolen, aber auch Zangen, Hämmer, Äxte zur Überwindung der Umzäunung. Teile der Wachmannschaften und SS sind zu ihren Familien gefahren. Der Ausbruch gelingt einem Teil der Todgeweihten.
Samuel Willenberg schlägt sich auf geheimen Wegen bis Warschau durch, Częstochowa und Opatow erweisen sich als zu gefährlich zum Bleiben. Er trifft seinen Vater wieder, der sich als Maler von Heiligenbildern über Wasser hält. Willenberg nimmt am Warschauer Aufstand der polnischen Heimatarmee teil und erlebt die Kapitulation Bor-Komorowskis vor den Deutschen nach wenigen Monaten erbitterter Kämpfe. Er erlebt den Verrat an den Widerstandsgruppen, die nicht direkt der Heimatarmee angehören, und die Auslieferung enttarnter jüdischer Partisanen. Er hat seinen Anteil an der Rettung zweier Brücken für die sich nähernde russische Front. 1950 emigriert er nach Israel. Seit 1983 verarbeitet er das Erlebte in Vorträgen vor Schulklassen und in Skulpturen.
Samuel Willenberg, Treblinka – Lager, Revolte, Flucht, Warschauer Aufstand, Reihe Antifaschistischer Texte, Unrast Verlag Münster, 240 S. 22 Euro, 2. Aufl. März 2018, ISBN 9-783897-718203
Treblinka – Lager, Revolte, Flucht, Warschauer Aufstand
15. Mai 2018
Frau Maier wirbelt Staub auf
15. Mai 2018
Die dörfliche Idylle im beschaulichen Kauzing am Chiemsee wird erneut von einem lästigen Vorfall beeinträchtigt. Ein Phantom wird des Nachts bemerkt. Hobby-Kriminologin Frau Maier bespricht sich mit ihrer Sparkassenhalterin Elfriede Gruber über eine Feier ihres bevorstehenden Geburtstags. Irgendwie bemerkt sie, dass regelmäßig zwei Zigarettenkippen vor ihrem Gartentor liegen und auf dem Dachboden merkwürdige scharrende Geräusche zu vernehmen sind. Sie ist Frühaufsteherin und gewohnt, regelmäßig ihre Runden zum See zu gehen. Merkwürdigerweise steht ein Wagen noch am nächsten Tag verlassen auf dem Parkplatz vor dem Steg. Darin ein Toter. Sie bittet zwei Hundehalterinnen die Polizei zu rufen. Ihr Intimfeind Kommissar Brandner sucht Frau Maier zuhause auf, um ihre Aussage aufzunehmen. Bei dem Toten handelt es sich um den Vater des Bürgermeisterkandidaten Seitzinger. Auf einem weiteren ihrer morgendlichen Spaziergänge trifft Frau Maier den Dorfchronisten Andreas Haller, der im alten Pfarrhof wohnt. Von ihm erhofft sie sich Aufschluss über ihre eigene Familiengeschichte, die sie 1945 als kleines Kind auf der Flucht in den Chiemgau führte. Außer einer Aufnahme ihrer Familie zeigt das Album ein Bild mit dem ermordeten Ferdinand Seitzinger, Franz Haller, dem Vater des Chronisten, und Ludwig Mailinger von einem Bauernhof am Ortsrand. Das Bild daneben fehlt. Vermerkt ist, dass dort Familie Mailinger zu sehen ist, Ludwig senior, Maria, Ludwig junior und Rosa. Auf eigene Faust stöbert Frau Maier im alten Pfarrhof. Das fehlende Foto befindet sich wieder im Album. Bei ihrer Rückkehr bemerkt sie das Fehlen ihrer Sofadecke. Im Briefkasten ein Umschlag mit einem Zeitungsartikel über Abschuss von Katzen. Eine Drohung? Es gibt einen zweiten Mord. Frau Maier erfährt, dass der alte Franz Haller eine Assistentin hatte, Rosa Wendt. Was geht auf Frau Maiers Dachboden vor sich? Wer hält sich dort auf? Wer beobachtet und durchsucht seit Tagen ihr Haus? Von wem stammen die Drohungen? Warum ist niemand bereit über das Schicksal Ludwig Mailingers im April 1945 zu erzählen? Wer ist das geheimnisvolle Phantom, dessen Steckbrief in der Sparkasse ausgehängt ist? Antworten erhofft Frau Maier von einem Tagebuch, dass sie beim Durchstöbern der Privaträume des Bürgermeisterkandidaten findet. Der vierte Fall Frau Maiers führt in die unausgesprochenen Geheimnisse einer Dorfgemeinschaft, die ihre Geheimnisse verschweigt und Spitzelei gegen Nachbarn unter den Teppich kehren will. Zumal da sie mit Verrat und Eigentumsaneignung verbunden sind.
Jessica Kremser, Frau Maier wirbelt Staub auf, Pendragon Verlag Bielefeld 2018, 320 S., 13,- Euro, ISBN 978-3-86532-610-2
Mahnwache
15. Mai 2018
Gröpelinger Beirat ruft zur Mahnwache am ehemaligen jüdischen Altersheim auf!
Die Mitglieder des Beirates Gröpelingen zeigen sich bestürzt über die erneute Zerstörung der Gedenkstele am ehemaligen jüdischen Altersheim in der Gröpelinger Heerstraße/Ecke Morgenlandstraße.
Der Beirat ruft daher alle interessierten Menschen – verschiedener Religionen und Weltanschauungen- zu einer dortigen Mahnwache auf, am Donnerstag, 24. Mai 2018, um 17 Uhr.
Nachdem bereits 2016 der Sockel aus der Verankerung gerissen wurde, haben letzte Woche unbekannte Täter in ihrer Zerstörungswut die Glasplatte zertrümmert.
„Das stimmt mich nicht nur empört, sondern auch traurig, zumal der Beirat aus seinem bescheidenen Etat immer wieder finanzielle Mittel für das Denkmal zur Verfügung gestellt hat“, erklärte die Gröpelinger Beiratssprecherin Barbara Wulff.
Gerade in Zeiten des wiederauflebenden Antisemitismus sei es umso wichtiger, dass das Gedenken an die Opfer der Reichspogromnacht, die am 9. November 1938 aus dem ehemaligen Altersheim vertrieben und ermordet wurden, nicht vergessen werde. Daher hatte der Beirat im vergangenen November auch SchülerInnen der Gesamtschule West zur Beteiligung an der alljährlich stattfindenden Gedenkstunde eingeladen.
Für den Beirat Gröpelingen:
Barbara Wulff
Band 2 des Buchprojekts
15. Mai 2018
Prof. Dr. Jörg Wollenberg, „Die andere Erinnerung, Spurensicherung eines widerständigen Grenzgängers“, Band 2 des Buchprojekts „Krieg der Erinnerungen, Von Ahrensbök über New York nach Auschwitz und zurück“.
Achtung, es findet keine Buchvorstellung am 21.06.2018 statt.
Sommerausfahrt VVN-BdA Bremen
15. Mai 2018
Sonntag, 05. August, 10 Uhr ab Linkstreff West, Gröpelinger Heerstraße 120/Ecke Moorstraße Sommerausfahrt zur KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen Ausstellung Kinder im KZ. Wir wollen in Fahrgemeinschaften dorthin fahren. Interessierte melden sich bitte bei Raimund unter (0421) 6163215 oder 0176/4986 5184 (bitte Bescheid geben, ob PKW und Plätze für Mitf.).
Lesung Rolf Becker „Das kommunistische Manifest“
15. März 2018
Sonntag, 06.05. liest Rolf Becker um 19:30 Uhr in der Bremer Shakespeare Company anlässlich des 200. Geburtstages von Karl Marx den vollständigen Text des vor 170 Jahren erschienenen Kommunistischen Manifests (1848). In dieser mit Friedrich Engels verfassten, pünktlich zur Märzrevolution 1848 herausgebrachten Schrift wird in vielen Passagen eine Aktualität sichtbar, die den gegenwärtigen Kapitalismus im Stadium seiner umfassenden Globalisierung kennzeichnet. Über die historische Relevanz dieser Programmschrift hinaus wird die Veranstaltung dazu anregen, die welthistorische Bedeutung von Karl Marx als Gesellschaftswissenschaftler (politische Ökonomie, Philosophie, Geschichte, u.a.) zu reflektieren. In Kooperation mit dem DGB Bremen/Niedersachsen und der Rosa Luxemburg Initiative Bremen.
Gemeinsames Gedenken mit der Amicale Belge de Neuengamme
15. März 2018
Freitag, 04.05. gemeinsames Gedenken mit der Amicale Belge de Neuengamme 10:30 Uhr Bahrs Plate, anschließend Bunker, 12:30 Uhr Schützenhof
1.Mai
15. März 2018
Dienstag 1. Mai, Infostand Domshof, Aufstellung Osterdeich/Sielpfad, 12 Uhr Kundgebung Domshof
Erinnerung an Zwangsarbeit während des Nationalsozialismus in Bremen
15. März 2018
Montag, 23.04. 19 Uhr im Gemeindesaal der Ev. Gemeinde Gröpelingen-Oslebshausen, Danziger Straße, „Erinnerung an Zwangsarbeit während des Nationalsozialismus in Bremen“, Vortrag und Gespräch mit Studierenden der Universität Bremen über Forschungen zu Lagern und Arbeitsorten im Hafengebiet und Gespräche mit ehem. ZwangsarbeiterInnen und ihren Kindern in Kiew und Nikolajew über ihre Erfahrungen in Deutschland während des Krieges. Vorgestellt werden ein kurzer Film von zwei Jugendbegegnungen und neue Pläne für ein Erinnerungsprojekt am ehemaligen Außenlager Schützenhof. Dazu mehr im Blog https://bremkraine.hypotheses.org/
Ostermarsch
15. März 2018
Samstag, 31.03. Ostermarsch Alarmstufe Rot für den Planeten Erde, 11 Uhr Hauptbahnhof Auftaktkundgebung mit Dr. Lars Pohlmeier (IPPNW/ICAN) und Mizgin Ciftci (OHZ), 12 Uhr Kundgebung Marktplatz mit Doris Achelwilm, MdB (Die Linke), Arno Gottschalk, MdBB (SPD), Barbara Heller (Bremer Friedensforum) und Willy Schwarz (Kulturprogramm)
Die auch in diesem Jahr stattfindenden Ostermärsche der Friedensbewegung sollen ein Zeichen für „Abrüsten statt aufrüsten“ setzen, gegen die aktuellen Kriege und Konflikteskalation. Auch in Bremen wollen wir demonstrativ deutlich machen, dass die beabsichtigte Ausweitung des Kriegsgeschehens – und der deutschen Beteiligung daran – nicht unwidersprochen hingenommen wird. Die neue Regierung in Berlin sollte endlich die Friedensfrage aufgreifen und sich gegen Kriege und Waffenlieferungen für Frieden, Abrüstung und eine neue Entspannungspolitik einsetzen. Dafür sollen die Ostermärsche in diesem Jahr Druck machen.






