Bremen

10. Dezember 2012

Als frühe Hausbesetzer sind sie uns vertraut, die Stadtmusikanten.

Als frühe Hausbesetzer sind sie uns vertraut, die Stadtmusikanten. Ob sie wohl das beliebte Bremer Bier gelockt hat, das hier seit 700 Jahren gebraut wird? In seinem 126 Seiten starken Büchlein geht Johann-Günther König auf liebenswerte Weise von bekannten oder nicht so bekannten Anekdoten und Werbeslogans über Bremen aus. Auswanderung steht dabei im Mittelpunkt, wohin aber und warum? Das erste Auswandererschiff segelte doch erst 1832 vom gerade erworbenen Bremerhaven aus los. Die auch im Rentenalter höchst teamfähigen Flüchtlinge wollten wirklich nach Bremen, mit dem festen Ziel Musiker zu werden. Das taten sie auch 400 Jahre lang bei Staatsempfängen und Hochzeiten. Überhaupt ist Bremen die Stadt der Innovationen. Wie sonst hätte Friedrich Wagenfeld auf das Märchen von den Sieben Faulen kommen sollen? Bremen als Griechenland der Bundesrepublik? Da sei der Roland vor! Schließlich geht es hier um die siebtgrößte Hightechregion, wenn auch die traditionelle Industrie so nicht mehr besteht. Auch die schwierige politische Lage wird erläutert. Friedrich Ebert und Wilhelm Pieck, Ludwig Quidde und Johann Gottfried Seume haben neben Wilhelm Kaisen und Johan Smidt ihren Platz in der Hansestadt gefunden. In gesellschaftlichen Dingen gaben sich die Bremer Pfeffersäcke eher etwas ruppig, von der Niederschlagung der Stedinger, über die Hinrichtung der Friesenhäuptlinge Gerold und Edo bis hin zur Zerschlagung der Bremer Räterepublik. Dafür haben sie sich redlich Mühe gegeben durch Mäzenatentum ein liebenswertes Bild nach außen zu vermitteln. Aber damit nicht genug, werden in Bremen doch alljährlich Literatur- und Friedenspreis vergeben. Schmuck, freie Fahrt und Rechtsprechung ergaben das dreifache Bremer Recht, damit wird der Leser verschmitzt in die Bedeutung Bremer Redensarten eingeführt. Plattdeutsch als Leitkultur? Aus Solidarität mit den Zugereisten wird es als Mischings ins Hochdeutsche eingeführt. Sicher ein lohnenswertes Geschenk für Freunde und Besucher.